05:41 20 September 2017
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    Der Tanker Clean Ocean mit Flüssiggas an Bord im polnischen Hafen Swinoujscie

    Gazprom muss um Europa kämpfen

    © REUTERS/ Agencja Gazata/Cezary Aszkielowicz
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    Wedomosti
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    Gazproms Konkurrenten werden nicht nur Flüssiggas aus den USA, sondern auch Pipeline-Gas aus Aserbaidschan und Norwegen liefern, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Dienstag.

    Am Montag ist am Gasterminal in Klaipeda das erste Tankschiff mit Flüssiggas vom US-Exportterminal Sabine Pass eingetroffen. Mitte September soll nach Medienangaben ein weiteres Schiff mit Flüssiggas nach Klaipeda kommen. Der Generaldirektor von Lietuvos Energija, Daljus Misjunas, sagte, dass US-Flüssiggas sei für Litauen billiger als Gazprom-Gas, allerdings enthalte er sich einer Prognose, ob das russische Gas vom Markt verdrängt wird.

    Wie die Analystin von Vygon Consulting, Maria Belowa, betonte, wird US-Flüssiggas bei niedrigen Ölpreisen mittelfristig keine Alternative für Gazproms Pipelinegas sein. „Nach Angaben der EU-Kommission hat Litauen im ersten Quartal 2017 in Russland Gas zu 180 Dollar pro 1000 Kubikmeter gekauft. Falls der Vertrag zwischen Cheniere (Verkäufer von US-Gas) und Lietuvos Duhu Tiekimas (Käufer) im Winter unterzeichnet worden wäre, wäre der Flüssiggaspreis in Litauen um 40 Prozent höher gewesen – 254 Dollar pro 1000 Kubikmeter. US-Flüssiggas konkurriert eher mit norwegischem Gas, das zu einem vergleichbaren Preis an Litauen geliefert wird – 241 Dollar pro 1000 Kubikmeter“, so Belowa. Der Expertin zufolge kann das US-Flüssiggas in Litauen rund 246 Dollar kosten.

    Die Aussichten von US-Flüssiggas in Europa wurden von Gazprom-Chef Alexej Miller Ende Juni als eher gering bezeichnet.

    „Das Flüssiggas ist auf dem europäischen Markt weniger konkurrenzfähig als das Pipelinegas“, sagte Miller.

    Die Konkurrenz zwischen Gazprom und dem US-Flüssiggas begann bereits 2016 – mit der Ankunft des ersten Tankschiffs in Europa, meint die Energie-Expertin Tatjana Mitrowa. „Dass die Konkurrenz mit Flüssiggas im Ganzen und mit US-Flüssiggas im besonderen zunehmen wird, ist angesichts des wachsenden Überangebots in den kommenden Jahren fast garantiert“, sagte die Expertin.

    Gazprom wird nicht nur mit US-Flüssiggas im Wettbewerb stehen. Neben Nord Stream 2 (55 Milliarden Kubikmeter 2019) und zwei Strängen von Turkish Stream (33 Milliarden Kubikmeter 2019) wird derzeit auch die TANAP-Pipeline (16 Milliarden Kubikmeter 2018) und ihre Fortsetzung TAP (zehn Milliarden Kubikmeter) gebaut, es wird außerdem ein TAP-Abzweig diskutiert. 2023 soll die Tanap-Kapazität auf 23 Milliarden Kubikmeter steigen. Ressourcenbasis soll das aserbaidschanische Vorkommen Schah-Denis sein.

    Polen betrachtet die Baltic Pipe mit norwegischem Gas als Alternative für das russische Gas. Die Pipeline kann bereits 2022 in Betrieb genommen werden. 2023 soll die Kapazität der neu gebauten Gaspipelines in Europa bei 120 Milliarden Kubikmeter liegen.

    Gazprom hat im Laufe des Jahres nach eigenen Angaben seine Prognose für den europäischen Import fast um 50 Prozent gesenkt – zum Jahr 2025 auf rund 60 Milliarden Kubikmeter, 2015 waren es 113 Milliarden Kubikmeter.

    Die Senkung der Prognose ist laut Mitrowa bereits Tradition. „Grund ist ein zurückhaltendes Wachstum der europäischen Wirtschaft und ein beeindruckender Fortschritt der Energieeffizienz und von erneuerbaren Energiequellen.“

    Wie Dmitri Marintschenko von Fitch Ratings betonte, hat Gazprom fast keine Einflusshebel auf die Käufer bei der Verlängerung bzw. Abschluss neuer Verträge. „Das Unternehmen muss sehr flexible Bedingungen anbieten und Zugeständnisse machen, bis hin zu einem bedeutenden Rückgang der Liefermenge zu Take-or-Pay-Vereinbarungen“, so der Experte.

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    Tags:
    Konkurrenzkampf, Gaslieferungen, Gaspipeline, LNG, Nord Stream 2, EU, Gazprom, Alexej Miller, Litauen, USA, Russland, Europa
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