20:16 19 November 2019
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    Raketenabwehrsystem Russlands S-400 (Archivbild)

    S-400-Deal: Türkei will russische Raketen selbst bauen, aber Moskau ist dagegen

    © Sputnik / Artem Zschitenew
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    Der türkische Außenminister, Mevlut Cavusoglu, erklärte jüngst, dass Ankara auf den S-400-Deal mit Moskau verzichten könnte, wenn es keine Möglichkeit für den Bau solcher Raketen auf seinem Territorium bekommen sollte, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Dienstag.

    „Wir haben diesbezüglich keine offizielle Absage erhalten, und Wladimir Putin sagte uns selbst, dass wir Schritte zur Koproduktion unternehmen dürfen“, so Cavusoglu in einem Interview mit der türkischen Zeitung „Aksam“. „Sollte sich Russland aber dazu negativ verhalten, könnten wir mit irgendeinem anderen Land ein solches Abkommen unterzeichnen.“

    Laut Dmitri Peskow, Sprecher des russischen Präsidenten, gehen die entsprechenden Expertenberatungen weiter, er wollte aber keine Einzelheiten mitteilen.

    Den S-400-Deal, der auf mehr als zwei Milliarden Dollar geschätzt wird, hatten Moskau und Ankara Mitte September abgewickelt. Die Verhandlungen verliefen enorm schnell und stützten sich laut Insidern ausschließlich auf die persönlichen Vereinbarungen der Präsidenten Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan.

    Die türkischen Militärs hoffen, nicht nur die russischen Raketen zu bekommen, sondern auch den Zugang zu Technologien für den künftigen Bau solcher Raketen auf eigenem Territorium. Die russischen Unterhändler konnten aber eine Fassung des Vertrags durchsetzen, in der die Zustimmung für die Überlassung solcher Technologien nicht verankert wurde.

    Quellen in der russischen Rüstungsindustrie betrachten die Aussage des türkischen Chefdiplomaten als „ein Element des politischen Spiels“. „Wir haben einen ernsthaften Vertrag abgeschlossen, in dem alle juristischen Einzelheiten und die Verpflichtungen beider Seiten festgeschrieben wurden“, sagte ein Insider. „Man kann den Vertrag nicht mehr so einfach auflösen.“

    Präsident Putins Militärberater, Wladimir Koschin, hatte zuvor mitgeteilt, dass Russland bereits einen Vorschuss in Höhe von mehr als 100 Millionen Dollar erhalten habe. Die Lieferung der S-400-Raketen an die Türkei soll in zwei Jahren beginnen.

    Dass Ankara die entsprechenden Technologien erhält, ist dagegen sehr unwahrscheinlich, und zwar nicht nur wegen fehlender Produktionskapazitäten. Gegen einen solchen Deal treten vor allem die russischen Geheimdienste auf, denn sonst würde ein NATO-Land Zugang zu russischen Technologien erhalten.

    Eine russische Quelle wird mit den Worten zitiert, dass die Expertenberatungen zwischen Moskau und Ankara fortgesetzt werden. „Wenn die Türken an der Produktion im eigenen Land interessiert sind, könnten sie das haben, aber das wird sehr gering sein – höchstens 15 Prozent.“

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    Tags:
    Vertrag, Produktion, Waffenlieferungen, S-400, NATO, Recep Tayyip Erdogan, Mevlüt Cavusoglu, Wladimir Putin, Türkei, Russland