07:28 14 Dezember 2017
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    Raketenkomplex bei der Waffenausstellung auf der pakistanischen Militärbasis in Islamabad

    Pakistan geht den „nordkoreanischen“ Weg

    © REUTERS/ Faisal Mahmood
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Die Militärgefahr in Südasien wird immer größer: Der pakistanische Ministerpräsident Shahid Khaqan Abbasi hat Indien jüngst gewarnt, sein Land könnte Atomwaffen kurzer Reichweite einsetzen, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag.

    Dies würde ihm zufolge passieren, falls die indische Armee einen spontanen Angriff im Rahmen der Doktrin „Kalter Start“ vornehmen sollte.

    In seiner Rede im US-amerikanischen Rat für auswärtige Beziehungen versuchte Abbasi, Washingtons Befürchtungen bezüglich der Kontakte der pakistanischen Geheimdienste mit extremistischen Gruppierungen und des nuklearen Potenzials Islamabads zu zerstreuen. Nach seinen Worten ist Pakistan ein verantwortungsvoller Staat, der seine Atomwaffen der Zivilkontrolle unterziehe.

    Für großes Aufsehen sorgte der Regierungschef aber durch die Veröffentlichung einiger Informationen über das pakistanische nukleare Potenzial. Wie die Zeitung „Pakistan Today“ und auch andere Medien schrieben, soll Abbasi gesagt haben:

    „Pakistan hat Atomwaffen kurzer Reichweite entwickelt, um der von den indischen Streitkräften verabschiedeten Doktrin ‚Kalter Start‘ zu widerstehen.“

    Diese Doktrin hatte Neu-Delhi entwickelt, nachdem mit Pakistan verbundene Selbstmordattentäter 2001 das Parlament Indiens angegriffen hatten. Damals hatte sich der Zeitung „Times of India“ zufolge herausgestellt, dass die Reaktion der indischen Armee auf diesen Anschlag viel zu langsam erfolgt war. Damals hatte die Verlegung der indischen Schlagkräfte an die Grenze zu Pakistan fast einen Monat in Anspruch genommen, und bis dahin konnte auch Islamabad seine Kräfte in diesen Raum befördern, um einen möglichen Angriff der Inder abzuwehren.

    Das indische Kommando zog aus dieser Situation Schlüsse und entwickelte die Doktrin „Kalter Start“.  Diese sieht vor, dass die indischen Kräfte binnen von 72 bzw. 96 Stunden nach dem entsprechenden Befehl auf das Territorium des Gegners durchdringen könnten.

    Während Neu-Delhi aufruft, eine „nukleare Apokalypse“ zu verhindern, setzt man in Islamabad offenbar ausgerechnet auf Atomwaffen. Worum handelt es sich aber dabei?

    Der frühere Hauptstabschef der russischen strategischen Raketentruppen, Generaloberst Viktor Jessin, sagte: „Die Erklärung des pakistanischen Ministerpräsidenten lässt vermuten, dass Pakistan nukleare Munition für Großkaliber-Artilleriesysteme (…) entwickelt hat. Einst hatten die USA und die Sowjetunion solche Munition. Dann aber wurden sie im Sinne der entsprechenden Vereinbarung der Präsidenten der UdSSR und der USA, Michail Gorbatschow und George Bush Sr., von 1991 entsorgt.“

    Dem Experten zufolge geht es höchstwahrscheinlich um Atomwaffen mit einer Reichweite von zehn bis 15 Kilometer. „Solche Waffen werden unmittelbar an der Frontlinie eingesetzt. Ein solches Geschoß ist ziemlich schwer, aber seine Stärke ist mit höchstens einer Kilotonne (oder noch weniger) gering. Der Wirkungsradius liegt bei etwa einem Kilometer“, so Jessin. Sie werden nach seinen Worten gewöhnlich gegen Panzer und Artilleriewaffen des Gegners eingesetzt.

    „Das sind Nahkampf-Atomwaffen. Ihre Gefahr besteht vor allem darin, dass die ‚Schwelle‘ für die Anwendung von Atomwaffen kleiner wird. Es entsteht die Versuchung, sie einzusetzen, und dann würde es zu einer Eskalation kommen“, warnte der Experte.

    Hinzu kommt, dass Pakistan aktuell weltweit der Spitzenreiter bezüglich der Intensität des Ausbaus seines nuklearen Arsenals ist. Der Militärexperte Alexej Leonkow verwies darauf, dass Pakistan seit langem Kontakte zu Waffenherstellern in Nordkorea pflege: „Pakistan zieht gerade ein Umrüstungsprogramm durch. Das ist keine Voraussetzung für Kriegshandlungen, aber Pakistan gab Indien zu verstehen, dass es eventuell dessen Angriff erwidern könnte. Das ist eine Art Affront. Und das Beispiel dafür hatte Nordkorea geliefert.“

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    Tags:
    Entwicklung, Atomwaffen, USA, Pakistan
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