20:22 19 Oktober 2017
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    S-400-System (Archivbild)

    Moskau: S-400-Deal mit der Türkei außer Gefahr

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    Iswestija
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    Moskau zeigt sich unbeeindruckt von der jüngsten Aussage des türkischen Außenministers Mevlut Cavusoglu, der unlängst unterzeichnete Vertrag über die Lieferung von russischen S-400-Luftabwehrraketen an Ankara könnte unter Umständen annulliert werden, schreibt die Zeitung "Iswestija".

    Cavusoglu sagte in einem Zeitungsinterview, Ankara könnte ein Abkommen mit einem anderen Lieferanten abschließen, falls sich die russische Seite weigern sollte, S-400-Raketen auf dem türkischen Territorium gemeinsam zu bauen.

    Quellen in den russischen diplomatischen Kreisen sehen diese Aussage aber gelassen: Solche Entscheidungen werden immerhin nicht vom Außenminister getroffen. Das sei „nichts als ein Versuch, uns unter Druck zu setzen“, so die Zeitung.

    Der Föderale Dienst für militärtechnische Kooperation hatte im September die Abwicklung des S-400-Deals mit der Türkei verkündet, ohne allerdings die Einzelheiten des Vertrags bekannt zu geben. Zuvor hatte der türkische Verteidigungsminister Fikri Isik wiederholt behauptet, bei dem Vertragsabschluss habe es keine Probleme gegeben.

    Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Föderationsrat (russisches Parlamentsoberhaus), Konstantin Kossatschow, zeigte sich überzeugt, dass die türkische Seite Moskau dadurch unter Druck setzen wolle. „Das ist ein inkorrektes Verhalten. Solche Verhandlungen werden hinter geschlossenen Türen geführt und stützen sich auf das gegenseitige Vertrauen. Und wenn eine Seite dann an die Öffentlichkeit geht, heißt das, dass sie keine Argumente mehr hat“, so der Senator. „Das sollte die russischen Unterhändler nicht beeinflussen, denn wenn sie diesem öffentlichen Druck nachgeben würden, würde ein Präzedenzfall entstehen, so dass auch andere Kontrahenten sich so verhalten würden.“

    „Wir sind bereit, Ankara unsere S-400-Raketen zu verkaufen. Aber die Überlassung der wichtigsten Technologien kommt bei solch seriösen Waffen an ein Nato-Mitgliedsland nicht einmal infrage“, sagte seinerseits der Vorsitzende des Oberhausausschusses für Verteidigung und Sicherheit, Franz Klinzewitsch.

    Der russische Militärexperte Andrej Frolow hält die Lokalisierung eines Teil der S-400-Produktion in der Türkei für möglich. So etwas habe es bereits bei ähnlichen Verträgen mit China und Indien gegeben. „Die Türkei könnte beispielsweise Fahrwerke, Rümpfe oder diverse mechanische Komponenten bauen oder sogar den Raketenbrennstoff produzieren. Aber die Übergabe von Codes und den wichtigsten Technologien ist ausgeschlossen“, betonte er.

    Dabei seien beide Seiten an dem Vertrag interessiert, denn in Russland werden S-400-Raketen in zwei Betrieben gebaut, und diese brauchen nun einmal Aufträge, so der Experte.

    Der Föderale Dienst für militärtechnische Kooperation hatte im Sommer erklärt, Russland habe mehr als zehn Anträge von anderen Ländern für die S-400-Raketen. Vor kurzem wurde ein entsprechender Deal mit Saudi-Arabien abgewickelt. Aber die Türkei ist das einzige Nato-Land, das mit Moskau die S-400-Lieferung vereinbart hat. Griechenland, ebenfalls Nato-Mitglied, verfügt über die russischen Luftabwehrkomplexe S-300.

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    Tags:
    Entscheidung, Waffenlieferungen, Deal, S-400, Mevlüt Cavusoglu, Russland, Türkei
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