03:56 22 November 2019
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    Mitarbeiter eines neu eröffneten Gaslagers in der Westukraine (Archivbild)

    Nachfrage-Boom in EU zwingt Gazprom zu Gasgesprächen mit Ukraine

    © Sputnik / Mikhail Markiw
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    Die wachsende Nachfrage in der EU und der Ausfall der Jamal-Europa-Pipeline wegen Reparaturen zwingt Russland dazu, mehr Gas durch die Ukraine zu pumpen. Trotz des Streits mit Kiew könnte der Transit durch die Ukraine zum Jahresende auf 100 Milliarden Kubikmeter steigen – ein Rekord seit 2011, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Dienstag.

    Im August hat der Transit durch dieses Land 8,82 Milliarden Kubikmeter erreicht und damit einen langjährigen Rekord gebrochen. Damit wurden nach Angaben Gazproms die Ergebnisse von November und Dezember 2016 erreicht. Nur im Januar 2017 waren die Zahlen noch etwas höher gewesen (9,35 Milliarden Kubikmeter).

    Experten führen den intensiven Gastransit durch die Ukraine sowohl auf die große Nachfrage als auch auf die aktuelle Reparatur der durch Weißrussland und Polen verlaufenden Pipeline Jamal-Europa zurück, weshalb der Transit durch die Ukraine um 300 Millionen Kubikmeter aufgestockt wurde. Die Nachfrage in Europa ist erstens durch den wachsenden Bedarf der Energiebetriebe und zweitens durch die Notwendigkeit zur Auffüllung der unterirdischen Gasdepots bedingt.

    Dabei wird vom 11. bis 22. September der Gastransport durch die Leitung Nord Stream zwecks Reparaturen vollständig gestoppt. Die Jamal-Europa-Pipeline ist gefüllt, und deshalb könnte der Transit durch die Ukraine an diesen Tagen um 150 bzw. 160 Millionen Kubikmeter täglich vergrößert werden. Schon zwischen Januar und August war der „ukrainische“ Transit um 23,4 Prozent auf 61,9 Milliarden Kubikmeter aufgestockt worden. Sollte diese Dynamik andauern, könnte er 100 Milliarden Kubikmeter pro Jahr erreichen – das wäre der Höchstwert seit 2011.

    Experten halten die massiv angestiegenen Gaslieferungen nach Europa in diesem Jahr eher für eine Ausnahme, die durch eine ganze Reihe von günstigen Faktoren bedingt wurde: Wetter, relativ niedrige Preise und die relativ geringe Konkurrenz auf dem Markt. Aktuell erwartet Gazprom laut Quellen einen Anstieg des Exports in das so genannte „ferne Ausland“ auf 185 Milliarden Kubikmeter. Mittelfristig sollte er zwischen 165 und 185 Milliarden Kubikmeter pro Jahr liegen.

    Falls allerdings die Nachfrage weiter wachsen sollte, könnte Gazprom auf Probleme stoßen. Denn nach 2019, wenn der aktuelle Transitvertrag mit der Ukraine abläuft, könnte es dem russischen Energieriesen an Exportkapazitäten mangeln. Gazproms Plan besteht im Bau der Pipelines Nord Stream (Kapazität von 55 Milliarden Kubikmeter pro Jahr) und Turkish Stream (32 Milliarden Kubikmeter), während der Transit durch die Ukraine 15 Milliarden Kubikmeter pro Jahr betragen würde. Im Falle der 90-prozentigen Auslastung der erwähnten Leitungen würde der Konzern über insgesamt 93 Milliarden Kubikmeter verfügen, um die Ukraine zu umgehen. Das wäre weniger als der prognostizierte Transit durch die Ukraine in diesem Jahr, aber  ausreichend, wenn man die vertraglich verankerte Nachfrage der Abnehmer bedenkt.

    Das könnte der Ausgangspunkt bei den Verhandlungen über einen neuen Transitvertrag mit der Ukraine werden, der Kiew gestatten würde, sein Pipelinesystem größtenteils aufrechtzuerhalten. Die von "Kommersant" befragten Experten schätzen die dafür nötige Menge auf mindestens 30 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr.

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    Aufstockung, Gaslieferungen, Gaspipeline, Nord Stream, EU, Gazprom, Russland, Ukraine