22:58 23 November 2017
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    Der Eurotower in Frankfurt am Main (Archivbild)

    EU leidet unter antirussischen Sanktionen mehr als Russland

    CC BY 2.0 / Marco Verch / Der Eurotower in Frankfurt am Main
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Nach Angaben der UNO hat die Wirtschaft der EU nach der Einführung der antirussischen Sanktionen mehr als 100 Milliarden US-Dollar verloren, während die Verluste Russlands bei rund 55 Milliarden Dollar liegen. Neue US-Sanktionen gegen Russland beunruhigen die europäische Geschäftswelt. Das schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Donnerstag.

    Demnach befürchten deutsche Unternehmen Strafen wegen ihrer Projekte in Russland und rufen europäische Politiker und Diplomaten dazu auf, eine weitere Verschärfung der Sanktionen zu verhindern.

    Idris Jazairi, Sonderberichterstatter des UN-Menschenrechtsrats für die negativen Auswirkungen von einseitigen Zwangsmaßnahmen zur Verwirklichung der Menschenrechte, schreibt in seinem Bericht über den Einfluss der Sanktionen, die EU verliere jeden Monat 3,2 Milliarden Dollar. Die russische Wirtschaft verlor seit 2014 insgesamt 55 Milliarden Dollar. Die Verluste der EU sind also seit 2014 doppelt so hoch wie die Russlands.

    Die wichtigste Schlussfolgerung Jazairis lautet, dass antirussische Sanktionen kontraproduktiv waren, weil sie wegen der Globalisierung unter anderem die Initiatoren der Sanktionen trafen. Er spricht ebenfalls vom negativen Einfluss auf Russland. Die Sanktionen könnten der Grund für den Rückgang des BIP von 2014-2016 um durchschnittlich ein Prozent sein. Darüber hinaus stieg die Zahl der Menschen, die in Russland unter der Armutsgrenze leben.

    Der Schaden durch die antirussischen Sanktionen wird unterschiedlich eingeschätzt. Das Zentrum für makroökonomische Analyse  berichtete, dass die kumulativen Verluste 2014-2015 am Wachstumstempo des russischen BIP 1,2 Prozentpunkte ausmachten. Laut dem Institut für strategische Analyse FBK kostet jedes weitere Sanktionsjahr Russland rund 900 Milliarden Rubel.

    Wie allerdings der UN-Experte hervorhob, wurde Russland vor allem vom Rückgang der Ölpreise betroffen. Jazairi lobte zudem die russische Regierung für ihre effektive Wirtschaftspolitik und die Anpassung an neue Realitäten.

    Das neue Sanktionspaket der USA würde nicht nur dem russischen, sondern auch dem europäischen Geschäft weitere Verluste bringen. Laut neuen Regeln kann die US-Regierung ausländische Unternehmen bestrafen, falls sie an Projekten teilnehmen, die mit Investitionen, der Lieferung sowie der Produktion von Ausstattung für russische Pipelines verbunden sind. Das betrifft vor allem das Nord-Stream-2-Projekt, heißt es in Materialien der Russisch-Deutschen Auslandshandelskammer.

    Laut einer Umfrage der Auslandshandelskammer vom August 2017 unter deutschen Unternehmen, die in Russland tätig sind, bezeichnen 97 Prozent der befragten Vertreter der deutschen Geschäftswelt das neue US-Sanktionsgesetz als negativ, darunter 77 Prozent als eindeutig negativ. Nur drei Prozent äußerten sich positiv zu neuen Sanktionen. 52 Prozent zufolge würden neue Sanktionen direkt bzw. indirekt ihr Geschäft treffen. 72 Prozent der Befragten wollen ihre Geschäftsaktivitäten und Investitionen auf dem früheren Niveau beibehalten, 15 Prozent wollen sogar Investitionen in den russischen Markt ausbauen.

    Wie der Sprecher der Auslandshandelskammer, Alexej Knelz, betonte, ist die Position der deutschen Wirtschaft eindeutig – die Wirtschaftssanktionen in jeder Form und von jeder Seite schaden dem Geschäft und den Wirtschaftsbeziehungen. Als Russisch-Deutsche Auslandshandelskammer rufen wir die EU und Deutschland zu Gegenmaßnahmen auf, um deutsche Unternehmen vor wahrscheinlichen Sanktionen seitens der USA zu schützen, falls sie tatsächlich verhängt werden. Die Gegenmaßnahmen seien vor allem eine aktive Position der europäischen Politiker und Diplomaten, die die Interessen der deutschen und europäischen Unternehmen verteidigen und eine weitere Verschärfung der Sanktionen nicht zulassen wollen, so der Sprecher.

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    Folgen, Sanktionen, Öl, Nord Stream-2, EU, USA, Deutschland, Russland