04:13 22 Oktober 2020
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    Die USA und die Nato haben offenbar gewisse Schlüsse aus der jüngsten russisch-weißrussischen Übung „Sapad 2017“ („Westen 2017“) gezogen. Das militärische Potenzial der Allianz vor den Grenzen des russisch-weißrussischen Unionsstaates könnte demnächst ausgebaut werden, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

    Der polnische Verteidigungsminister Antoni Macierewicz plädierte kürzlich für die Festigung der östlichen Nato-Flanke durch zwei weitere US-amerikanische Heeresdivisionen. In diesem Jahr wurde in Polen bereits eine US-Panzerdivision aufgestellt, die 3500 Soldaten zählt und über Panzer Abrams und Selbstfahrhaubitzen Paladin verfügt. Zudem wurde je ein Nato-Bataillon in Lettland, Litauen und Estland stationiert.

    Aber für das Pentagon wäre der Ausbau seiner Heeresgruppierung in Osteuropa vor allem kostspielig und zudem ineffizient im Falle eines Hybridkrieges. Nicht umsonst verlangt Washington von seinen europäischen Nato-Verbündeten eine Aufstockung ihrer Rüstungsausgaben. Indirekt plädieren die Amerikaner für den Einsatz des Verteidigungspotenzials der Ukraine gegen Russland.

    Außerdem bemüht sich das Pentagon schon seit Jahren um die Aufstellung seiner Raketenabwehrsysteme in Osteuropa, was nach Auffassung des russischen Generalstabs den INF-Vertrag verletzt und Russlands nationale Sicherheit gefährdet. Ähnliche Vorwürfe, allerdings gegen Moskau, bringt man auch in Washington zuweilen zum Ausdruck.

    US-Generalstabschef Joseph Dunford erklärte unlängst im Senat, Russland hätte eine bodengestützte Modifikation des Marschflugkörpers Kalibr-NK entwickelt. Solche seegestützten Raketen, deren Reichweite bis zu 2600 Kilometer ausmacht, wurden im Rahmen des russischen Syrien-Einsatzes gegen IS-Terroristen eingesetzt; ihre hohe Effizienz wurde bewiesen.

    Die Amerikaner machen sich Sorgen darüber, dass Moskau diese Waffen jetzt auch vom Boden einsetzen könnte. Moskau weist diese Vorwürfe zurück und verweist im Gegenzug auf die Aufstellung von US-amerikanischen Raketenstartanlagen Mk41 in Rumänien, die für Raketen mit einer Reichweite zwischen 500 und 5500 Kilometern geeignet sind. Auch die Amerikaner lassen sich solche Vorwürfe nicht gefallen und drohen mit dem Austritt aus dem INF-Vertrag.

    Im Falle eines bewaffneten Konflikts mit Russland könnten sie darüber hinaus taktische Atomwaffen einsetzen, die in Europa aufgestellt sind. Im August wurde nämlich die Zahl der in den baltischen Ländern stationierten Nato-Kampfjets, die taktische Atomwaffen an Bord nehmen können, nahezu verdoppelt. Hinzu kommt, dass Washington in diesem Kontext auch das ukrainische Territorium quasi zur Verfügung steht.

    Der ukrainische Generalstabschef Viktor Muschenko informierte beispielsweise, dass bereits neun Bataillone gebildet worden seien, die mit den Nato-Truppen kompatibel seien. Nach den jüngsten großen Manövern in der Ukraine werden diese Kräfte „an mehreren weiteren Übungen verschiedener Brigaden“ teilnehmen, kündigte der General an. Als Berater und Beobachter werden sich daran Vertreter der Allianz beteiligen.

    Die Involvierung Kiews in die Nato-Aktivitäten wird auch durch die militärtechnische Kooperation mit dem Bündnis vervollkommnet. Neben der Waffenversorgung wären die USA und ihre Verbündeten bereit, der Ukraine beim Wiederaufbau von Betrieben zu helfen, die Munition herstellen. Nach den jüngsten Explosionen in mehreren ukrainischen Munitionslagern wäre das durchaus angebracht.

    „Die Explosionen in den Artillerielagern bei Winniza warf Kiew russischen Diversanten vor“, sagte der russische Militärexperte Juri Netkatschew. „Aber das könnten durchaus auch die neuen Verbündeten der Ukraine aus der Nato oder auch die ukrainischen Behörden selbst getan haben, um in diesem Land die Munitionsproduktion in Übereinstimmung mit den Standards der Allianz voranzubringen. Wozu brauchen die Ukrainer denn die veraltete russische Munition, (…) wenn die Nato ihnen ihre Munition fast kostenlos anbietet?“

    Netkatschew führte an, dass der ukrainische Präsident Petro Poroschenko noch im Sommer einen Erlass signiert hätte, laut dem in der Ukraine ein neuer Munitionsbetrieb gebaut werden sollte. Dafür sollen 1,4 Milliarden Griwna zur Verfügung gestellt werden.

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    Verteidigung, Munition, Fabrik, Manöver "Zapad 2017", NATO, Antoni Macierewicz, Polen, Ukraine, Russland