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    Unterstürzer von Verteidigungsminister Joao Lourenco (Archivbild)

    An Angolas Spitze steht nun…ein sowjetischer Politoffizier

    © REUTERS / Stephen Eisenhammer
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    In Angola ist ein neues Parlament gewählt worden. Der Ausgang der Wahl entscheidet darüber, wer der neue Präsident des afrikanischen Landes wird, schreibt die Online-Zeitung „Gazeta.ru“ am Freitag.

    Verteidigungsminister Joao Lourenco soll nun den scheidenden Staatschef Eduardo dos Santos ablösen, der seit 1979 an der Machtspitze steht.

    Die regierende Volksbewegung zur Befreiung Angolas (MPLA) berichtete, bei der Abstimmung am 23. August die sogenannte „qualifizierte Mehrheit“ der Stimmen erhalten zu haben. Das bestätigte später auch ein Vertreter des Nationalen Wahlkomitees nach Auswertung von 64 Prozent der Wahlzettel.

    Der 75-jährige dos Santos hatte bereits im März erklärt, er würde an der neuen Präsidentschaftswahl nicht mehr teilnehmen, und forderte seine Anhänger auf, für den 63-jährigen Joao Lourenco zu stimmen. Dieser ist seit vielen Jahrzehnten MPLA-Mitglied, hatte sich am Bürgerkrieg beteiligt und war in dieser Zeit Gouverneur einer der Provinzen Angolas. Von 1978 bis 1982 studierte er an der Militärpolitischen Akademie „Wladimir Lenin“ in Moskau.

    Bei der Parlamentswahl widerstanden der MPLA die Nationale Union für die vollständige Unabhängigkeit Angolas (UNITA), die Partei CASA-SE, die Partei für soziale Wiederbelebung und die Nationale Front für die Befreiung Angolas.

    „Angola verfügt über riesige Öl- und Diamantenreserven. (…) Außerdem ist ihre geopolitische Lage am Atlantischen Ozean sehr günstig“, sagte Andrej Tokarew vom russischen Zentrum für Erforschung des Süden Afrikas. „Das ist also ein sehr reiches Land, aber mit einer sehr schwierigen Geschichte.“

    1975 wurde Angola unabhängig von Portugal. Doch kurze Zeit später brach in dem Land ein verheerender Bürgerkrieg aus, der bis 2002 dauerte. Die wichtigsten Konfliktseiten waren die MPLA, die die Unterstützung der Sowjetunion und Kubas genoss, und die UNITA samt der Nationalen Front für die Befreiung Angolas, denen die USA und mehrere regionale Länder halfen.

    Nach dem Tod des ersten Präsidenten der unabhängigen Republik Angola, Agostinho Neto, im Jahr 1979 übernahm dos Santos die Macht. Die Beendigung des Bürgerkriegs war eine seiner wichtigsten Aufgaben.

    „Erst der Krieg gegen die ausländische Intervention und dann der verheerende Bürgerkrieg haben die Wirtschaft des Landes so gut wie zerstört. Hunderttausende Einwohner Angolas starben, ungefähr dieselbe Zahl der Menschen zog ins Ausland. Das Land erlitt enorme wirtschaftliche und demographische Verluste“, so Experte Tokarew.

    Zunächst entschied sich Angola für den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft und pflegte gute Beziehungen zu der Sowjetunion, Kuba und anderen sozialistischen Ländern. „Übrigens studierte dos Santos an der Hochschule für Öl und Chemie in Aserbaidschan, und seine erste Frau war Russin“, sagte Tokarew weiter. „Aber nach dem Zerfall der UdSSR bemühte sich die Führung um den Aufbau der Marktwirtschaft. Das Land ging zu einem Mehrparteiensystem über, und die MPLA söhnte sich mit der UNITA, der stärksten Oppositionskraft, aus.“

    In den 1990er Jahren hätte der Bürgerkrieg in Angola mehrmals beendet werden können, und es wurden mehrere Friedensabkommen unterzeichnet, doch die Kriegshandlungen gingen jedes Mal weiter. „Die Staatsführung bemühte sich in dieser Zeit um Kontakte mit den ehemaligen Gegnern und den Ländern, die kein Interesse an guten Beziehungen zu Angola hatten: den USA, China und Südafrika. Diese Länder überzeugten sich, dass sie mit der MPLA zusammenwirken könnten. Unter anderem dank chinesischen Investitionen wurde die Wirtschaft Angolas wiederbelebt“, so Tokarew weiter.

    Damit begannen in der Geschichte des Landes sozusagen „satte Jahre“. Angola verwandelte sich sogar aus einem Empfänger von Hilfsgeldern in ein Geberland. Unter anderem investierte es beträchtliche Mittel in die Wirtschaft Portugals, seines einstigen Mutterlandes.

    „Vor diesem Hintergrund wurde aber die Bevölkerung Angolas immer ärmer, und immense Gelder, die in die nationale Wirtschaft investiert hätten werden können, werden immer wieder auf ausländische Bankkonten gebracht“, erzählte Tokarew weiter.

    Egal wie, aber „mit dem Abgang Santos‘ findet eine ganze Epoche ein Ende. Gemeinsam mit ihm gehen viele Personen, die am Kampf um die Unabhängigkeit Angolas teilnahmen und viel Wert auf die Beziehungen zu der UdSSR bzw. Russland legen. Solche Personen gibt es immer weniger, und sie werden durch Personen abgelöst, die im Westen studierten oder einfach an die Macht kommen wollen und sich in der Politik nach rein pragmatischen Interessen richten“, stellte der Experte fest.

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    Tags:
    Unabhängigkeit, Wirtschaft, Bürgerkrieg, Intervention, Investitionen, Präsidentenwahl, Öl, Diamant, Wahlen, USA, UdSSR, Angola