11:55 25 Februar 2020
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    Der von Nordkorea bekannt gegebene Test einer Wasserstoffbombe bringt die Welt an den Rand einer akuten Krise. Die USA und ihre Verbündeten stecken in einer Zwickmühle, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Montag.

    Einerseits muss man irgendwie reagieren – der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-un provoziert bewusst, indem er Washingtons Ultimaten und Drohungen ignoriert.  Falls ein solches Verhalten ohne Reaktion bleibt, ist der Ruf der USA und der gegenwärtigen Administration schwer geschädigt. In diesem Fall wird Trump, der Nordkorea mit „Feuer und Wut“ drohte, als ein Politiker vor der Welt stehen, der Verantwortung scheut und nicht in der Lage ist, seinen Worten Taten folgen zu lassen und nur auf Twitter als „cooler  Typ“ daherkommt.

    Doch andererseits kann eine Bestrafung Nordkoreas katastrophale Folgen für die Region haben, indem der blutigste Krieg seit den vergangenen Jahrzehnten provoziert wird.

    Wenn die Weltgemeinschaft es schaffen will, einen Ausweg aus der “koreanischen Sackgasse” zu finden, hängt es in vielerlei Hinsicht davon ab, inwieweit koordiniert und eindeutig die Großmächte, ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats, darunter Russland, vorgehen werden.

    Es mag auch zynisch klingen, doch für Moskau kam die Krise um die nordkoreanische Wasserstoffbombe zu einem günstigen Zeitpunkt.

    Für einen Teil des US-Establishments, der sich in eine präzedenzlose politisch-diplomatische Konfrontation mit Russland gestürzt hat, können die Tests einer Wasserstoffbombe eine kalte Dusche sowie ein Zeitpunkt der Wahrheit und Ernüchterung sein. Zu solchen Zeitpunkten kommt man zu dem Verständnis, wo die wahre Bedrohung und wo eine virtuelle, künstlich erzeugte Bedrohung ist.

    Was ist eine größere Bedrohung für die Sicherheit der USA – russische Hacker und die angebliche Einmischung Moskaus in die US-Wahlen oder ein unerwünschtes Regime mit nuklearen Sprengköpfen und Interkontinentalraketen? Auch was den Kongress betrifft, der fast einstimmig für die neuen antirussischen Sanktionen stimmte, ist die Antwort auf diese Frage wohl nur für McCain eindeutig. Andere Senatoren werden sich wohl noch Gedanken darüber machen.

    Was die Verbündeten der USA (sowohl in Asien als auch in Europa) betrifft, sind ihre Prioritäten eindeutiger. Für Tokio und Seoul ist Moskau ein potentieller Partner bei der Lösung der nordkoreanischen Krise und kein geopolitischer Gegner. Für die EU-Länder, von denen sich viele von dem harten Russland-Kurs Washingtons distanzierten, ist das Verhalten des Kremls gegenüber Nordkorea ebenfalls ein wichtiger Test. Ein Test, ob Russland vor dem Hintergrund der globalen Krise bereit ist, sich in die einheitliche Front einzureihen, ein verantwortungsvolles Herangehen zu zeigen sowie nicht dem Motto zu folgen:

    „Je schlechter für den Westen (die USA), desto besser für uns“.

    Einige Verkündigungen von russischen Abgeordneten und Senatoren zum Thema Nordkorea klingen tatsächlich so, dass Zweifel aufkommen können. Allerdings wird die Außenpolitik Russlands zum Glück nicht von den Abgeordneten bestimmt, die Sehnsucht nach den Sowjetzeiten haben.

    Die erste Reaktion des russischen Außenministeriums auf den nordkoreanischen Atomtest war äußerst scharf – ungewöhnlich scharf für Moskau gegenüber Pjöngjang. Doch die Situation ist  nicht einfach, sondern sogar außerordentlich. Zudem verliert Russland auch nichts. Nordkorea ist eigentlich nicht russischer, sondern chinesischer „Kunde“. China steht die schwere Wahl bevor – den Kurs gegenüber dem Satelliten zu bestimmen, der kaum mehr gehorcht. China wird von Südkorea, Japan und natürlich der Administration von Donald Trump  unter Druck gesetzt.

    Moskau kann die Situation nutzen und versuchen, die Rolle eines Vermittlers zu spielen und seine Positionen in der Region und in der Welt zu stärken.

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    Tags:
    Gegner, Beziehungen, Krise, Test, H-Bombe, Donald Trump, Kim Jong Un, Nordkorea, Russland, USA