10:47 21 September 2017
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    Wladimir Putin im Fernen Osten

    Putin hofft auf Aufschwung im Fernen Osten

    © REUTERS/ Sergei Karpukhin
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Der russische Ferne Osten hat seit den frühen 1990er Jahren fast zwei Millionen Einwohner verloren. Die Investitionen in das Grundkapital gehen zudem seit 2012 zurück, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag.

    Vor diesem Hintergrund besteht Präsident Wladimir Putin auf einer intensiveren Entwicklung des Fernöstlichen föderalen Bezirks. Auf dem Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok sagte er jüngst:

    „Ich möchte, dass die Wirtschaft Russlands, insbesondere im Fernen Osten, modern und flexibel ist und sich den schnellen Veränderungen in der Welt automatisch anpasst.“

    Auf einigen Gebieten zeigen die regionalen Behörden bereits Flexibilität. So kündigte der Staatschef an, dass Ausländer ab dem 1. Januar 2018 die Halbinsel Kamtschatka und die Insel Sachalin mit elektronischen Visa besuchen dürfen. Und bereits im August werden derartige Visa für Ausländer ausgestellt, die Wladiwostok besuchen. „Auf diese Möglichkeit haben allein in den jüngsten vier Wochen fast 1300 Menschen zurückgegriffen, darunter Teilnehmer unseres Forums“, betonte Putin.

    Außerdem dürfen die Investoren, die bis 2025 zu Steuerzahlern der sogenannten „Zone der intensiveren Entwicklung“ in Wladiwostok werden, mit zehnjährigen Steuerprivilegien rechnen.

    Und noch einen Bonus verspricht die russische Führung ausländischen Investoren: Wer von ihnen mindestens zehn Millionen Dollar im Fernen Osten investieren wird, darf dem Kremlchef zufolge mit einer vereinfachten Einbürgerung rechnen. Ferner erzählte er über die Erfolge dank der Verbesserung des Geschäftsklimas im Fernen Osten:

    „In den letzten drei Jahren wächst die Industrieproduktion im Fernen Osten mit 8,6 Prozent intensiver als landesweit. Das regionale Bruttoprodukt hat um 4,2 Prozent zugelegt. Auch in diesem Jahr ist die Dynamik positiv.“

    Die Industrieproduktion im Fernöstlichen föderalen Bezirk war laut der Föderalen Statistikbehörde Rosstat selbst 2015 gewachsen, als sie landesweit rote Zahlen schrieb. Aber die Investitionen in das Grundkapital sind zwischen 2012 und 2016 um 34 Prozent geschrumpft, und selbst ihre Intensivierung Anfang dieses Jahres konnte diesen Verlust nicht ausgleichen.

    Das wohl größte Problem im Fernen Osten ist aber das demografische: 1991 hatten dort noch 8,1 Millionen Menschen gelebt. Am 1. Januar 2017 belief sich diese Zahl auf nur 6,2 Millionen. Viele Jahre lang ließ sich der natürliche Bevölkerungsverlust beobachten: Es starben mehr Menschen als geboren wurden. Von 2012 bis 2016 war ein positiver Trend zu erkennen, als die natürliche Bevölkerungszunahme (um 5000 bis 9000 Menschen pro Jahr) begann. Doch diese konnte den durch Migration bedingten Bevölkerungsverlust (um etwa 20.000 Menschen pro Jahr) nicht ausgleichen.

    Angesichts dessen rief Putin den Beginn „einer neuen Phase der umfassenden, komplexen Entwicklung des Fernen Ostens“ aus. Nach seinen Worten geht es dabei „um die qualitative Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen, um die Förderung der entsprechenden wirtschaftlichen und sozialen Umgebung, die nach vielen Merkmalen – das wollen wir hoffen und werden uns darum bemühen – die landesweiten Durchschnittszahlen übertreffen wird.“

    Die von der "Nesawissimaja Gaseta" befragten Experten zeigten sich einig, dass der russische Ferne Osten eine strategische Bedeutung und gute Entwicklungsaussichten hat. Die Region wäre „durch die Kooperation mit Partnerländern interessant“, so Jekaterina Nowikowa von der Russischen Wirtschaftsuniversität „Georgi Plechanow“. „Vor allem geht es um die Möglichkeiten für günstige Ressourcenlieferungen, die sie im Vergleich zu anderen Territorien in der asiatischen Region hat: Bodenschätze, Fisch, Holz, Gold. Für uns wäre das eine Art ‚Sprungbrett‘ für die weitere Entwicklung der Region und des ganzen Landes in verschiedenen Hightech-Bereichen wie Maschinenbau, Weltraumforschung (durch den Bau des Weltraumbahnhofs Wostotschny) sowie Tourismus — dank der Entwicklung der Infrastruktur.“ Besonderes Augenmerk sollte der Expertin zufolge auf den Bau von neuen Seehäfen zur Förderung der Handelskontakte der Fernöstlichen Küstenregion gerichtet werden.

    Die Vizepräsidentin der Organisation „Geschäftliches Russland“, Tatjana Minejewa, verwies ihrerseits neben den Möglichkeiten der Region auf Gebieten wie Logistik und Touristik auch auf die regionale Landwirtschaft. „Darüber hinaus sollte sich der Ferne Osten angesichts der Nähe der asiatischen ‚Wirtschaftstiger‘ um die Rolle des regionalen Finanzzentrums bewerben. Aber dafür müssten einige Gesetze novelliert werden“, ergänzte sie.

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    Tags:
    Förderung, Infrastruktur, Demographie, Aufschwung, Drittes Östliches Wirtschaftsforum, Wladimir Putin, Ferner Osten, Russland
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