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    Irakischer Polizist patrouilliert eine Ölquelle in der Nähe von Basra

    Rosneft bringt Gazprom-Konkurrenz in die Türkei

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    Der russische Energiekonzern Rosneft wird möglicherweise den Bau einer Gaspipeline aus dem Irakischen Kurdistan bis in die Türkei mit einer Kapazität von mehr als 30 Milliarden Kubikmeter pro Jahr finanzieren, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Dienstag.

    Der Gesamtwert der Investitionen in das Vorhaben wurde bislang nicht genannt. Das Projekt könnte rund eine Milliarde US-Dollar kosten, wie Reuters unter Berufung auf Quellen aus dem Umfeld des möglichen Pipeline-Deals berichtete.

    Das Unternehmen will die Gaspipeline bis 2019 bauen, die Lieferungen an die Türkei sollen 2020 beginnen. Die Gaspipeline soll Lieferungen zu Stromkraftwerken und Fabriken in Kurdistan gewährleisten sowie die Möglichkeit bieten, Gas in die Türkei und nach Europa zu exportieren, heißt es in der Pressemitteilung von Rosneft.

    Rosneft nannte die Gasquelle für die geplante Pipeline nicht. Im Juni hatten der Konzern und die Regierung des Irakischen Kurdistans ein Abkommen über die Teilung von Erzeugnissen bezüglich fünf Abschnitten „mit einem bedeutenden geologischen Potential“ unterzeichnet, wie Rosneft mitteilte. Um welche Abschnitte es ging, ist nicht bekannt. Darüber hinaus wurden keine Informationen über die Pipeline gegeben, weder über Route, Länge noch Wert.

    Die Regierung des Irakischen Kurdistans wollte seit langem eine Gaspipeline bis in die Türkei bauen. Bereits 2013 war ein Plan zum Bau eines rund 200 Kilometer langen Rohres bis zur türkischen Stadt Silopi veröffentlicht worden. Die Gasförderung im gesamten Irak hatte sich im vergangenen Jahr auf  nur 1,1 Milliarden Kubikmeter belaufen, wie es in einem BP-Bericht heißt. Das Irakische Kurdistan könnte über Vorräte von 5,67 Billionen Kubikmeter verfügen, heißt es auf der Webseite der örtlichen Regierung.

    Es gibt viele Bewerber für die Förderung und Beförderung des kurdischen Gases. Die Londoner Genel Energy erschließt bereits zwei Vorkommen in Kurdistan – Miran (Vorräte von 121 Milliarden Kubikmeter) und Bina Bawi (201 Milliarden Kubikmeter). Von ihren Vorkommen bis zur türkischen Grenze sind es rund 300 Kilometer, berichtet das Unternehmen auf ihrer Seite. Der Konzern Pearl Petroleum (Irak), Dana Gas (VAE) und Cresent Petroleum (VAE) arbeiten am „Kurdistan Gas Projekt“, investierten 1,1 Milliarden US-Dollar in die Vorkommen Khomor und Chemchemal, beide Projekte bringen bereits 3,2 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. 

    All diese Projekte sind jedoch von der unruhigen Situation in der Region bedroht. Die Terroraktivitäten im Irak seien derzeit nicht weniger intensiv als in Syrien, so der Orientalist Leonid Issajew. Zudem soll im Irakischen Kurdistan in der kommenden Woche ein Unabhängigkeitsreferendum stattfinden. Vor diesem Hintergrund droht der Irak damit, Regierungstruppen in das Territorium des nicht anerkannten Staats zu schicken, so der Experte.

    Selbst wenn man die Risiken, die mit der äußerst instabilen politischen Situation in der Region zu tun haben, außer Acht lässt, ist unklar, wie dieses Projekt mit den Plänen Gazproms auf dem türkischen Markt zusammenhänge, so der Analyst Alexander Kornilow. Der Gesamtverbrauch in der Türkei liegt bei 42,1 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Mehr als die Hälfte der Lieferungen (24,8 Milliarden Kubikmeter) entfiel im vergangenen Jahr auf Gazprom. Die im Bau befindliche Turkish-Stream-Leitung würde weitere 15,75 Milliarden Kubikmeter bringen.

    Zudem würde es schwierig sein, den europäischen Markt zu erreichen – die geplante Kapazität der Pipeline TAP aus der Türkei in die EU erreicht lediglich zehn Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Zudem wolle die EU die Gaslieferanten gemäß dem Dritten Energiepaket per Ausschreibung auswählen, so Raiffeisenbank-Analyst Andrej Polischtschuk. Ihm zufolge bereitet sich die Türkei darauf vor, zum wichtigsten Gasanbieter Europas aufzusteigen, wobei Europa die Möglichkeit erwägen könnte, die Durchlässigkeit zu erhöhen. Allerdings dürfe nicht vergessen werden, dass Rosneft nur der Betreiber der Pipeline sein wird, das Gas gehört dem Konzern jedoch nicht, so der Experte.

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    Tags:
    Bau, Gaspipeline, British Petroleum (BP), Gazprom, Rosneft, Kurdistan, Türkei, Russland