11:18 17 August 2018
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    Regierungschef von Indien Narendra Modi (L) und Präsident von China Xi Jinping (Archivbild)

    Dreieck Moskau-Delhi-Peking wird zu Fiktion

    © REUTERS / Danish Siddiqui
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Der Konflikt zwischen Indien und China spitzt sich zu. Bereits zwei Monate dauert die Konfrontation am östlichen Abschnitt der Grenze. Jetzt ist es im Westen, in Ladakh, das Indien als sein Territorium bezeichnet, zu Auseinandersetzungen gekommen, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Donnerstag.

    Der indische Premier Narendra Modi warnte, dass Indien sich vor jedem Feind schützen könne. Zugleich festigt Neu-Delhi seine Verbindungen mit Washington im militärstrategischen Bereich.

    Laut einer Quelle in Neu-Delhi haben indische Militärs den Versuch von chinesischen Soldaten gestoppt, bei Ladakh auf indisches Territorium zu gelangen. Einige Soldaten wurden leicht verletzt. Beide Seiten werfen sich gegenseitig oft Invasionen vor, doch zu Zusammenstößen kommt es selten.

    Die Armeen beider Länder sind bereits in eine Konfrontation auf dem Doklam-Plateau am östlichen Abschnitt der 3.500 Kilometer langen nicht demarkierten Grenze involviert. Der Streit entflammte im Juni, als Indien Soldaten schickte, um den Bau einer Straße in einem unbesiedelten Gebiet zu verhindern, das von China und Bhutan, Indiens Verbündetem, beansprucht wird.

    Chinesische Beamte forderten wiederholt den Rückzug der Truppen. Die nationalistisch gestimmte Presse in beiden Ländern ruft dazu auf, nicht klein beizugeben.  Die chinesische Zeitung „Global Times“ warnte Indien, dass die chinesische Armee viel stärker als 1962 sei, als Indien bei einem kurzen Himalaya-Konflikt den Kürzeren zog.

    Kann der indisch-chinesische Streit die jetzige Politik Neu-Delhis beeinflussen? Bewegt er Indien zur Annäherung an die USA und folglich auch zur Entfernung von Russland? Die Tatsache, dass zwischen Washington und Neu-Delhi unter Modi Vertrauensbeziehungen entstanden sind, ist gut bekannt. Am Mittwoch erklärten beide Mächte, dass sie das Zusammenwirken im Bereich Außenpolitik und Sicherheit auf ein neues Niveau bringen wollen.

    Wie „Indian Express“ berichtete, beschlossen die Regierung Modis und die Administration Trumps, einen neuen regelmäßigen Dialog zwischen den Verteidigungs- und Außenministern beider Länder einzuleiten. Indisch-amerikanische Beziehungen werden wichtiger als je zuvor, weil diese Länder die Ansichten in Bezug auf die Aufrechterhaltung des Friedens und der Stabilität in der Indien-Pazifik-Region teilen. Wie es in der Erklärung beider Seiten heißt, treten in ihren Beziehungen Frage der Verteidigung und Sicherheit in den Vordergrund.

    Was bedeutet das? Natürlich nicht den Abschluss eines neuen Militärpakts. Doch Neu-Delhi erlaubte bereits im vergangenen Jahr US-Kriegsschiffen und Flugzeuge, auf indischen Militärstützpunkten Halt zu machen.

    Selbst als Indien dem Vorschlag Moskaus zu Beginn der 2000er-Jahre über regelmäßige Konsultationen im Rahmen des Dreiecks Russland-Indien-China (RIC) zustimmte, waren die chinesisch-indischen Beziehungen äußerst gespannt, sagt der Militärexperte Sergej Lunew. Die dreiseitige Kooperation ruht vor allem auf globalen Faktoren. Hier gibt es aber einen Widerspruch. Auf der bilateralen Ebene entwickeln sich die amerikanisch-indischen Beziehungen sehr gut, auf der globalen Ebene gibt es Meinungsunterschiede zwischen Indien und den USA.

    Mit China ist es umgekehrt. Selbst bei der Schaffung des Russland-Indien-China-Dreiecks nannte der indische Verteidigungsminister China als den Gegner Nr. 1. Dabei gibt es auf der globalen Ebene zwischen Indien und China fast keine Auseinandersetzungen. Gerade diese globalen Faktoren bilden die Grundlage von RIC und BRICS. Demnach habe sich die Lage dieser Strukturen unabhängig vom jetzigen Zustand der chinesisch-indischen Beziehungen kaum geändert, schlussfolgert der Experte.

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    Tags:
    Streit, Kampf, BRICS, Xi Jinping, Narendra Modi, USA, Russland, China, Indien
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