10:11 13 Dezember 2017
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    Der Oberbefehlshaber des türkischen Heeres Hulusi Akar (l.) mit seinem iranischen Kollegen Mohammad Bagheri besuchen den Generalstab in Ankara

    Ehemalige Feinde werden Verbündete – Erdogan reist nach Teheran

    © AFP 2017/ STR
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    Nesawissimaja Gaseta
    811013

    In Teheran wird der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zum Besuch erwartet. Dieser erfolgt in den für die ganze Nahost-Region schweren Zeiten: Vor dem Hintergrund der Katar-Krise muss sich nicht nur Doha, sondern auch Ankara zahlreiche Vorwürfe seitens anderer Golfländer anhören. Das schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Donnerstag.

    So fordern unter anderem die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) die Türkei auf, „Kolonisierungshandlungen“ in Syrien einzustellen. Diese Auffassung äußerte der VAE-Außenminister Abdallah bin Zayid Al Nuhayyan bei seinem jüngsten Treffen mit dem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow. „Neben der innenpolitischen Situation lässt sich das Syrien-Problem auf die Einmischung äußerer Kräfte zurückführen“, betonte er.

    „Unter anderem bemühten sich der Iran und die Türkei, die Souveränität Syriens zu schwächen. Deshalb sollten sie aufhören, sich in den Konflikt einzumischen.“

    Zwischen Ankara und Teheran lässt sich in letzter Zeit tatsächlich eine Annäherung beobachten. Erst unlängst besuchte beispielsweise der iranische Generalstabschef Mohammed Bakri Ankara, um sich mit seinem türkischen Amtskollegen Hulusi Akar zu treffen: Teheran und Ankara sind neben Russland die Garanten der Waffenruhe in Syrien, die im Rahmen des so genannten „Astana-Prozesses“ vereinbart wurde.

    Ein äußerst wichtiges Problem, mit dem sich die türkische und iranische Führung beschäftigen werden, kann die kurdische Staatlichkeit sein. Im Herbst wollen die Behörden des irakischen Kurdistans ein Unabhängigkeitsreferendum durchführen, was sich weder Teheran noch Ankara gefallen lassen. „Die beiden Länder haben sich in Bezug auf den Volksentscheid geeinigt“, sagte der Leiter des russischen Zentrums für Islam-Studien, Kyrill Semjonow.

    „Erdogan muss offenbar den Nationalisten gehorchen, die jede Äußerung der kurdischen Staatlichkeit als Gefahr für die Türkei betrachten. Dasselbe passiert auch im Iran.“

    Semjonow betonte: „Die Emirate waren von Anfang an die konsequentesten Gegner des so genannten politischen Islam, den die Türkei unterstützt. Dementsprechend treten sie vor diesem Hintergrund vor allem für die Säkularisierung des ganzen Nahen Ostens ein, und deshalb unterstützen sie auch die syrischen Kurden. Als beschlossen wurde, dass die internationale Koalition den Kurden Militärhilfe leisten wird, begannen ausgerechnet die Emirate, sie mit Schützenpanzerwagen zu versorgen. Das war ein klares Signal an die türkische Seite.“ Außerdem unterstützten die VAE im Unterschied beispielsweise zu Saudi-Arabien, das in Syrien entweder salafistischen oder säkularen Gruppierungen zur Seite stand, immer nur die säkularen Kräfte, so der Orientalist. „Und später schloss sich der säkulare Teil der syrischen Opposition den Demokratischen Kräften Syriens an – der multinationalen Allianz, deren Basis ausgerechnet die kurdischen Formationen bilden.“

    Der iranische Generalstabschef Muhammed Bakiri
    © AFP 2017/ CHAVOSH HOMAVANDI
    Die Beziehungen zwischen Ankara und Abu Dhabi haben sich im Sommer 2016 besonders angespannt, als in der Türkei ein Versuch zum Staatsstreich unternommen worden sei, erinnerte Semjonow. „Es gab Anschuldigungen, dass damit auch die Emirate verbunden gewesen sein könnten.“ Noch mehr spitzte sich die Situation nach dem Ausbruch der Katar-Krise zu, als Ankara Doha unterstützte.

    „Die VAE werden viel schärfer sowohl gegenüber Katar als auch gegenüber der Türkei handeln“, vermutete der Experte.

    Allerdings haben Saudi-Arabien und die VAE bereits einen wichtigen Einfluss auf die Dynamik des Syrien-Konflikts ausgeübt, indem sie ihre Hilfen für die syrischen Gruppierungen reduziert haben, fügte Semjonow hinzu. „Eine große Rolle spielte die Tatsache, dass sie sich auf den Jemen-Konflikt umorientiert haben, und Syrien wurde für sie nur Nebensache.“

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    Tags:
    Zusammenarbeit, Staatsbesuch, Kurden, Recep Tayyip Erdogan, Syrien, Saudi-Arabien, Iran, Türkei, Vereinigte Arabische Emirate (VAE)
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