11:52 16 Dezember 2017
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    Anhänger des unabhängigen Kurdistans in Ebril

    Kurdistan will nicht mehr irakisch sein

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    Das jüngste Referendum über die Unabhängigkeit von Irakisch-Kurdistan hat ergeben, dass mehr als 93 Prozent der Einwohner nicht mehr Teil des Irak sein wollen, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Donnerstag.

    Allerdings ist man in Bagdad und in den wichtigsten Ländern der Region mit diesem Volksentscheid nicht einverstanden. Der irakische Premier Haider al-Abadi erklärte das Referendum als „verfassungswidrig“ und rief ausländische Fluggesellschaften auf, die Luftverbindung mit den Flughäfen Kurdistans (Erbil und Sulaimaniyya) zu unterbrechen, was eine internationale Blockade der kurdischen Autonomie bedeuten würde.

    Die Türkei zeigte sich besonders intolerant in Bezug auf Kurdistan. Präsident Recep Tayyip Erdogan drohte ihm mit „wirtschaftlichen und militärischen Maßnahmen“. Nach seinen Worten könnte Ankara den Transit von Lastwagen und zudem den Öltransit stoppen.

    Für den Volksentscheid im Norden des Irak machte Erdogan den Kurdenführer Massud Barzani persönlich verantwortlich.

    "Wir hatten bis zuletzt gedacht, Barzani würde diesen Fehler nicht begehen aber wir hatten Unrecht. Diese Entscheidung, die ohne jegliche Beratungen getroffen wurde, war ein Verrat“, so Erdogan.

    Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu erklärte seinerseits, Ankara unterstütze die territoriale Integrität des Irak und wäre bereit, sie zu verteidigen, falls es eine entsprechende Anfrage erhalte. 

    Der Iran stellte seinerseits auf Antrag Bagdads den direkten Flugverkehr mit Irakisch-Kurdistan ein und stellte an seiner westlichen Grenze zusätzliche Raketensysteme auf.

    Ankaras und Teherans Position ist nachvollziehbar: Sowohl in der Türkei als auch im Iran gibt es große kurdische Gemeinden, für die das Beispiel ihrer irakischen „Brüder“ ansteckend werden könnte.

    Dasselbe gilt auch für Syrien, aber in Damaskus vermied man bislang scharfe Reaktionen. 

    Gegen das Referendum der Kurden im Irak war auch die UNO aufgetreten. Generalsekretär António Guterres warnte, dass es den gesamten Nahen Osten destabilisieren könnte. Auch der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abul-Gheit, bedauerte „die Sturheit der Kurden“.

    Verschiedene Großmächte zeigten ebenfalls ihre Skepsis gegenüber dem kurdischen Volksentscheid. Das US-Außenministerium brachte seine „äußerste Enttäuschung“ über die Entscheidung Erbils zum Ausdruck. Und der deutsche Chefdiplomat Sigmar Gabriel äußerte große Besorgnis, da dieser Schritt die ganze Region noch mehr destabilisieren könnte. Sein französischer Amtskollege Jean-Yves Le Drian warnte die irakischen Kurden davor, ihre Souveränität auszurufen, weil dies zu neuen Krisen im Nahen Osten führen könnte.

    Der Kreml zeigte sich vor diesem Hintergrund eher zurückhaltend. Putins Sprecher Dmitri Peskow unterstrich lediglich, dass Russland die territoriale Integrität der regionalen Länder befürworte, und bestätigte, dass Putin das kurdische Referendum mit seinem türkischen Amtskollegen Erdogan bei einem Telefonat besprochen habe.

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    Tags:
    Unabhängigkeitsreferendum, Folgen, Reaktion, Mevlut Cavusoglu, Recep Tayyip Erdogan, Kurdistan, Türkei, Irak, Russland
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