13:52 19 September 2017
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    Der OMV-Standort in Wien (Archivbild)

    US-Sanktionen wirken sich doch aus: Nord Stream 2 sucht Geldgeber

    © AFP 2017/ Alexander Klein
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    Die US-Sanktionen wirken sich laut dem Chef des österreichischen Energiekonzerns OMV, Rainer Seele, unmittelbar auf das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 aus. Das schreibt die Zeitung "Kommersant" am Donnerstag.

    Demnach äußerte er auf einer diesem Thema gewidmeten Pressekonferenz, die Teilnehmer des Projekts müssten jetzt mehr eigene Mittel investieren als ursprünglich geplant. Neben OMV beteiligen sich an der Finanzierung des Pipelinebaus die Konzerne Shell, Engie, Uniper und Wintershall, während der russische Riese Gazprom der einzige Aktienbesitzer ist.

    Nord Stream 2 wird auf etwa 9,5 Milliarden Euro geschätzt, wobei 70 Prozent dieser Summe als Bankkredite herangezogen werden sollen, und den Rest die Aktienbesitzer zahlen würden. Ursprünglich sollten die fünf europäischen Unternehmen jeweils zehn Prozent der Aktien übernehmen, und 50 Prozent würden bei Gazprom bleiben. Wegen der Gegenwehr Polens konnten sich die europäischen Konzerne am Ende am Kapital der Projektstruktur nicht beteiligen, sicherten jedoch finanzielle Zuschüsse zu. Laut den im April getroffenen Vereinbarungen würden sie jeweils 950 Millionen Euro als „Brückenkredit“ gegen sechs Prozent Jahreszinsen bereitstellen und damit die Hälfte der Bauarbeiten finanzieren. Sie haben bereits je 285 Millionen Euro (insgesamt also 1,4 Milliarden Euro) bereitgestellt, was dem Beitrag Gazproms zum Stammkapital der Projektgesellschaft entspricht.

    Doch Anfang August wurde in den USA ein Gesetz über neue Russland-Sanktionen verabschiedet, dem zufolge nicht nur amerikanischen Unternehmen, sondern auch Firmen aus anderen Ländern Investitionen in das Projekt Nord Stream 2 in Höhe von mehr als fünf Millionen Dollar pro Jahr untersagt sind.

    Zwar sieht das Gesetz keine Sanktionen dafür vor aber dem US-Präsidenten ist ein solches Recht vorbehalten und Banken sowohl aus der Neuen als auch aus der Alten Welt fürchten das.

    Deshalb müssten die Teilnehmer des Konsortiums ihre Verhandlungen mit asiatischen und russischen Banken intensivieren, so Rainer Seele. Ein erfolgreiches Beispiel für eine solche Kooperation gibt es auch: Trotz der Sanktionen erhielt das Projekt „Yamal LNG“ von russischen und chinesischen Banken insgesamt 15 Milliarden Dollar.

    Im Prinzip wäre es für Gazprom kein Problem, wenn es auch überhaupt keine Projektfinanzierung geben würde, denn der Konzern könnte dafür bis zu 1,9 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen, sagte Andrej Polischtschuk von der Raiffeisenbank. „Aktuell hat Gazprom etwa 13 Milliarden Dollar und zusätzlich 8,5 Milliarden Dollar als Depositen in seiner Bilanz. Darüber hinaus hat das Unternehmen eine geringe Schuldenbelastung und könnte leicht Gelder vom Markt heranziehen.“

    Aber Marktteilnehmer verweisen darauf, dass Gazproms europäische Partner Probleme bekommen könnten: Für Wintershall und OMV ist ihre Beteiligung an dem Projekt mit ihrem jährlichen EBIT vergleichbar, und UNIPER durchlebt immer noch eine schwere Übergangszeit nach der jüngsten Umstrukturierung. Schon im April hatten Vertreter des Konzerns nicht ausgeschlossen, dass sie für die Finanzierung von Nord Stream 2 einen Partner bräuchten. Rainer Seele versicherte seinerseits, dass aktuell intensive Verhandlungen mit nationalen Banken und Regierungen geführt werden.

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    Tags:
    Finanzierung, Bau, Pipeline, Gaslieferungen, Projekt Jamal-LNG, Nord Stream 2, Uniper, Shell, OMV, Gazprom, Österreich, Russland, USA
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