15:52 22 November 2019
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    Donald Trumps Rede in Fort Myer

    Imitation einer Strategie

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    US-Präsident Donald Trump hat am Montagabend auf dem Militärstützpunkt Fort Myer bei Washington seinen Plan zur Lösung des Afghanistan-Problems vorgelegt, der als „neue Strategie“ bezeichnet wurde. Doch in Wahrheit gibt es nichts Neues an den Vorschlägen des Chefs des Weißen Hauses, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.

    Im Laufe des bereits seit 16 Jahren andauernden Kriegs in Afghanistan, den er selbst den längsten Krieg in der Geschichte der USA nannte, probierten die Vorgänger Trumps bereits alle möglichen Varianten, doch das Problem wurde nicht gelöst. Es gibt eigentlich nicht so viele  Varianten. Die erste Variante mit dem Truppeneinmarsch wurde 2001 von George W. Bush probiert. Kabul wurde zwar eingenommen und die Taliban gestürzt, doch der Krieg wurde nicht gewonnen. Die zweite Variante mit dem Truppenabzug war ein Teil der Strategie des Präsidenten Barack Obama. Doch es stellte sich heraus, dass ein Rückzug aus Afghanistan viel schwieriger als ein Einmarsch ist. Einfacher gesagt: Er ist unmöglich, ohne das gesamte Sicherheitssystem in der Region zunichte zu machen.

    Washington bemerkte schnell, dass es mit einem vollständigen Truppenabzug den Fehler Moskaus wiederholen würde, das seinen Schützling Mohammed Nadschibullah in Kabul im Stich ließ, wonach sich Afghanistan in ein Territorium des Chaos und Terrors verwandelte. Ohne äußere Unterstützung wird keine gemäßigte Regierung in Kabul überleben können – sie wird früher oder später unter dem Druck der radikalen Islamisten gestürzt werden. Im Fall der aktuellen afghanischen Regierung wird das wohl viel schneller geschehen als bei Nadschibullah. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen blieb er immerhin mehr als drei Jahre an der Macht. Die jetzige Führung Afghanistans wird sich wohl kaum so lange halten.

    Die dritte Variante –  die Übergangsoption –  ergriff Obama: weggehen und gleichzeitig bleiben. Das „Expeditionskorps“ schnell abbauen, es jedoch nicht völlig abziehen, die Präsenz aufrechterhalten. Bereit sein, den Regierungstruppen zu kritischen Zeitpunkten zu helfen, eine militärische Katastrophe zu verhindern, dem befreundeten Regime in Kabul zu helfen, wobei man jedoch die Illusionen beiseiteschiebt, das ganze Land kontrollieren zu können.

    Etwas Ähnliches schlägt nun auch Trump vor. Wenn man dabei weniger pathetisch ist, wird klar, dass die „neue Strategie“ Trumps eine leicht korrigierte Strategie des „späten Obamas“ ist.

    4.000 US-Militärs, die zusätzlich zu 8.500 Soldaten nach Afghanistan geschickt werden sollen, würden weder das Kräfteverhältnis noch den Verlauf der Kampfhandlungen kardinal ändern. Die US-Truppen waren einst 100.000 Mann stark, doch die Taliban wurden nicht bekämpft. Wie das 12.500 Soldaten bewerkstelligen sollen, ist schwer vorstellbar.

    Ein weiteres Element der Strategie Trumps ist der verschärfte Druck auf Pakistan. Trump wirft Islamabad vor, Terroristengruppierungen Unterschlupf zu gewähren. Doch auch hier gibt es nichts Neues. Auch die beiden früheren US-Administrationen führten ein hartes Gefecht mit Islamabad. Es wurde beinahe alles ausprobiert – Abbau der Hilfen und Drohungen. Ohne Ergebnis. Pakistan lebt nach seinen Regeln, nach eigener Logik, der Kampf gegen den Terrorismus erfolgt so, wie dies die pakistanische Armee und Sicherheitsdienste für notwendig halten. Die USA haben keine wirksamen Einflusshebel auf die Atommacht Pakistan.

    Die neue Strategie Trumps ist also in der Tat die Wiederholung früherer Maßnahmen – keine Strategie, sondern nur ihre Imitation. Dennoch wird Afghanistan in den kommenden Monaten eines der vorrangigen außenpolitischen Themen für Trump sein.

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    Änderung, Strategie, Einsatz, Taliban, Donald Trump, George W.Bush, Barack Obama, Afghanistan, USA