21:10 02 Juni 2020
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    Im Falle der Entstehung eines unabhängigen Kurdistan wären im Nahen Osten neue bewaffnete Konflikte möglich. Das gaben der Iran und die Türkei, die größten Gegner der Unabhängigkeit der Kurden, jüngst zu verstehen, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Mittwoch.

    Teheran schloss gestern den Luftraum und die Grenzübergänge an der Grenze zu Irakisch-Kurdistan und setzte seine Militärmanöver an der Grenze zum Irak fort. Ähnliche Übungen hatte zuvor auch die Türkei organisiert.

    Konkrete Militäraktionen gegen Kurdistan planen Teheran, Ankara und auch Bagdad vorerst nicht. Aber die Türkei wird offensichtlich auch weiterhin Schläge gegen die Stellungen der kurdischen Arbeiterpartei PKK durchführen, die in Ankara als terroristische Organisation gilt. Der türkische Premier Binali Yildirim erklärte, dass „in der Region (in Kurdistan) eine Zeit begonnen hat, in der beunruhigende und unumkehrbare Ereignisse möglich sind“. Gleichzeitig warnte er, dass Ankara sein Vorgehen mit den Behörden in Bagdad koordinieren könne: „Es geht um das Territorium des Iraks, und falls Bagdad Ankara um Hilfe bittet, sind wir bereit, diese ohne jegliche Hemmung zu leisten.“ Nach seinen Worten könnte die Türkei auch den Öltransit aus Kurdistan sperren.

    Das Thema Kohlenwasserstoffe warf auch die irakische Führung auf. Premier Haider al-Abadi verlangte von ausländischen Staaten, die Kontrolle über die Grenzübergänge nach Kurdistan der Zentralregierung in Bagdad zu überlassen, und erinnerte seine Partner, dass sie alle Geschäfte nur mit dem Irak führen sollten. Es ist aber unklar, ob man ihm auch zuhören wird. Denn die USA verurteilten zwar das Referendum in Kurdistan, unterstützten aber weiterhin das Peschmerga-Volksheer, das eine Führungsrolle im Kampf gegen den IS spielt. Auch Ankaras angedrohte Sperrung des Öltransits aus Kurdistan könnte nur ein Bluff sein, denn die Türkei würde deswegen beträchtliche Verluste erleiden.

    Immer noch unklar bleibt die Position Russlands zu Kurdistan. Aber in Erbil glaubt man, dass sich Moskau zum jüngsten Referendum neutral gezeigt hat. Außerdem zeigten die irakischen Kurden die Bereitschaft zum Kauf von russischen Waffen. Ob Moskau so etwas eingehen würde, ist vorerst unklar. Offensichtlich sei aber, dass die Türkei und der Iran dagegen wären. Der russische Präsident Wladimir Putin könnte aber seine Stellung zu den jüngsten Ereignissen um Kurdistan nach seinem Treffen mit dem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan am 28. September in Ankara kundgeben.

    Moskau und Ankara ziehen es bekanntlich vor, ihre Kontroversen über die Kurden-Frage nicht an die große Glocke zu hängen. Nicht ganz klar ist auch, was Moskau von der Absicht der syrischen Kurden zur Bildung ihrer Autonomie hält. Damaskus zeigte sich konsequent gegen eine solche Entwicklung der Situation, denn in Syrien wäre das „irakische Szenario“ zur Bildung eines unabhängigen kurdischen Staates möglich. Das Umfeld des Präsidenten Baschar al-Assad findet, dass es im Grunde bereits allmählich umgesetzt wird: Noch im März 2016 hatten die Kurden die Bildung der Demokratischen Föderation Nordsyrien (Rojava) ausgerufen, die Damaskus allerdings nicht anerkannte. Das ist für die selbsternannte Föderation kein Hindernis bei der Kooperation mit russischen Friedenskräften, die im Norden Syriens, unweit der Grenze zur Türkei stationiert sind. Die Ko-Vorsitzende des Rojava-Rats,  Hediya Yousef, unterstützte gestern die Unabhängigkeit des Irakischen Kurdistans und versicherte ihm Unterstützung im Falle einer Blockade oder eines bewaffneten Angriffs.

    Die kurdischen Selbstverteidigungskräfte aus Nordsyrien bilden die Basis der so genannten Demokratischen Kräfte Syriens (DKS), die sich an der von den USA gegründeten Anti-IS-Koalition beteiligen.

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    Tags:
    Reaktion, Unabhängigkeitsreferendum, Recep Tayyip Erdogan, Binali Yildirim, Russland, Iran, Irak, Syrien, Türkei, Kurdistan