13:13 03 April 2020
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    Falls die USA allzu aktiv zu Sanktionen gegen andere Länder greifen, könnte dies das Vertrauen zum Dollar untergraben, warnt ein russischer Experte, den die Onlinezeitung gazeta.ru zu dem Thema befragte.

    Wie gazeta.ru berichtet, wird die US-Sanktionspolitik derzeit auch in den Vereinigten Staaten selbst aktiv diskutiert. Dem Thema war etwa ein Seminar des Financial Service Volunteer Corps in New York gewidmet. Mit dabei war auch Iwan Timofejew, Programmdirektor der russischen Denkfabrik RIAC.

    Nun sagte Timofejew gegenüber der Onlinezeitung, die Sanktionspolitik werde in den USA als das kleinere Übel wahrgenommen, wenn die Diplomatie nicht funktioniere und ein Krieg unerwünscht bzw. unmöglich sei.

    Langfristig könnte ein Ausbau der Sanktionen jedoch, so Timofejew, das Vertrauen zum US-Dollar untergraben – ebenso wie zum faktisch US-geführten Weltfinanzsystem:

    „Die US-Sanktionen beruhen auf der dominierenden Rolle des Dollars. In diesem Zusammenhang kommt bei jenen Ländern, die finanzielle Risiken durch mögliche neue US-Sanktionen kalkulieren, die Frage auf: ‚Sollten wir uns vielleicht auf Nummer Sicher gehen?‘“

    Vor diesem Hintergrund könne die Nachfrage nach „alternativen Finanzsystemen“ weltweit zunehmen – wenn auch unausgesprochen. Im Zentrum dieser Diskussion stehe China mit seinen Wirtschaftskapazitäten, so der Experte weiter.

    Im August hatten die USA einigen chinesischen Unternehmen vorgeworfen, die UN-Restriktionen gegen Nordkorea zu ignorieren. Im September sagte US-Finanzminister Steven Mnuchin nach Angaben von gazeta.ru:

    „Falls China nicht den UN-Sanktionen folgt, werden wir zusätzliche Sanktionen gegen die Chinesen einführen und den Zugang zum amerikanischen und internationalen Dollar-System verweigern.“

    Im Oktober griff US-Präsident Donald Trump das Thema Sanktionen wieder auf – diesmal gegen den Iran. Er plädierte für neue Restriktionen gegen dieses Land, weil der zuvor geschlossene Atom-Deal aus seiner Sicht kaum funktioniert.

    Auch Russland wurde wegen seines Vorgehens in Sachen Ukraine mit US-Sanktionen belegt. Allerdings befinden sich diese Sanktionen laut Timofejew „an der Peripherie der Aufmerksamkeit des US-Business“, denn die wirtschaftliche Kooperation zwischen Russland und den Vereinigten Staaten ist relativ gering.

    Trotzdem lassen sich auch diese Sanktionen nach Ansicht des Experten in einen allgemeinen Trend einbetten: „Falls die Zahl der mit Sanktionen belegten Länder zunimmt, werden die Risiken für das internationale Finanzsystem ebenfalls steigen.“

    Gazeta.ru kommentiert: „Jedenfalls schüren die Sanktionen die Ungewissheit für das Business und erhöhen den Preis des Risikos. Deshalb erwarten die Geschäftsleute von den US-Behörden eine äußerst vorsichtige und genau justierte Politik – und kein ‚Flächenbombardement‘ mit Sanktionen.“

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    Schaden, Risiken, Dollar, Sanktionen, US-Finanzministerium, Steven Mnuchin, Donald Trump, Iran, Nordkorea, USA