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    Terror auf königliche Art – Marokkaner werden zur Schlagkraft des Welt-Dschihads

    © AP Photo / Mosa'ab Elshamy
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    Marokkos König Mohammed VI. hat mehr als 400 Gefangene begnadigt, darunter wegen Terrorismus verurteilte Häftlinge, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Montag.

    Dieser Beschluss fiel zeitlich paradoxerweise mit den tragischen Nachrichten aus Europa zusammen, wo die Drahtzieher und Vollstrecker der Terroranschläge in Spanien und Finnland Marokkaner waren. Warum sind gerade in Marokko radikale Ideen so verbreitet? Wird die vom König erklärte Amnestie zu einer neuen Terrorwelle führen?

    Anlass für die Amnestie war eine nationale Feier – der Jahrestag der Revolution des Königs und des Volkes. Nach Angaben der marokkanischen Behörden versprachen die Häftlinge im Gefängnis ihren Verzicht auf den Extremismus und bestätigten ihre „Treue zu den nationalen Idealen“.

    Der Beschluss des marokkanischen Königs stieß auf geteilte Reaktionen in Europa. Der Amnestie-Erlass wurde am Tag nach der Bekanntgabe der vorläufigen Ergebnisse der Untersuchung der Terroranschläge in Barcelona und Cambrils unterzeichnet. Es stellte sich heraus, dass Organisator und Inspirator der Marokkaner Abdelbaki Es Satty, Imam der katalanischen Stadt Ripoll, war, wo 500 Gläubige zu seinen Predigten kamen, die vorwiegend aus Marokko stammten.

    Aus Marokko kommen auch die zwölf Terroristen, die für die Attacke in Cambrils verantwortlich sind, sowie der Fahrer, der mit seinem Fahrzeug in die Menschenmenge auf der Flaniermeile La Rambla in Barcelona raste. Am Tag darauf griff ein Marokkaner in der finnischen Stadt Turku Passanten mit einem Messer an. Dabei wurden zwei Menschen getötet und acht verletzt.

    Nach diesen Tragödien untersuchen Experten nun die Rolle von Marokkanern bei früheren Terroranschlägen in Europa. So wurde der Anschlag am 11. März 2004 am Madrider Bahnhof Atocha, der 191 Menschenleben forderte, von der Organisation „Islamische marokkanische Kampfgruppe“ vorbereitet. Einwanderer aus Marokko spielten auch bei den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 eine wichtige Rolle. Die Selbstmordattentäter, die am 22. März Anschläge auf den Brüsseler Flughafen organisierten, stammten ebenfalls aus Marokko. 

    Für Terrorexperten sind die Aktivitäten der marokkanischen Dschihad-Kämpfer keine Überraschung. Der marokkanische Innenminister Mohammed Hassad berichtete bereits 2014, als der „Islamische Staat” in Syrien und im Irak an Stärke gewann, dass in den Reihen der Radikalen im Nahen Osten mehr als 3000 Marokkaner kämpfen. Nach der Zahl der ausländischen IS-Kämpfer stehen Marokkaner auf Platz zwei, nach den Tunesiern.

    Die Behörden Marokkos befürchten, dass einige Radikale nach der endgültigen Zerschlagung des „Islamischen Staates“ und der Vernichtung des selbsterklärten Kalifats in die Heimat zurückkehren werden, um dort den heiligen Krieg fortzusetzen.

    In Marokko kommen Terroranschläge und Angriffe auf Touristen nicht so häufig vor wie in Tunesien und Ägypten. Der letzte Terrorangriff war ein Bombenanschlag auf ein Café in Marakkesch am 28. April 2011, bei dem 15 Menschen ums Leben kamen, vor allem ausländische Touristen.

    „Die Begnadigung der marokkanischen Islamisten fast zeitgleich mit den Terroranschlägen in Europa ist nur ein bürokratischer Zufall“, meint die Expertin Jelena Suponina. Ihr zufolge ist es kaum wahrscheinlich, dass die Amnestie zum Anstieg der Terrorgefahr im Lande führt.

    „In Marokko sowie in anderen arabischen Staaten gibt es ernsthafte Programme zur Umerziehung von sich in Gefängnissen befindlichen Radikalen – im Unterschied zu europäischen Gefängnissen, wo sich Muslime durch dschihadistische Häftlinge hingegen oft radikalisieren“, so die Expertin.

    Laut dem Afrika-Experten Leonid Fituni gibt es sehr viele Marokkaner in Europa. Marokko pflege enge Kontakte zur EU. Marokkaner wandern ständig nach Europa ein, vor allem nach Frankreich, Belgien und in die Schweiz. In Marokko arbeiten die Sicherheitsdienste engmaschig zusammen, es werden selbst kleinste Erscheinungen von Extremismus beseitigt. Dieses System verdränge die radikalsten Elemente ins Ausland, so der Experte.

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    Terroristen, Freilassung, Terrormiliz Daesh, Mohammed VI, Spanien, Marokko