19:11 11 August 2020
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    Bundeskanzlerin Angela Merkel hält den Verzicht auf Verbrennungsmotoren in Autos auf lange Sicht zwar für unumgänglich, ist jedoch nicht bereit, konkrete Fristen zu nennen. Das sagte Merkel in einem Interview mit der Zeitschrift SUPERillu, das am Donnerstag veröffentlicht werden soll, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.

    Ohne Auto kommt man nicht aus – vor allem während des Wahlkampfes in Deutschland. Bis zum 24. September muss Merkel 20.000 Kilometer auf der Fahrt in verschiedene Städte zurücklegen und 50 Mal vor Wählern auftreten. Eine der traditionellen Hochburgen der deutschen Sozialdemokratie, Bremen, wird sicher auch von SPD-Chef Martin Schulz besucht. Um ins Kanzleramt einzuziehen, will er den Wahlkampf polemisch zuspitzen, indem er unter anderem die Frage nach der Festlegung der europaweiten Quoten für Elektro- bzw. Hybrid-Autos stellt.

    Die Diesel-Affäre bewegte Schulz zu diesem Schritt, als nicht mehr verheimlicht werden konnte, dass deutsche Großkonzerne zu Manipulationen griffen. Die Initiative erwies sich als beeindruckend. Die engen Verbindungen zwischen den Magnaten der Automobilindustrie und der Bundesregierung sind seit langem bekannt und zum Teil auch notwendig, weil die Branche von sehr großer Bedeutung für die Exportwirtschaft ist.

    Schulz bringt Merkel in eine heikle Lage. Er drängte sie endlich dazu, sich zu diesem sensiblen Thema zu äußern. In Deutschland gibt es 46 Millionen PKW, ein Drittel davon sind Diesel-Autos. Dieses Thema wird natürlich auch am 3. September während des ersten TV-Duells zwischen Merkel und Schulz diskutiert. Merkel taktiert derweil und ändert ihre Einschätzungen und Herangehensweisen.

    Bei ihrem Auftritt in Dortmund wies sie das Elektroautokonzept von Schulz zurück. Sie glaube nicht, dass die Quote für E-Autos bereits genau durchdacht sei. „Erstmal verhandeln wir dann wieder ewig in Europa, wie die Quote nun sein soll. Und anschließend: Was machen wir denn, wenn sie nicht eingehalten wird“, sagte Merkel.

    Allerdings erscheint am Donnerstag eine neue Ausgabe der Wochenzeitschrift SUPERillu, wo Merkel im Interview sagt, dass der Verzicht auf Verbrennungsmotoren auf lange Sicht unumgänglich sei.

    Merkel nennt dabei keine Fristen. „Ich kann jetzt noch keine präzise Jahreszahl nennen, aber der Ansatz ist richtig.“ Als vorrangiges Ziel wurden Investitionen in die Entwicklung der Infrastruktur zum Aufladen der E-Autos und ihre Entwicklung erklärt, was den allgemeinen Wechsel zu E-Autos möglich macht.

    Die dpa erinnert in diesem Zusammenhang an das Ziel der Bundesregierung, zum Jahr 2050 den Kohlendioxid-Ausstoß um 80 bis 95 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu reduzieren. Diese Idee ist nur bei einer bedeutenden Senkung der Luftverschmutzung durch Autos umsetzbar. Zugleich wird das Projekt zu einer Million E-Autos auf deutschen Straßen 2020 nicht eingestellt. Dabei unterstützt Merkel technologische Alternativen und ruft die Autokonzerne zur Intensivierung der Forschung in diesem Bereich auf.

    Natürlich will man in Deutschland die Automobilindustrie, die weltweit für ihre fortschrittlichen Technologien bekannt ist, nicht ans Messer liefern. Die Einstellung der Produktion von Dieselautos würde zu äußerst negativen Folgen für die deutsche Wirtschaft führen. Bedroht sind rund 800.000 Arbeitsplätze.

    Mit der Kritik an den Autokonzernen wegen der gefälschten Angaben zu den Ausstößen verspricht Merkel ihnen aber auch staatliche Unterstützung bei der Modernisierung der Branche. Den Wählern werden Abwrackprämien für den Verkauf eines alten Autos und den Kauf eines neuen Diesel-Autos angeboten, das allen modernen Anforderungen entspricht.

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    Tags:
    Diesel, Elektrisches Auto, Martin Schulz, Angela Merkel, Deutschland