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23:16 19 August 2019
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    Polizei-Patrouille in einem Rohingya-Gebiet

    Myanmar kann seine Armee nicht im Zaum halten

    © REUTERS / Soe Zeya Tun
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Myanmars Regierungschefin Aung San Suu Kyi hat die Menschenrechtsverletzungen gegen die muslimische Minderheit Rohingya in ihrem Land verurteilt und versprochen, die Verantwortlichen dafür zu bestrafen, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Mittwoch.

    Das war ihre erste Ansprache an die Bevölkerung des Landes, nachdem Rohingya-Kämpfer die Armee angegriffen hatten, worauf diese de facto mit einer ethnischen Säuberung reagierte.

    Das Rohingya-Volk, das sich zum Islam bekennt, lebt in Myanmar laut historischen Quellen seit dem 19. Jahrhundert, als dieses Land Birma hieß und eine britische Kolonie war. Auch früher kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Rohingya und den buddhistischen Ureinwohnern. Während des Zweiten Weltkriegs hatten die Briten die Rohingya beispielsweise mit Waffen versorgt, damit diese gegen die japanischen Okkupanten kämpften. Allerdings führte das am Ende zu einem blutigen Konflikt mit den Buddhisten. 

    Rohingya-Flüchtlinge
    © REUTERS / Mohammad Ponir Hossain

    Und jetzt wiederholt sich die Geschichte, allerdings nicht als Farce, sondern als eine wahre Tragödie: Auf Satellitenfotos ist beispielsweise zu sehen, dass mehr als 200 Rohingya-Dörfer total verbrannt worden sind. Die Uno bezeichnete das Vorgehen der myanmarischen Streitkräfte als „ethnische Säuberung“. Unzählige Flüchtende versuchen, sich im benachbarten Bangladesch zu retten, wo die meisten Einwohner Muslime sind. Doch Bangladesch ist noch ärmer als Myanmar und hat keine Möglichkeit, alle Zwangsumsiedler aufzunehmen. Die Ministerpräsidentin dieses Landes forderte sie auf, heimzukehren. 

    Aung San Suu Kyi, die in den vergangenen Jahren vom Westen vielfach gelobt wurde, weil sie der Militärdiktatur widerstanden und die Demokratie verteidigt hatte, erklärte ihrerseits, Myanmar wäre bereit, die Flüchtlinge wiederaufzunehmen, doch müssten diese sich einer besonderen Überprüfung unterziehen lassen. Laut Reuters können sie aber nur sehr schwer das äußerst komplizierte Verifizierungsverfahren durchlaufen, das in einem Abkommen zwischen Myanmar und Bangladesch verankert ist.

    Darüber hinaus könne Aung San Suu Kyi ausschließlich im Rahmen des Gesetzes handeln, sagte Aida Simonia vom russischen Institut für Orientalistik. Und die Rohingya sind laut dem Gesetz über Staatsbürgerschaft von 1982 keine Bürger Myanmars, denn sie können keine Dokumente vorlegen, dass drei Generationen ihrer Vorfahren auf dem Territorium des Landes lebten.

    Im Parlament beteuerte Aung San Suu Kyi, die Schuldigen an dem Massaker in der Rakhaing-Region würden dafür zur Verantwortung gezogen. Aber ihre Rede wurde zu einem weiteren Beweis dafür, dass die Regierungschefin, die als staatliche Beraterin fungiert, die nationalen Streitkräfte nicht kontrollieren kann. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte bereits, dass Aung San Suu Kyi und ihre Regierung, indem sie die Rolle der Armee an den Repressalien ignorieren, „die Köpfe in den Sand stecken“.

    Die USA riefen Myanmar Anfang dieser Woche auf, die Militäreinsätze zu stoppen, Vertreter von humanitären Organisationen auf das Territorium des Landes zu lassen und die sichere Heimkehr der Flüchtlinge voranzutreiben.

    Als das Militärregime 2015 bzw. 2016 die Macht den Anhängern von Aung San Suu Kyi friedlich überlassen hatte, glaubte man in Washington, das an Naturressourcen reiche Myanmar würde sich in Richtung Westen bewegen. US-Präsident Barack Obama besuchte dieses Land, und die Amerikaner hoben allmählich die zuvor verhängten Sanktionen auf. Gleichzeitig sollte der Einfluss Chinas schwächer werden, dachte man in Übersee. Aber Aung San Suu Kyi wollte nicht den außenpolitischen Kurs über Nacht wechseln, und die Beziehungen zwischen Myanmar und der Volksrepublik gewinnen weiter an Intensität. Pekings Reaktion auf die Ereignisse in der Rakhaing-Region ist nämlich ganz anders als die des Westens. Der chinesische Außenminister Wang Yi erklärte beispielsweise, dass die Volksrepublik „Verständnis für Myanmars Bemühungen um die Sicherheit in Rakhaing hat und diese befürwortet“. Zugleich kündigte er an, humanitäre Hilfsgüter nach Bangladesch zu entsenden.

    Weder die USA noch China sprechen offen davon, dass sie einen Interessenkonflikt in Myanmar haben. Wie aber Experten von Global Research hervorheben, haben der Bau eines Tiefwasserhafens in Rakhaing und einer Eisenbahn bis zur Provinz Yunnan (im Südwesten der Volksrepublik) eine strategische Bedeutung für das Reich der Mitte. Aus diesem Gebiet führt zudem eine Ölleitung nach China (durch den Golf von Bengalen), durch die Öl aus Afrika und dem Nahen Osten befördert wird. Und das Pentagon, das regelmäßig seine Kriegsschiffe in das Südchinesische Meer schickt, hält diese Pipeline laut Global Research und die künftige Eisenbahnstrecke für eine „feindliche Versorgungslinie“.

    In den westlichen Medien wird über den geopolitischen Hintergrund der Tragödie in Myanmar kaum geschrieben. Aber ihr Ende hängt großenteils von den USA und China ab, die einen verdeckten Krieg um den Einfluss in dieser Region führen.

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    Tags:
    Rohingya, Interessen, Verfolgung, Konflikt, UN, Aung San Suu Kyi, Myanmar, USA, China