11:08 15 November 2018
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    Türkische Militärtechnik an der Grenze zu Syrien

    Syrien-Konflikt: Türkei will sich Idlib schnappen

    © REUTERS / Osman Orsal
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den Beginn eines Militäreinsatzes in der syrischen Provinz Idlib verkündet, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Montag.

    Laut Medienberichten wurde bei den jüngsten Verhandlungen Erdogans mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin am 28. September eine entsprechende Vereinbarung getroffen. Aber in den Beziehungen zwischen Ankara und Moskau, besteht die Möglichkeit, das nicht alles rund laufen wird. Jedenfalls warf der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu gestern Russland „undifferenzierte Bombenangriffe gegen die friedliche Bevölkerung und die ‚gemäßigte Opposition‘“ in Idlib vor.

    Bis zuletzt hatte Ankara dermaßen scharfe Vorwürfe gegen Moskau vermieden. Aber laut Aussagen aus Behördenkreisen ist Russland an der Intensivierung der Friedensstiftung in der so genannten „Deeskalationszone“ in Idlib interessiert, die Moskau gemeinsam mit Ankara und Teheran unterstützt.

    Laut dem Chef der Hauptaufklärungsverwaltung im russischen Generalstab, Generaloberst Igor Korobow, gibt es in Idlib ungefähr 9000 Terroristen, denen aktuell vor allem die protürkische „moderate Opposition“ widersteht. Erdogan sprach von ihrer Verstärkung durch die Freie Syrische Armee, die am türkischen Einsatz „Euphrat-Schild“ beteiligt ist.  Diese Kräfte sollen bereits den nördlichen Teil der Provinz Aleppo verlassen haben und sich auf dem Weg nach Idlib befinden.  Außerdem sollen Abteilungen der türkischen, russischen und iranischen Streitkräfte in die Deeskalationszone Idlib vorrücken.

    Was die zahlenmäßige Stärke der Einheiten der Freien Syrischen Armee angeht, die nach Idlib verlegt werden, so haben gestern 15 Abteilungen bzw. insgesamt etwa 800 Mann die türkisch-syrische Grenze erreicht. Das ist nicht allzu viel, wenn man bedenkt, dass diverse mit der al-Nusra-Front verbundenen Gruppierungen mehrere Tausende Kämpfer zählen. Dabei leben in Idlib laut der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu 2,4 Millionen Menschen. Hinzu kommen etwa 1,3 Millionen Flüchtlinge. Hauptsächlich geht es um die turksprachige Bevölkerung. Allerdings gibt es in Idlib auch Orte, wo Sunniten und auch Schiiten leben. Und ausgerechnet sie werden offenbar durch die Kontingente der Militärpolizei aus Russland und dem Iran zu beschützen sein.

    Russlands Präsident Wladimir Putin (R) und sein Kollege aus der Türkei Recep Tayyip Erdogan (Archivbild)
    © Sputnik / Michail Klementjew
    Wie sich die Situation in der Deeskalationszone Idlib nach der Einführung der neuen ausländischen Kräfte entwickeln wird, ist vorerst schwer zu sagen. Vertreter der Freien Syrischen Armee, wie auch die türkische Führung erklärten mehrmals, sie akzeptieren den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad nicht. Möglicherweise werden in den Orten mit protürkischer Bevölkerung unter Mitwirkung Ankaras separatistische Enklaven entstehen.

    Was die angeblichen Bombenangriffe der russischen Luftwaffe in Idlib angeht, von denen sein Amtskollege Cavusoglu gesprochen hatte, so berief sich der russische Außenminister Sergej Lawrow auf den US-Chefdiplomaten Rex Tillerson: „Der US-Außenminister teilte mir mit, dass bei Luftschlägen sogar Vertreter von humanitären Strukturen verletzt werden.“ Konkrete Fakten führte der Minister aber nicht an.

    „Diese Erklärung hatte offenbar das Ziel, die Aktivitäten der russischen Luft- und Weltraumtruppen und der syrischen Regierungstruppen zu behindern“, vermutete der russische Militärexperte Juri Netkatschew. „Die Annäherung Washingtons und Ankaras, wo sich die Vernichtung der Terroristen in Syrien ihrer Endphase nähert, ist durchaus nachvollziehbar. In den USA und in der Türkei tritt man gegen das Assad-Regime auf.  Dabei bemühen sich Ankara in Idlib und die USA in den ölreichen Provinzen Deir-ez-Zor und al-Hasaka darum, diese Territorien in der Nachkriegszeit unter ihrer Kontrolle  zu behalten.“

    Bei der nächsten Runde der dreiseitigen Verhandlungen in Astana, die für den 30. und 31. Oktober angesetzt ist, sollte Moskau nach Auffassung Netkatschews Syriens Perspektiven nach dem Krieg aufwerfen. „Die Deeskalationszonen in Idlib und auch in anderen Provinzen werden immerhin nicht ewig bestehen. Die Frage der Kontrolle Damaskus‘ über diese Territorien  sollte erörtert werden.“

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    Tags:
    Deeskalationszonen, Truppenentsendung, Folgen, Rex Tillerson, Recep Tayyip Erdogan, Mevlüt Cavusoglu, Wladimir Putin, Idlib, Türkei, Syrien, Russland