04:12 16 Dezember 2019
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    türkische Truppen in Syrien, Kobane Stadt (Archivbild)

    Offensive da, Zauderei dort: Türkei kämpft in Syrien an zwei Fronten

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    Eine Gruppe von türkischen Soldaten hat jüngst die Grenze zu Syrien überschritten und zwei Dörfer in der selbsternannten kurdischen Autonomie besetzt, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Dienstag.

    Wie Farhat Patijew, Mitglied des Nationalen Kongresses Kurdistans, mitteilte, warnte das kurdische Volksheer Ankara: Falls seine Kräfte das an die Region Kobane grenzende Territorium nicht verlassen, müssten die Kurden darauf reagieren.

    „Nach der Befreiung Rakkas (vom IS) beginnt in Syrien eine neue Phase“, sagte Patijew. „Die Kurden haben bereits Kommunalwahlen auf dem Territorium ihrer Autonomie angekündigt. Die Türkei sieht, dass sich die Situation nicht nach ihrem Plan entwickelt, und versucht, die vollständige Befreiung Rakkas und auch die bevorstehenden Wahlen (in Kurdistan) zu verhindern.“

    Zuvor war auch über die Verlegung von türkischen Truppen in die Provinz Afrin im Nordwesten Syriens berichtet worden, wo hauptsächlich Kurden leben. Im Falle weiterer Anspannungen der Situation in diesem an Kobane grenzenden Gebiet könnte es zu Auseinandersetzungen zwischen dem kurdischen Volksheer und den türkischen Spezialeinsatzkräften kommen.

    Die Motive der türkischen Behörden sind und bleiben dieselben. „Ankara erklärte des Öfteren, dass der Einsatz ‚Euphrat-Schild‘  (…) unter anderem das Ziel verfolgte, die kurdischen Selbstverteidigungskräfte zu beseitigen“, so der Experte des Moskauer Instituts für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen, Viktor Nadejin-Rajewski.

    „Ich habe zudem den Eindruck, dass die Türkei ihr Territorium auf Kosten des syrischen Territoriums erweitern will, wo die syrischen Kurden leben. Die absolut meisten von ihnen plädieren für die eigene Autonomie, was für die Türken aber inakzeptabel ist. Denn davon könnte die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) profitieren“, die in der Türkei als terroristische Organisation gilt. De facto aber sei der Kampf gegen die PKK ein Kampf gegen die Kurden als Völkerschaft, stellte der Politologe fest. Präsident Recep Tayyip Erdogan neigt nach seiner Auffassung zum Monotheismus, der eigentlich schon immer die Basis des politischen Kurses Ankaras bildete.

    Aber die syrischen Kurden genießen die Unterstützung der USA, von denen sie unter anderem Waffen bekommen. Dadurch entstehe ein relativ großes Konfliktpotenzial zwischen Ankara und Washington, so Nadejin-Rajewski weiter.

    Davon, dass die Beziehungen zwischen den beiden belastet sind, zeugt unter anderem der jüngste Bericht der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, in dem sie ausführliche Details über die Stationierung von US-Stützpunkten in Syrien anführte. Solche gebe es beispielsweise in den Provinzen Hasaka, Aleppo und Rakka. Noch seien dort französische Truppen untergebracht worden.

    Auf der anderen Seite wäre es falsch zu behaupten, die Türkei würde in Syrien nur gegen die Kurden kämpfen. Negativ für Ankara entwickelt sich die Situation in der Provinz Idlib, die es für seinen Einflussraum hält. „In Idlib sind für die Türkei die größten Gefahren mit der Gruppierung Hai’at Tahrir asch-Scham verbunden, die den größten Teil dieser Provinz kontrolliert“, sagte Kyrill Semjonow vom russischen Zentrum für Islam-Studien beim Institut für innovative Entwicklung. „Eigentlich ist Ankaras wichtigste Aufgabe in Idlib, dieser Gruppierung zu widerstehen, doch es findet keine Entschlossenheit, keine Kräfte und auch keine Möglichkeiten dafür. Vor diesem Hintergrund könnte Tahrir asch-Scham ihren Einfluss ausbauen. Natürlich müssen die Türken ihre ‚Sicherheitszone‘ irgendwie erweitern, aber vorerst haben sie keine Ahnung, wie sie gegen Tahrir asch-Scham kämpfen werden. Oder eben nicht.“

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    Tags:
    Kurden, IS, Viktor Nadein-Rajewski, Farhat Patijew, USA, Türkei, Syrien