23:07 22 Oktober 2017
SNA Radio
    Goldreserven Russlands

    Russlands Notenbank vom Euro enttäuscht

    © Sputnik/ Pavel Lisitsyn
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Iswestija
    0 49881146

    Russlands Notenbank hat zum ersten Mal seit zehn Jahren ihre Politik zur Verwaltung über die Gold- und Devisenreserven wesentlich geändert, schreibt die Zeitung „Iswestija“ am Freitag.

    Es geht um zwei Tendenzen: Erstens wurde der Anteil des Euro an den Reserven von 40 Prozent auf ein Viertel gekürzt. Zweitens ist der Anteil des Goldes von acht auf 73,6 Milliarden Dollar gewachsen, und zwar hauptsächlich in den vergangenen zwei Jahren.

    Laut dem jüngsten Bericht der Zentralbank liegt der Anteil des Euro inzwischen bei 25,7 Prozent, was ein Zehn-Jahres-Tiefpunkt ist. Der Dollar-Anteil liegt in dieser Zeit ziemlich stabil zwischen 40 und 49 Prozent.

    „Aus dem Bericht der Zentralbank geht hervor, dass die Rentabilität der Dollar-Aktiva mehr als 0,5 Prozent ausmachte, während sie beim Euro unter null lag“, sagte der Chefanalyst der Analytischen Kredit-Ratingagentur (ACRA), Dmitri Kulikow.  „Das könnte einer der Gründe gewesen sein, warum der Anteil des Euro in der Struktur der Reserven reduziert wurde.“

    Der Eurokurs habe in den letzten zehn Jahren stark geschwankt, sagte auch Wladimir Tichomirow (BCS): „Vor zehn Jahren kostete der Euro 1,6 Dollar, und jetzt kostet er nur 1,17 Dollar.“

    Allerdings wäre es sinnlos, auf den Euro ganz zu verzichten, denn die Reserven seien nicht für Spekulationen, sondern für die Gewährleistung der Stabilität des Staates da, zeigen sich Branchenkenner überzeugt. Europa bleibe immerhin der wichtigste Handelspartner für Russland, und deshalb müsse es Euro in seinen Reserven haben.

    „Die Zentralbank schafft Reserven, um notfalls die störungsfreie Arbeit des Devisenmarktes zu sichern“, so Experte Tichomirow weiter. „Falls die Euro-Nachfrage wachsen sollte, müsste die Zentralbank eine gewisse Menge an Euro haben, um diese Nachfrage zu decken.“

    Mitarbeiter des Bureau of Printing and Engraving prüft Dollar-Banknoten (Archivbild)
    © AP Photo/ Hillery Smith Garrison
    „Beim ‚Floating‘ der nationalen Währung sind die Reserven nötig, um temporäre Schwankungen der Zahlungsbilanz auszugleichen“, stimmte Kollege Kulikow zu. „Eine der Vorgehensweisen bei der Strukturierung des Devisenteils der Reserven besteht darin, die Struktur ihrer potenziellen Nutzung nachzubilden. Für den Warenimport liegt das Verhältnis ziemlich stabil bei 40/30/30 (Dollar/Euro/Rubel), für die Außenschulden lag es Mitte 2017 bei 60/13/23.“

    Das bedeute allerdings nicht, dass die Notenbank nicht ein effizienter Investor sein sollte, so der Experte weiter. „Mehr als 75 Prozent der Reserven stecke sie in ausländische hochliquide Obligationen, und zwar mehr als 50 Prozent in Staatsanleihen.“

    „Es ist völlig unklar, wie sich die Situation um die wichtigsten Reservewährungen weiter entwickelt“, fuhr seinerseits Tichomirow fort. „Diese Währungen sind sehr volatil geworden, und es bestehen zahlreiche geopolitische Risiken. Deshalb baut die Zentralbank den Anteil des Goldes an den Reserven aus.“

    Der Anteil des Goldes an den russischen Reserven beläuft sich aktuell auf 16 Prozent. Weltweit liege diese Zahl im Durchschnitt bei neun bzw. zehn Prozent, „und damit ist die Bank Russlands ein ziemlich konservativer Investor“, stellte man bei ACRA fest.

    Zum Thema:

    US-Notenbank Fed belässt Leitzins bei 1,0 bis 1,25 Prozent unverändert
    Politik der US Notenbank und ewige Werte: Wie hoch steigt der Goldpreis noch?
    Russlands Reserven auf dem Schirm der US-Geheimdienste
    Tags:
    Reserven, Analyse, Notenbank, Gold, Euro, Russland