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08:02 14 Oktober 2019
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    Nicolas Maduro und Alexander Lukaschnenko (r.) beim Treffen in Minsk

    Lukaschenko und Maduro entwickeln „Wirtschaft nach dem Öl“

    © REUTERS / Vasily Fedosenko
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    Die Beziehungen zwischen Weißrussland und Venezuela sollen wieder intensiviert werden. Darauf einigten sich die Präsidenten beider Länder, Alexander Lukaschenko und Nicolas Maduro, bei ihrem jüngsten Treffen in Minsk, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    Zur aktuellen Situation in Venezuela sagte Maduro, „die Zeiten der brutalen Bataillen“ seien vorbei, so dass ein Land „eine Wiederaufbauphase“ erlebe. „Im wirtschaftlichen Aspekt unternehmen wir neue Schritte“, betonte er. „Wir bezeichnen das als Programm der bolivarischen Entwicklung – die Wirtschaft der ‚Zeit nach dem Öl‘.“ Nach seinen Worten rechnet man in Caracas, dass sich Weißrussland, das früher enge Wirtschaftskontakte mit Venezuela hatte, an diesem Programm beteiligen wird.

    Nach den Verhandlungen kündigten die Staatsoberhäupter an, dass schon im November eine Sitzung der gemeinsamen Wirtschaftskommission stattfinden werde, bei der ein konkreter Aktionsplan erarbeitet werden soll. Lukaschenko versprach seinem Amtskollegen Unterstützung in der schwierigen Situation, die in Venezuela entstanden ist. „Venezuela hat es schwer, aber wir hatten es noch schwerer – wir hatten sogar Lebensmittelkarten, doch wir stellten uns die Aufgabe, dieses Problem in den Griff zu bekommen und in acht bis zehn Jahren Lebensmittelexporteur zu werden. Und diese Aufgabe haben wir gelöst.“ Lukaschenko zeigte sich überzeugt, dass Caracas fünf Jahre reichen werden, um das Ernährungsproblem zu lösen.

    Experten betrachten die Kooperationspläne von Minsk und Caracas aber skeptisch. Laut statistischen Angaben ist der Handelsumsatz zwischen beiden Ländern auf den absoluten Tiefpunkt seit zehn Jahren geschrumpft: 2016 belief er sich auf nur zwei Millionen Dollar. Zum Vergleich: 2010 und 2011 hatte er dank des Ölimports aus Venezuela nahezu 1,5 Milliarden Dollar erreicht. In den letzten zwei Jahren kaufte Weißrussland in Venezuela überhaupt nichts und verkaufte an dieses Land seine Kaliumdüngemittel, Traktoren und Lastwagen, Milch und Medikamente.

    Der Politologe Valeri Karbalewitsch zeigte sich überzeugt, dass man von Maduros Besuch kaum etwas erwarten könne. Er sei immerhin unterwegs aus Moskau nach Minsk gekommen, „wo er gerade Hilfe beantragt hat“. „Venezuela befindet sich in einer schweren Situation, und alle Errungenschaften aus der Zeit von Hugo Chavez sind zunichte gemacht worden. Venezuela hat einfach kein Geld, um weißrussische Produkte zu bezahlen (…), und wir haben nichts, was wir dort kaufen könnten“, so der Experte.

    Früher waren die Wirtschaftskontakte zwischen Minsk und Caracas ziemlich intensiv. Es gab diverse gemeinsame Projekte: Unter anderem bauten die Weißrussen mehrere Maschinenbau- und Automobilwerke, Wohnhäuser usw. in dem südamerikanischen Land. Das Vorzeigeprojekt war aber das Joint Venture PetroleraBeloVenezolana. Wie der Generaldirektor des Konzerns Belorusneft, Alexander Ljachow, gestern Journalisten mitteilte, geht es dem Betrieb, wie ganz Venezuela, nicht besonders gut. Die Ölförderung sei von einer Million Tonnen auf nur 700.000 Tonnen zurückgegangen. Das Unternehmen brauche Geld für die weitere Entwicklung, aber weder Caracas noch Minsk haben solche Mittel. Aber auch die Erfolge der früheren Jahre seien eher fraglich. Denn in den zehn Jahren des Bestehens des Unternehmens habe Weißrussland nur etwa 70 Millionen Dollar verdient.

    Die einzige Unterstützung, die die beiden autoritären Pole sich gegenseitig leisten können, ist offenbar moralischer Art. „Wir treten gegen jegliche Aggression, gegen Chaos und Massenunruhen, gegen die Einmischung in die inneren Angelegenheiten Venezuelas und jedes anderen Staates auf“, sagte Lukaschenko.

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    Tags:
    Krise, Handel, Zusammenarbeit, Öl, Wirtschaft, Verhandlungen, Staatsbesuch, Treffen, Alexander Lukaschenko, Nicolas Maduro, Weißrussland, Venezuela