08:42 25 November 2017
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    Chef der nationalistischen flämischen Allianz N-VA Bart De Wever (Archivbild)

    Kataloniens Beispiel ist ansteckend: Flandern erwägt Unabhängigkeitsreferendum

    © AFP 2017/ Belga/ Benoit Doppagne
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    Das jüngste Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien heizt separatistische Stimmungen in anderen Regionen Europas an, unter anderem in Flandern, schreibt die Zeitung "Iswestija" am Mittwoch.

    Wie der Fraktionschef der EU-skeptischen Partei „Vlaams Belang“ („Flämische Interessen“) im belgischen Parlament, Tom Van Grieken, sagte, begrüßten viele Belgier den jüngsten Volksentscheid in Katalonien, und Flandern wolle künftig ein eigenes Unabhängigkeitsreferendum initiieren.

    „Ich befürworte das Referendum in Spanien und bin ein Anhänger der Unabhängigkeit Kataloniens“, so Van Grieken. „Ich bin sicher, dass es in anderen Ländern Europas einen Domino-Effekt auslösen wird. (…) In den letzten 30 Jahren sind im europäischen Raum viele unabhängige Staaten entstanden, und dieser Prozess wird weitergehen. (…) Demnächst werden wir neue Unabhängigkeitsreferenden sehen.“

    Die Oppositionspartei „Vlaams Belang“ tritt für die Souveränität der belgischen Region Flandern ein und ist in beiden belgischen Parlamentshäusern vertreten. Angesichts der zahlreichen Terroranschläge in Europa und des Flüchtlingsansturms gewinnt diese politische Kraft immer neue Anhänger.

    „Die spanischen Behörden wandten Gewalt gegen die Protestierenden in Katalonien an, und das war inakzeptabel“, betonte Van Grieken. „Die Menschen haben das Recht auf Proteste und dürfen ihre Meinung frei äußern. Die heuchlerische Position der spanischen und europäischen Behörden zeugt von der Krise, in die Europa geraten ist. Wenn die Polizei in Russland oder anderen Ländern Gewalt gegen Demonstranten anwendet, kritisiert die EU sie, und als die spanische Polizei die Kundgebungen in Barcelona auseinanderjagte, galt das als normal.“

    Der Oppositionspolitiker stellte fest, dass die Situation in Flandern der in Katalonien ähnlich sei. „Mehr als 60 Prozent sprechen Niederländisch, die Einwohner der südlichen Regionen sprechen Französisch. Das Wichtigste ist aber, dass die Flamen etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, aber fast 85 Prozent des BIP produzieren. Kurz und bündig: Der Reichtum Belgiens resultiert aus der Arbeit der Flamen“, so Van Grieken.

    Der Politik-Experte Alexej Martynow sagte, der Volksentscheid in Katalonien sei ein Beweis für die tiefe Krise des gesamten politischen Systems in Europa.  Nach seinen Worten könnte sich das „katalanische Szenario“ früher oder später in verschiedenen EU-Regionen wiederholen. Allerdings müsste eine Partei im Parlament die absolute Mehrheit haben, um ein Unabhängigkeitsreferendum zu organisieren. In Belgien sei das nicht der Fall: „Vlaams Belang“ habe keine Stimmenmehrheit.

    Anfang 2015 hatten etwa 32 Prozent der Einwohner Flanderns laut Umfragen die Kräfte unterstützt, die für die Unabhängigkeit dieser Region eintreten. Dort gibt es zwei große separatistische Parteien: „Vlaams Belang“ und die „Nieuw-Vlaamse Alliantie“ („Neue Flämische Allianz“), denen im flämischen Parlament ungefähr 50 von insgesamt 124 Sitzen gehören.

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    Tags:
    Forderung, Separatismus, Unabhängigkeit, Vlaams Belang, EU, Tom Van Grieken, Katalonien, Flandern, Spanien, Belgien
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