01:52 27 Januar 2020
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    Die seit Anfang der 2000er Jahre laufende Afghanistan-Kampagne wurde für die US-Militärmaschinerie zur wahren Belastungsprobe. Das einst für einen umfassenden Krieg gegen die Sowjetunion gebildete Kontingent ist den kompakten und mobilen terroristischen Gruppierungen in Zentralasien nicht gewachsen, so die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

    Das Pentagon musste umgehend reagieren: seine Militärdoktrin modernisieren, nach neuen Verbündeten suchen und – was ebenfalls äußerst wichtig war – neue Typen von Waffen bzw. Militärtechnik entwickeln. Unter anderem ging es um bemannte bzw. unbemannte Lenkluftschiffe, die bei diversen Aufklärungsoperationen eingesetzt werden sollten.

    Auftraggeber waren die US-Luftstreitkräfte. Das für sie entwickelte Modell bekam den Namen „Blue Devil 2“. Ein entsprechender Vertrag wurde mit der ziemlich jungen Firma Mav6 LLC unterzeichnet, deren Exekutivdirektor der frühere stellvertretende Befehlshaber der US-Fliegerkräfte, David Deptula, war. Das Unternehmen übernahm die Entwicklung des Luftschiffs und dessen Ausrüstung mit Radaranlagen, Tages- und Nachtsichtkameras, Funksystemen, elektronischen Aufklärungsanlagen usw.

    Ursprünglich waren für dieses Projekt 86,2 Millionen Dollar vorgesehen, mit der Zeit erreichte diese Zahl aber 211 Millionen Dollar. Als Basis sollte das 112 Meter lange Luftschiff des Typs Polar 1000 der Firma TCOM dienen, das ein Volumen von 39.200 Kubikmetern und eine Flughöhe von maximal sechs Kilometern hatte. Eine der Anforderungen des US-Verteidigungsministeriums war beispielsweise, dass das Luftschiff mindestens eine Woche lang in dieser Höhe bleiben und sowohl von einem Piloten als auch von der Erde aus gelenkt werden könnte.

    Planmäßig hätte der erste Prototyp „Blue Devil 2“ im September 2011 fertig sein und im Oktober zum ersten Mal abheben sollen. Für 2012 waren seine Tests unter Gefechtsbedingungen in Afghanistan angesetzt. Aber bei der Entwicklung des Luftschiffs kamen viele technische Probleme zutage, die vor allem auf diverse Fehler bei seiner Entwicklung sowie auf die Unfähigkeit des Auftragnehmers, die angegebenen Parameter einzuhalten, zurückzuführen waren.

    Der erste Flug des Aufklärungsluftschiffs musste auf April 2012 verschoben werden, aber dann stellte sich plötzlich heraus, dass sich der Preis vervierfacht hatte. Mit seinen Perspektiven wurde alles klar: Im Juni 2012 wurde dieses Projekt ohne weiteres geschlossen.

    Aber das war noch nicht alles. Zwei Jahre später wurde bekannt, dass das Kommando der US-Luftstreitkräfte General Deptula, der einst zu den Entwicklern des Einsatzes „Desert Storm“ gehört hatte, nach einer internen Ermittlung verboten hatte, an jeglichen staatlichen Rüstungsprogrammen als Auftragnehmer oder Berater teilzunehmen. Der Grund war ganz einfach: Trotz der Entscheidung des höchsten Kommandos zur Schließung des Projekts versuchte er, dies dank seiner zahlreichen Kontakte zu verhindern.

    Andererseits hatte der General Glück im Unglück, wenn man bedenkt, dass auf seinem Computer im Rahmen der Ermittlungen 125 dienstliche Dokumente entdeckt wurden, die er illegal gespeichert haben soll, unter anderem zehn „vertrauliche“, 14 „streng vertrauliche“ und sogar ein Dokument mit höchstem Grad an Vertraulichkeit. Der General behauptete, davon nichts gewusst zu haben, und… man glaubte ihm auf einmal, so dass Deptula nur dafür bestraft wurde, dass er zu aufdringlich die Interessen seiner Firma lobbyiert hatte.

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    Korruption, Fiasko, Entwicklung, Aufklärungsjet, Pentagon, Afghanistan, USA