09:11 21 November 2017
SNA Radio
    Marine Marschflugkörper Kalibr auf der russischen Fregatte Admiral Grigorowitsch (Archivbild)

    Europa stößt auf russische „Kaliber“ – US-Politik bringt die Alte Welt in Gefahr

    © Sputnik/ Witalij Timkiw
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Nesawissimaja Gaseta
    111034323610

    Der Chefstratege im Weißen Haus, Steve Bannon, hat Präsident Donald Trump bei seinem Abschied geraten, eine militärische Option bei der Lösung des Nordkorea-Problems auszuschließen, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

    Diese Abschiedsempfehlung erinnert an den Vorschlag des doppelten Einfrierens durch den russischen Außenamtschef Sergej Lawrow und seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi. Die Idee ist äußerst simpel – Washington und Seoul verzichten auf Manöver auf der Halbinsel, um die Situation nicht zuzuspitzen, und Pjöngjang friert seine Raketentests ein.

    Laut dem geschassten Chefstrategen Bannon kann bislang niemand die Gleichung lösen, die zeigen würde, dass zehn Millionen Einwohner Südkoreas nicht in den ersten 30 Minuten der Anwendung von konventionellen Waffen ums Leben kommen. Dabei erwähnt der ehemalige Präsidentenberater nicht die Staatsbürger Nordkoreas bzw. mögliche Opfer beim Einsatz von Atomwaffen sowie den Schaden für die Nachbarländer.

    Solche „Details“ werden vom US-Establishment nicht erörtert. Auch das Schicksal der Bevölkerung Südkoreas beunruhigt nicht unbedingt alle. Könnte die nordkoreanische Rakete Hwasong 14 (die nach Angaben der „New York Times” mit einem ukrainischen Triebwerk ausgestattet ist) nicht die Insel Guam erreichen, wäre die Nordkorea-Frage seit langem gelöst worden.

    Allerdings ist die nordkoreanische Krise, die Trump selbst ausschließlich aus populistischen Gründen an die explosive Linie brachte, nur ein kleines Abbild der Situation der Konfrontation zwischen Nato und der Russischen Föderation, die sich über den gesamten europäischen Kontinent ausdehnt. Allerdings handelt es sich hier nicht ums Einfrieren – ganz im Gegenteil: Die Spannungen nehmen mit jedem Tag zu.

    Als Antwort auf den Beschluss der USA, Rumänien mit Raketen- und Artillerieanlagen im Wert von 1,25 Milliarden US-Dollar zu versorgen, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Verteidigungs- und Sicherheitsausschusses des Föderationsrates, Franz Klinzewitsch:

    „Die Amerikaner suchen weiterhin nach Orten mit Sicherheitsproblemen in Europa und versuchen die Situation dort zu einem offenen Konflikt zu bringen und Russland dort hineinzuziehen. In diesem Sinne gibt es keinen Unterschied zwischen den Lieferungen von Raketen- und Artillerie-Systemen an Rumänien und der Schaffung eines Marine-Zentrums der USA im ukrainischen Otschakow. Alle diese Handlungen können mit einem Wort beschrieben werden – Provokation, die russische Antwort wird kommen.“

    Die USA wollen mit ihrem Vorgehen den europäischen Kontinent in einen zweiten Nahen Osten verwandeln. Das Pentagon und seine Verbündeten drängen die Führung der Länder, in denen die Raketen- und Artilleriesysteme stationiert werden, zur Zuspitzung der Beziehungen zu Russland.

    Test einer ballistischen Rakete der US-Armee
    © AP Photo/ U.S. Air Force/2nd Lt. William Collette
    Doch der Russland-Hass mit Bereitstellung des nationalen Territoriums für US-Raketenabwehrsysteme und US-Truppen hat auch unangenehme Folgen. Nachdem angedeutet wurde, dass sich beim russischen Verteidigungsministerium auch ein Gefechtskopf für das in Otschakow stationierte US-Marinezentrum finden wird, entstand in Kiew Panik. Das ukrainische Verteidigungsministerium kam zu dem Schluss, dass die von Russland auf der Krim stationierten Marschflugkörper Kalibr den größten Teil des europäischen Kontinents abdecken. Laut Kiew nutzte Russland eine Lücke im INF-Vertrag, da die Einschränkungen nicht bordgestützte Raketen betreffen.

    Doch dieses Schlupfloch im INF-Vertrag wird seit langem von US-Schiffen genutzt, die mit Tomahawk-Raketen bewaffnet sind und ständig vor der russischen Küste im Schwarzen Meer verkehren. Doch die auf Russland gezielten US-Marschflugkörper interessieren natürlich die Europäer nicht. Eine andere Sache sind die russischen Kalibr-Raketen.

    Die USA haben de facto mehr Tomahawk-Raketen. Doch als sich nach den Ereignissen in Syrien herausstellte, dass die Kalibr-Raketen vollkommener und die Besatzungen der russischen Schiffe und U-Boote sie in Gefechtssituationen effektiv einsetzen können, wuchs in Europa die Angst vor den Raketen. Besonders in Staaten, darunter die Ukraine, die auf dem eigenen Territorium Objekte der US-Militärinfrastruktur stationiert haben. Der Kreml schlägt deshalb vor – die Nato soll ihre Kräfte von den russischen Grenzen zurückziehen und kann dann ruhig schlafen.

    Zum Thema:

    Das Weiße Haus holt Falken an Bord
    Kooperation Assads mit Nordkorea? Uno meldet Abfangen zweier Lieferungen nach Syrien
    Abenteuerspielplatz Ukraine: US-Stützpunkt und Raketen für Nordkorea
    Keine Antwort: Amerikanische F-35 nehmen Nordkorea unter Kontrolle
    Tags:
    Krise, Sanktionen, INF-Vertrag, Kalibr-Rakete, Hwasong-14, Steve Bannon, Donald Trump, Europa, Russland, USA
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren