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    LNG-Lager in den USA (Archivbild)

    „Besserer Preis garantiert“: Warum USA mit Verdrängung des russischen Gases bluffen

    © AP Photo / Alex Brandon
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    Moskowski Komsomolez
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    Washington setzt allmählich seine Drohung zur Verdrängung des russischen Gases vom europäischen Markt um: In Litauen ist jüngst ein weiteres Tankschiff mit amerikanischem Flüssiggas eingetroffen, schreibt die Zeitung „Moskowski Komsomolez“ am Mittwoch.

    Neben Lettland und Estland sowie Polen will dieses Land auf russisches Erdgas verzichten, und man muss sagen, dass es tatsächlich Projekte gibt, die das theoretisch ermöglichen könnten.

    Hinzu kommt, dass Washington enorme Anstrengungen unternimmt, um den Bau der neuen Pipeline Nord Stream 2 zu verhindern, sodass die Gefahr einer Verdrängung des russischen Gases vom europäischen Markt durchaus realistisch ist.

    Der Tanker Clean Ocean mit Flüssiggas an Bord im polnischen Hafen Swinoujscie
    © REUTERS / Agencja Gazata/Cezary Aszkielowicz

    Allerdings kann man nicht behaupten, dass dies den Amerikanern auch gelingt. Denn ihr LPG ist hinsichtlich der Preise im Vergleich zum russischen Erdgas nicht konkurrenzfähig. Die LPG-Preise sind aktuell um 25 Prozent höher als die Erdgaspreise. Im vorigen Jahr kostete der russische Brennstoff im Durchschnitt 167 Dollar pro 1000 Kubikmeter. In diesem Jahr prognostiziert der Energiekonzern Gazprom einen Preis von 187 Dollar. Dabei kostet das US-amerikanische Flüssiggas die Europäer etwa 240 Dollar pro 1000 Kubikmeter.

    Der litauische Energieminister Žygimantas Vaičiūnas brachte zwar die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Konkurrenz seitens der USA „eine Verbesserung der Preise“ für Importeure garantiere, doch solche Vermutungen scheinen eher unbegründet zu sein. In den USA funktioniert aktuell nur ein Abschnitt des LPG-Terminals Sabine mit einer Kapazität von sechs Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Dadurch könnte zwar der Bedarf der baltischen Länder gedeckt werden, aber für Polen, das jedes Jahr 15 Milliarden Kubikmeter importieren muss, würde das nicht mehr reichen. Noch mehr als das: Die USA verkaufen ihr Flüssiggas auch nach Lateinamerika, wobei die Transportkosten geringer als nach Europa sind.

    Ein Gastanker im niederländischen Hafen Rotterdam (Archivbild)
    © AFP 2019 / ANP/ Lex Van Lieshout
    Zwar wollen die Amerikaner demnächst drei weitere Abschnitte des Sabine-Terminals in Betrieb nehmen, so dass seine Kapazität auf insgesamt 24,5 Milliarden Kubikmeter steigen würde. Aber auch das würde nicht genügen. Zum Vergleich: Der Gazprom-Export nach Europa ist im ersten Halbjahr um 10,5 Milliarden Kubikmeter (12,3 Prozent) gewachsen, und insgesamt wurden in dieser Zeit 95,7 Milliarden Kubikmeter Gas in die Alte Welt befördert. Ein Tankschiff kann schätzungsweise 155 Millionen Kubikmeter Flüssiggas bzw. 95 Millionen Kubikmeter Erdgas an Bord nehmen. Dabei transportiert Russland 1000 Mal so viel Gas nach Europa durch Pipelines. Um Moskau vom europäischen Gasmarkt zu verdrängen, müsste Washington mehrere Hundert Tankschiffe nach Europa schicken. Und wenn man die Zeit der Gasbeförderung aus Übersee sowie die Kosten für die Flüssiggas-Regasifizierung bedenkt, muss man feststellen, dass das US-Flüssiggas keine richtige Alternative für den russischen Brennstoff ist.

    Der Analyst Alexander Kupzikewitsch (FxPro) zeigte sich überzeugt, dass der LNG-Import aus den USA für einige europäische Länder eine rein politische Frage sei. Allerdings müssen die Europäer in letzter Zeit immer mehr auf den finanziellen Aspekt achten.

    Hinzu kommt, dass die Gaspreise im Grunde an die Ölpreise gebunden sind. Und mit dem Ausbau ihres Schieferölexports werden die USA die Gaspreise unterdrücken, was aber den LPG-Import aus Übersee unrentabel machen wird. Deshalb werden die politischen Intrigen die Europäer wohl nicht dazu bringen, auf ihre traditionellen Gasimportwege aus Russland zu verzichten. Das US-Flüssiggas wäre nur mit dem norwegischen LPG konkurrenzfähig, dessen Förderung in der Nordsee ebenfalls um ein Drittel teurer als die Selbstkosten der russischen Kohlenwasserstoffe ist.

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    Konkurrenzkampf, Streit, Gaslieferungen, Gaspipeline, Flüssiggas, LNG, Gazprom, Baltikum, USA, Russland