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01:44 12 November 2019
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    Kim Jong-un bei der feierlichen Veranstaltung zum erfolgreichen Atomtest

    Propaganda im Chuch’e-Stil

    © REUTERS / KCNA
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    Die Staatschefs der USA und Nordkoreas haben sich anscheinend etwas zu sagen. „Verrückter“ und „alter Dummkopf“ – solche Titulierungen tauschten sie aus, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

    Zwei US-Bomber flogen in Begleitung von Kampfjets an die Grenze zu Nordkorea. Zudem erließ US-Präsident Donald Trump einen Erlass, der Banken, die mit Nordkorea zu tun haben, verbietet, das US-Finanzsystem zu nutzen. Das heißt, dass der verbale Schlagabtausch bislang nicht in einen wirklichen Krieg übergehen wird.

    Die kriegerische Rhetorik zwischen den USA und Nordkorea lässt indes nicht nach. Der nordkoreanische Außenminister Ri Yong-ho sagte in der UNO, dass Trump den Oberbefehlshaber Kim Jong-un beleidigt habe, als er ihn als „Raketen-Mann“ titulierte. Das mache einen Raketenangriff auf US-Territorium unvermeidlich, so der Nordkoreaner.

    Pjöngjang verbreitete ein Video, wo gezeigt wird, wie nordkoreanische Raketen US-Bomber und Kampfjets abschießen. Danach wurde ein Video gezeigt, wo die Vernichtung eines US-Flugzeugträgers durch ein nordkoreanisches U-Boot zu sehen ist.

    Die nordkoreanische Propagandamaschine reagiert schnell. Sie veröffentlichte die Videos nur wenige Stunden, nachdem die US-Bomber B-1B in Begleitung der Kampfjets F-15C über das Gewässer östlich von Nordkorea geflogen waren, und sich der nördlichen Grenze der demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea annäherten.

    Doch natürlich wurden die US-Flugzeuge in der Realität nicht abgeschossen. Es handelte sich um eine Videomontage. Die Flüge der Bomber waren der Höhepunkt des verbalen Schlagabtauschs zwischen Trump und Kim Jong-un Ende der vergangenen Woche. Trump nannte Kim „verrückt“ und Kim Trump einen „psychisch instabilen alten Dummkopf“.

    Wäre nicht die Rede von einem Atomkrieg gewesen, hätte diese Polemik sogar lustig angemutet. Doch der Chef des Weißen Hauses bekräftigte seine Worte nicht nur mit Aktionen des Pentagons, sondern auch mit neuen Wirtschaftssanktionen. Wie die Zeitung „New York Times“ berichtete, sollen sie den Handel Nordkoreas mit der Außenwelt noch mehr erschweren. Experten zufolge handelt es sich um die weitgehendsten Maßnahmen der USA seit mehreren Jahren. Der neue Erlass Trumps zielt darauf ab, Nordkorea vor dem internationalen Bankensystem zu isolieren. Zugleich sind die wichtigsten Industriebranchen und die Schifffahrt davon betroffen.

    Allerdings hielt Nordkorea bereits mehrere Jahre hintereinander US-amerikanischen und internationalen Sanktionen stand. In der vergangenen Woche billigte der UN-Sicherheitsrat einen neuen Resolutionsentwurf, der von den USA vorbereitet wurde. Demnach werden die Einschränkungen für den Außenhandel Nordkoreas verschärft. Doch die Resolution ging nicht so weit, wie es die US-Administration gewollt hatte.

    Trumps Erlass verbietet internationalen Banken den Zugang zum US-Markt, falls sie Transaktionen mit Nordkorea haben. Dabei sollen nicht nur Korrespondenzkonten, wie im Fall des Irans, verboten, sondern alle Aktiva solcher Bank in den USA gesperrt werden.

    Laut dem Erlass sollen auch Geschäftsleute und Firmen bestraft werden, die Geschäftsverbindungen zu Unternehmen aus den führenden Branchen der nordkoreanischen Wirtschaft haben, darunter Textilindustrie, Fischerei, Informationstechnologien und Verarbeitungsindustrie. Darüber hinaus wird der Zugang in die USA für ausländische Schiffe und Flugzeuge, die in Nordkorea waren, für 180 Tage verboten.

    Diese Einschränkungen sind zwar sogar härter als die gegen den Iran, doch sie werden wohl nicht dieselbe Wirkung haben. Denn Nordkorea hängt weniger vom internationalen Bankensystem ab. Zugleich zeigen diese Maßnahmen, dass Trump trotz seiner Rhetorik nicht auf Krieg, sondern auf Wirtschaftsdruck setzt.

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    Tags:
    Zuspitzung, Konflikt, Rhetorik, Video, Propaganda, Sanktionen, F-15C Eagle, Donald Trump, USA, Nordkorea