16:13 20 April 2019
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    Sicht aus dem Fenster eines Hotels in Amsterdam

    Europa lockt Banker aus der City of London weg

    © AFP 2019 / ANP/ Koen van Weel
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Einige EU-Länder wollen den Brexit nutzen, um in Großbritannien ansässige Finanzinstitute anzulocken. Als populärste neue Standorte gelten Frankfurt, Dublin und Amsterdam, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Donnerstag.

    Die Bank of England berichtete, dass die britische Finanzbranche wegen des Brexit bedroht ist. Der Verlust des Zugangs zum europäischen Markt der Dienstleistungen durch Großbritannien kann zum Exodus von Banken und anderer Finanzinstitute führen, wie der stellvertretende Gouverneur der Bank of England, Sam Woods, am Mittwoch berichtete.

    Schottische Whisky-Brennerei Glenfiddich
    © Sputnik / Игорь Михалев
    Er rief die britische Regierung zu einem Deal bezüglich einer Übergangsperiode mit der EU auf, in der Großbritannien weiterhin Teil des europäischen Markts ist. Ein solcher Schritt würde der Regierung und dem privaten Sektor mehr Zeit für die Vorbereitung auf die neuen Bedingungen geben.

    Auch Medien berichten über die Besorgnisse der Geschäftswelt. „Viele Finanzunternehmen beschlossen bereits, eine relativ kleine Zahl von Mitarbeitern in die EU-Länder zu verlagern“, berichtet die „Financial Times“. „Falls die Instabilität weiter anhält, werden sich immer mehr Firmen Gedanken über größere Initiativen zum Abzug des Geschäfts aus dem Königreich machen“.

    Vor einigen Tagen kündigten mehrere Großbanken an, ihr Personal in europäischen Städten auszubauen. Citigroup und Deutsche Bank werden neue Mitarbeiter in Frankfurt anstellen, die japanische Bank MUFG in Amsterdam, Bank of America in Dublin. Gerade diese drei Städte sind die größten Kandidaten als Backup-Standort der britischen Firmen.

    Um mehr britische Unternehmen anzulocken, seien die Niederlande bereit, mehrere Bestimmungen ihrer Gesetzgebung zu revidieren, so ein Bankmanager aus Amsterdam.

    „Die Regierung will die Bedingungen für die Finanzinstitute vorteilhafter machen. So ist ein Konsens zu erwarten, dass die Obergrenze für die Bonität  der Banker, die jetzt bei 20 Prozent liegt, erhöht werden soll.“

    Diese strikten Regeln seien nach der Finanzkrise festgelegt worden.

    „Damals deuteten die Politiker diesen Schritt als Versuch, die Banker vor riskanten Geschäften zu warnen, doch jetzt erscheinen diese Beschränkungen als zu streng“, so der Mitarbeiter.

    Inzwischen ist die ungewisse Zukunft des Finanzsektors nicht das einzige Problem der britischen Behörden. Die Regierungen Schottlands und Wales forderten am Mittwoch, dass London ihre Prioritäten bei Diskussionen mit der EU berücksichtigt.

    Zur Ausarbeitung einer gemeinsamen Position zu Brexit zwischen der Regierung in London und den regionalen Regierungen wurde ein gemeinsamer Sonderausschuss auf Ministerebene ins Leben gerufen, der jeden Monat tagen soll. Dennoch, wie BBC am Mittwoch unter Berufung auf die Regierung von Wales berichtete, wurde er seit Februar nicht mehr zusammengerufen.

    In der britischen Regierung wird dies mit der Unklarheit bezüglich Nordirlands erklärt, wo eine Einigung in Sachen Regierungsbildung immer noch nicht in Sicht ist. Zugleich wollen die Regierungen anderer britischer Regionen nicht warten. Für die Wiederaufnahme der Sitzungen des Ausschusses trat der erste Sekretär von Wales, Carwyn Jones, ein.

    Mit einem ähnlichen Aufruf wandte sich am Mittwoch auch der Brexit-Minister in der schottischen Regierung, Michael Russel, an die britische Premierministerin Theresa May.

    „Die Vorbereitung der Sitzung des Ausschusses ist eine wichtige und dringliche Aufgabe, die den regionalen Behörden ermöglichen würde, den Verlauf der Verhandlungen mit der EU zu kontrollieren“, so Russel.

    Zudem hob er hervor, dass er das enge Zusammenwirken mit Wales fortsetzen wird, um endlich die Einberufung des Ausschusses zu erreichen.

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    Tags:
    Kapital, Flucht, Folgen, Wirtschaft, Banken, Brexit, Amsterdam, Dublin, Irland, Niederlande, Großbritannien