08:38 25 November 2017
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    EU-Unterstützer vor dem britischen Parlament (Archivbild)

    London wird Wirtschafsboom bei Brexit-Verzicht prophezeit

    © AP Photo/ Matt Dunham
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    Nesawissimaja Gaseta
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    London wird im Fall eines Verzichts auf den Brexit wesentlich profitieren können, wie die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch unter Berufung auf den jüngsten Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schreibt.

    Aus dem Dokument geht unter anderem hervor, dass das Vereinigte Königreich bis zu 1,5 Prozent seines BIP verlieren könnte, falls es die EU 2019 verlassen würde, ohne im Voraus den entsprechenden Wirtschaftsdeal vereinbart zu haben. „Der spontane Bruch in den Beziehungen der EU und Großbritanniens würde (…) negative Folgen für die Finanzmärkte haben, zum Einsturz des Pfunds und zu einer negativen Neubewertung des souveränen Ratings dieses Landes führen“, warnen die OECD-Experten.

    Kurzfristig prognostizieren sie, dass das Wirtschaftswachstum auf der Insel im kommenden Jahr bei einem Prozent des BIP (um 0,6 Prozent weniger als 2017) liegen würde. Die Arbeitslosigkeit würde um 0,3 Prozent auf 4,8 Prozent steigen.

    Zu den negativen Momenten des Brexits würden auch „ein Rückgang von Investitionen, steigende Preise und eine Senkung des Konsumniveaus gehören“. Angesichts dessen rufen die Branchenkenner London auf, möglichst enge Wirtschaftskontakte zur EU auch nach der für 2019 geplanten „Scheidung“ aufrechtzuerhalten.

    Und sollten sich die Behörden in London doch für den weiteren Verbleib in der Union entscheiden, so würde das der britischen Wirtschaft im Allgemeinen gut tun.

    Darüber hinaus warnen die OECD-Experten, dass der Brexit eines der wichtigsten Probleme der britischen Wirtschaft mehren würde, und zwar die geringe Produktivität der Arbeitskräfte, die schon seit 2010 nicht mehr wachse und in den letzten sechs Monaten laut der „Financial Times“ um 0,6 Prozent zurückgegangen ist.

    Das könnte seinerseits zur Reduzierung der Direktinvestitionen aus dem Ausland führen. Laut der britischen Statistikbehörde betrug der positive Unterschied zwischen der Kapitalflucht und dem Kapitalzufluss in den ersten sechs Monaten des vorigen Jahres 120 Milliarden Pfund. Im zweiten Halbjahr war der Unterschied schon negativ und belief sich auf 25 Milliarden Pfund.

    Das britische Schatzamt fand allerdings die OECD-Prognose viel zu pessimistisch und gab zu verstehen, dass London die Brexit-Idee nicht aufgeben werde.

    „Wir bemühen uns um einen maximal günstigen Freihandelsdeal mit der EU“, sagte der Kanzler des Schatzamtes, Philip Hammond. Nach seinen Worten sind für London die Gespräche mit Brüssel über die Übergangszeit, für die der aktuelle Status quo in den gegenseitigen Beziehungen nach dem Ausstieg aus der Union auf Eis gelegt würde, eine der Prioritäten. „Wir verstehen, dass die Vereinbarung der Übergangszeit kalkulierbare und stabile Bedingungen für die britischen Unternehmenskreise schaffen würde. Diese Stabilität würde die Investitionen induzieren und die Produktionseffizienz fördern“, so Hammond.

    Viele Umfragen zeugen inzwischen davon, dass die Briten an dem Kurs ihrer Regierung zweifeln. So ergab eine Studie von YouGov im Auftrag der „Times“, dass 53 Prozent der Inselbewohner die Entscheidung für den „Brexit“ für einen Fehler halten.  Und laut der jüngsten Umfrage von OBR kritisieren 61 Prozent der Briten die Vorgehensweise der Premierministerin Theresa May bei den Brexit-Verhandlungen.

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    Tags:
    Prognose, Kapitalzufluss, BIP, Arbeitslosigkeit, Brexit, OECD, Großbritannien
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