07:26 14 Dezember 2017
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    Krieg in Syrien (Archivbild)

    Treubrüchige Übereinstimmung: Russland beschwert sich über US-Handlungen in Syrien

    © REUTERS/ Rodi Said
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    Am Mittwoch hat das russische Verteidigungsministerium dem Pentagon vorgeworfen, das Scheitern des Friedensabkommens im südlichen Deeskalationsraum in der Provinz Dar’a zu forcieren, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Freitag.

    Grund für die Vermutungen waren gleich mehrere „merkwürdige Koinzidenzen“. Wie der Sprecher der russischen Militärbehörde, Igor Konaschenkow, am Mittwoch berichtete, hatten am 2. und 3. Oktober etwa 600 Kämpfer, die sich in einem Flüchtlingslager in der von den USA kontrollierten Deeskalationszone At-Tanf befunden hatten, das Lager verlassen und sich mit vielen Fahrzeugen nach Westen begeben. Sie seien etwa 300 Kilometer in die Provinz Dar’a gefahren.

    „Merkwürdigerweise“ seien aber zur selben Zeit zwei Konvois mit Medikamenten und Lebensmitteln nach Dar’a gefahren. „Diese ganzen humanitären Hilfsgüter sind in die Hände der aus At-Tanf kommenden Kämpfer geraten“, so Konaschenkow.

    Explosion nach einem Luftangriff der US-Luftwaffe (Archivbild)
    © Foto: U.S. Navy/ Chief Mass Communication Specialist Kathryn Whittenberger
    Aber das sei noch nicht alles: Denselben Raum hätten 300 weitere Kämpfer verlassen, um die Autobahn Damaskus-Deir-ez-Zor zu blockieren, denn auf diesem Weg werden die syrischen Regierungstruppen versorgt, ergänzte der Sprecher.

    In Syrien gibt es aktuell insgesamt vier Deeskalationszonen: in der Provinz Idlib, in Ost-Guta (Vorort von Damaskus) und in einigen Teilen der Provinzen Homs und Dar’a. Ende September hatte der russische Generalstab die US-Geheimdienste beschuldigt, eine Offensive der al-Nusra-Front gegen die Deeskalationszone in Idlib initiiert zu haben. Deswegen seien dort 29 russische Militärpolizisten blockiert worden, die erst nach Gefechten befreit werden konnten.

    Die russische Seite hat nicht zum ersten Mal Einwände gegen die Aktivitäten des US-Stützpunktes in At-Tanf: In der vorigen Woche hatte das Verteidigungsministerium erklärt, dass „mobile Gruppen“ von IS-Kämpfern ausgerechnet von dort aus ihre Aktionen vornehmen. Und am Mittwoch schloss sich auch das Außenministerium der Militärbehörde an. Der Direktor der Nordamerika-Abteilung, Georgi Borissenko, erklärte, dass die Einrichtung der Deeskalationszone in At-Tanf, wohin „die Kräfte der legitimen Regierung“ keinen Zugang haben, „einem Versuch zur Aufteilung (…) Syriens ähneln, um in einem Teil des Landes Behörden zu gründen, die von den USA bzw. ihren Verbündeten kontrolliert würden“.

    Das Pentagon wies diese Vorwürfe jedoch zurück. Sein Sprecher Adrian Rankin-Galloway beteuerte, dass die von den USA angeführte internationale Koalition allein das Ziel der Vernichtung des „Islamischen Staates“ verfolge, und betonte, dass „alle dieser Erklärung widersprechenden Aussagen unbegründet“ seien.

    Nach seinen Worten hatten die USA allein in der vorigen Woche Dutzende Schläge gegen die Kämpfer versetzt, den irakischen Kräften bei der Befreiung der Stadt El-Huweidschi geholfen und die Schlussphase des Einsatzes zur Befreiung der informellen IS-„Hauptstadt“ Rakka begonnen.

    Der russische Politologe Michail Troizki meint, dass die größte Gefahr nicht in den gegenseitigen Vorwürfen der Verteidigungsministerien beider Länder bestehe, sondern darin, dass sie früher verschiedene Einflussräume in Syrien hatten und jetzt in denselben Regionen dieses Landes vorgehen. „Diese ganze Politik wird ausgeübt, bis die Seiten zufällig aufeinandertreffen“, so der Experte.

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    Tags:
    Aktivität, Vorwurf, Vermutung, IS, Igor Konaschenkow, Syrien, Russland, USA
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