11:45 25 April 2019
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    Flugzeuge der Fluggesellschaft Monarch im Flughafen Luton

    Wie Europäische Fluggesellschaften Richtung Konkurs fliegen

    © AP Photo / Alastair Grant
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    Allein in den letzten Monaten sind in Europa gleich drei große Fluggesellschaften insolvent geworden, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Montag.

    Es handelt sich um Monarch, Air Berlin und Alitalia. Laut der britischen "Financial Times" zeugt das von einer großen Konkurrenz auf dem Markt, die sich seit 20 Jahren zuspitzt aber wegen der gefallenen Brennstoffpreise besonders hart geworden ist.

    Der Experte Jonathan Wober von der Forschungsfirma CAPA Cantre for Aviation verwies darauf, dass der billiger gewordene Brennstoff es für einige Fluggesellschaften ermöglicht habe, sich etwas länger auf dem Markt zu halten, und den anderen, die Zahl der Fluggäste auszubauen.

    „Aber da gibt es den Mechanismus der Selbstregelung: Überflüssige Kapazitäten führen zum Rückgang der Einnahmen pro Flugzeug und wer über keinen ausreichenden Grundumsatz verfügt, muss sich am Ende des Tages aus dem Geschäft verabschieden.“

    Alle drei Pleite gegangenen Fluggesellschaften hatten ziemlich lange um ihre Existenz gekämpft – trotz der ungünstigen Marktkonjunktur. So wäre die britische Monarch in den letzten drei Jahren beinahe insolvent geworden, wurde jedoch in beiden Fällen vom Investmentfonds Greybull Capital gerettet, der sie 2014 gekauft hatte.

    Air Berlin war seit 2008 unrentabel und wurde 2011 von Etihad Airways übernommen. Und Alitalia war sogar seit 1999 verlustbringend. Laut einigen Quellen kostete sie den italienischen Haushalt insgesamt zehn Milliarden Euro. 2013 wurde die Fluggesellschaft ebenfalls von Etihad gekauft.

    Die Aktiva der insolventen Konkurrenten wollen inzwischen mehrere andere Fluggesellschaften kaufen.

    Auffallend ist, dass auf dem europäischen Markt ein immer größer werdender Anteil den Billigfliegern gehört: 2002 hatte er sich auf nur neun Prozent belaufen, 2017 stieg er auf 43 Prozent.

    Darüber hinaus führte die Konjunktur dazu, dass auch traditionelle Fluggesellschaften immer öfter Optionen einführen, die für Billigflieger typisch sind: Die meisten von ihnen haben bereits Tarife, die den Preis für Gepäckbeförderung nicht vorsehen. Auch andere Dienstleistungen müssen extra bezahlt werden. Die irische Ryanair ist mit einem Anteil von 23 Prozent unter den Billigfluglinien diejenige mit der größten Rentabilität, gefolgt von der ungarischen Wizz Air (15,7 Prozent).

    Eine weitere Besonderheit des europäischen Marktes ist, dass er im Vergleich zum US-Markt gespalten ist. Während in Übersee auf die größten Fluggesellschaften 90 Prozent des Marktes entfallen, beträgt diese Zahl in Europa nur 43 Prozent. Laut der Firma Official Airline Guide (OAG) sind auf dem europäischen Markt 217 Fluggesellschaften präsent (zum Vergleich: In Nordamerika beläuft sich die Zahl auf 100). Die geringere Konsolidierung des Marktes führt aber zu geringeren Profiten für die Fluggesellschaften. Es wird erwartet, dass der gesamte Reingewinn der US-Fluggesellschaften in diesem Jahr 15,4 Milliarden Dollar erreichen wird. In Europa wird diese Zahl voraussichtlich bei nur 7,4 Milliarden Dollar liegen.

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    Tags:
    Bankrott, Etihad, Monarch Airlines, Alitalia, Air Berlin, Großbritannien, Italien, Deutschland, Europa