14:02 24 Juni 2019
SNA Radio
    Öl, Irak (Archivbild)

    Industrieländer kriegen wieder Appetit auf Öl - Medien

    © AP Photo / Nabil al-Jurani
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Wedomosti
    1224

    Die zehnjährigen Bemühungen um die Kürzung des Ölverbrauchs in den Industrieländern könnten am Ende des Tages scheitern, schreibt die Zeitung "Wedomosti" am Freitag.

    Die geringen Brennstoffpreise der letzten Jahre könnten wieder zum Wachstum der Nachfrage danach führen, und Verbraucher entscheiden sich wieder für größere und stärkere Fahrzeuge.

    Die Ölnachfrage in den OECD-Ländern hatte nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) im Jahr 2005 ihren Höhepunkt von 50,4 Millionen Barrel pro Tag erreicht. 2014 verlor sie jedoch wegen der zu hohen Preise etwa zehn Prozent, und dann setzte ein großer Einsturz von 115 auf die aktuellen 55 Dollar pro Barrel ein.

    Aber inzwischen wächst die Ölnachfrage in den Industrieländern jedes Jahr um ungefähr 400 000 Barrel pro Tag. Laut einer IEA-Prognose könnte sie 2018 ca. 47,4 Millionen Barrel pro Tag erreichen. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, würde der Rückgang der Nachfrage in den OECD-Ländern um 62 Prozent seit 2008 schon Ende 2018 ausgeglichen – und das trotz der Bemühungen der Regierungen dieser Länder um die Reduzierung des Benzinverbrauchs durch Verkehrsmittel, um die Reinigung der Umwelt und die Verringerung der eigenen Abhängigkeit vom Ölimport.

    Wann die globale Ölnachfrage ihren Höhepunkt erreichen wird, ist vorerst unklar. Einige Konzerne, darunter beispielsweise Royal Dutch Shell, warnten, dies könnte in den 2020er-Jahren passieren. Aber „die Zeit der niedrigen Preise hat zweifellos den Übergang zur erneuerbaren Energetik verlangsamt“, betonte Cüneyt Kazokoglu von der Beratungsfirma FGE.

    Obwohl die Ölnachfrage gleichzeitig mit dem Wirtschaftswachstum in Nordamerika und Europa wuchs, spielte ausgerechnet die Senkung der Ölpreise die entscheidende Rolle für das Verhalten der Verbraucher, zeigt sich der Barclays-Analyst Michael Cohen überzeugt. Die immer größere Sparsamkeit von Automobilen, die sich in den letzten Jahren beobachten ließ, sei so gut wie nicht mehr zu bemerken.

    Angesichts der Popularität von Elektro- und Hybridfahrzeugen wie Tesla oder Toyota Prius vermuteten viele Medien, dieser Trend könnte schlimme Folgen für die Nachfrage nach fossilem Brennstoff haben. Aber viele Analysten finden solche Behauptungen realitätsfremd. Laut FGE entfiel im ersten Halbjahr 2017 nur ein neues Elektromobil auf 60 neue Crossover bzw. Geländefahrzeuge in den USA. In China lag dieses Verhältnis bei 1:30 und in Europa bei 1:25.

    Der ehemalige BP-Generaldirektor Tony Hayward hatte vor acht Jahren prognostiziert, dass die Benzinnachfrage in den USA nie wieder das Niveau von 2008 erreichen würde, als die Ölpreise auf nahezu 150 Dollar pro Barrel stiegen. Danach schrumpfte aber die Nachfrage (nicht zuletzt wegen der globalen Rezession), doch im August 2017 stellte der Benzinverbrauch einen neuen Rekord von 9,9 Millionen Barrel pro Tag auf (so die Angaben des US-Energieministeriums).

    Der Boom des Schieferöls in Amerika, der zum Einsturz der Ölpreise geführt hatte, drohte, auch Anfang 2017 zu ihrer Senkung zu führen. Aber inzwischen hat sich der Preis für die Sorte Brent bei über 50 Dollar stabilisiert, und die Sorte WTI wird bei ungefähr 50 Dollar gehandelt. Viele Analysten führen das auf das neue Verbrauchswachstum zurück.

    Öllager an der Frontlinie in Syrien (Archivbild)
    © AFP 2019 / Fabio Bucciarelli
    Einige Umweltaktivisten behaupten, Regierungen sollten die Zeit der niedrigen Ölpreise dafür nutzen, um die Brennstoffgebühren zu erhöhen. Aber andere halten die gestiegene Nachfrage für vorübergehend. Charlie Kronik von Greenpeace findet die Absicht von Ländern wie China oder Indien, künftig Benzin- bzw. Dieselautos zu verbieten effizienter für die Förderung der Nachfrage nach Elektrofahrzeugen als die Politik der westlichen Länder. Der Energiesektor kann sich immer noch nicht an die Situation anpassen, wenn die Ölpreise viel niedriger als 100 Dollar sind.  Doch einige Analysten rufen Investoren auf, die wachsende

    Nachfrage in den OECD-Ländern und ihre Folgen (unter anderem den Bedarf an neuen Angeboten) nicht zu ignorieren. „Das Problem des Ölmarktes besteht darin, dass seine Teilnehmer offensichtlich auf den möglichen Rückgang der Nachfrage in den kommenden zehn Jahren setzen und die heutige Realität ignorieren“, behaupten Experten von Energy Aspects. „Die Investoren sind von der Idee der Revolution auf dem Energie-Sektor erfasst, die aber noch nicht passiert ist.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    USA wollen Öl-Embargo gegen Nordkorea durchsetzen
    Аrktische Roboter für Ölförderung
    Droht Texas wegen Hurrikan „Harvey“ eine Ölkrise? – Medien
    Tags:
    Analyse, Nachfrage, Tesla, Öl, US-Energieministerium, OECD, China, USA