20:08 30 März 2020
SNA Radio
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    3308
    Abonnieren

    Zum ersten Mal in der Geschichte der Beziehungen zwischen Moskau und dem Vatikan ist der Staatssekretär des Heiligen Stuhls, Kardinal Pietro Parolin, zu einem offiziellen Besuch nach Russland gekommen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Montag.

    Der Kardinal besucht das Land auf Einladung der säkularen russischen Behörden. Im Laufe seines fünftägigen Aufenthalts in Russland wird er sich unter anderem mit Präsident Wladimir Putin, Außenminister Sergej Lawrow, Patriarch Kyrill sowie dem Leiter der PR-Abteilung der Russisch-Orthodoxen Kirche, Metropolit Illarion, treffen.

    „Ich reise nach Russland als Mitarbeiter des Papstes, als Assistent derjenigen Person, die ‚Brücken bauen‘ und die gegenseitige Verständigung bzw. den Dialog in der Welt festigen will“, sagte Kardinal Parolin vor dem Abflug nach Moskau in einem Interview für den Sender RAI Uno. Nach seinen Worten werden im Mittelpunkt seiner Gespräche die Perspektiven des Dialogs zwischen der Römisch-Katholischen und der Russisch-Orthodoxen Kirche stehen, aber auch akute Probleme der internationalen Politik, insbesondere die Situation in Syrien und der Ukraine, „den Ländern, die ich im vorigen Jahr besucht habe“, werden dabei erörtert.

    Alexej Dikarew vom Sekretariat des PR-Dienstes der Russisch-Orthodoxen Kirche teilte seinerseits mit, dass die Beziehungen zwischen Moskau und dem Vatikan und die Situation in der Welt „vor allem im Kontext des vorjährigen Treffens des Patriarchen (Kyrill) und des Papstes (Franziskus) in Havanna“ diskutiert werden.

    „Wir hoffen, dass dieser Besuch unsere Kooperation in Bezug auf beiderseitig wichtige Fragen erfolgreicher machen wird“, betonte er. „Vor allem gilt das für den Nahen Osten, die Ukraine und die Verteidigung der christlichen Werte in der modernen westlichen Gesellschaft, wo das Christentum verdrängt wird.“

    Um diesen Prozessen zu widerstehen, sollten die Russisch-Orthodoxe und die Römisch-Katholische Kirche im Rahmen von internationalen Organisationen, darunter der Uno, intensiver zusammenwirken, ergänzte Dikarew.

    Auf den Besuch von Kardinal Parolin legen auch russische Katholiken viel Wert. „Der Heilige Stuhl nimmt Rücksicht auf Russlands Meinung und unterstützt zudem seine Bemühungen in vielen, darunter außenpolitischen, Fragen“, sagte der Generalsekretär der Konferenz katholischer Bischöfe Russlands, Igor Kowalewski. „Außerdem ist dieser Besuch ein Zeichen dafür, dass die Beziehungen zwischen der Russisch-Orthodoxen und der Römisch-Katholischen Kirche ein neues Niveau erreichen.“

    Kinder in einem von Extremisten befreiten Dorf im Raum von Aleppo
    © Sputnik / Mikhail Voskresensky
    Einige Experten verwiesen darauf, dass dermaßen hochrangige Besuche üblicherweise im Vorfeld von Besuchen erster Staatspersonen stattfinden. Im Vatikan unterstrich man aber, dass ein Russland-Besuch des Papstes vorerst nicht infrage komme. Parolin selbst sagte, dieses Thema werde nicht auf der Tagesordnung der bevorstehenden Verhandlungen stehen.

    „Russland ist noch nicht bereit, den Pontifex zu empfangen. Da sollte man nicht voreilig sein“, warnte Kowalewski. „Dass sich der Papst und der Patriarch in Havanna getroffen haben, war ohnehin ein riesiger Durchbruch.“ Möglich wäre nach seiner Auffassung ein neues Treffen in einem dritten Land. „Aber von einem Besuch des Patriarchen im Vatikan oder einem Besuch des Papstes in Moskau zu sprechen, wäre verfrüht.“

    „Die Positionen Moskaus und des Vatikan sind bei vielen Fragen ähnlich, und der Dialog auf der religiösen und staatlichen Ebene wird ständig gepflegt“, sagte die Professorin der Moskauer Hochschule für internationale Beziehungen, Tatjana Sonowa. „Es gibt aber nach wie vor auch heikle Themen, die die Organisation eines Russland-Besuchs des Papstes möglicherweise behindern.“

    „Der Besuch des Staatssekretärs des Vatikans findet vor dem Hintergrund einer Krise in den Beziehungen zwischen Russland und dem Westen, von Sanktionen und gegenseitigem Misstrauen statt“, stellte Roman Lunkin vom Zentrum für Probleme der Religion und Gesellschaft fest. „Der Heilige Stuhl bemüht sich als geistliches Zentrum Westeuropas und der katholischen Welt um die Milderung dieser Krise und hilft bei der Suche nach gemeinsamen Interessen auf Gebieten, wo sich die Politiker nicht einigen können.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Nach Pädophilie-Vorwürfen: Vatikan-Finanzchef legt Amt temporär nieder
    Nach Kondom-Konflikt mit Vatikan: Malteserorden-Chef dankt ab
    „Papst wär gern gekommen“ - Vatikan-Gesandter predigt in Ost-Ukraine
    Tags:
    Treffen, Kirche, Patriarch Kyrill, Wladimir Putin, Russland, Vatikan