21:15 24 November 2017
SNA Radio
    Auftauchen-Manöver des Atom-U-Bootes russischer Nordflotte (Archivbild)

    Russland auf Antwortsuche auf „Prompt Global Strike”-Strategie der USA

    © Foto: Verteidigungsministerium Russlands
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Nesawissimaja Gaseta
    1765221775

    Russlands Atom-U-Boote bereiten sich auf großangelegte Starts fortschrittlicher ballistischer Raketen vor, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    Russlands Seestreitkräfte werden in der nächsten Zeit eine Reihe von Raketenstarts von Atom-U-Booten der Nord- und Pazifik-Flotte beginnen. In der Postsowjetzeit wurden solche Starts der Kriegsflotte bereits durchgeführt. Doch jetzt zeigt plötzlich der Westen Besorgnis über ihre Durchführung.

    Anlass dafür wurden die Informationen der US-amerikanischen National Geospatial-Intelligence Agency (NGA), die unter Berufung auf russische Quellen behauptet, dass bis zum 30. Oktober wegen Raketenstarts mehrere Gebiete für die Schifffahrt in der Barentssee und Karasee sowie vor der Ostküste der Halbinsel Kanin gesperrt werden.

    Dass die Schifffahrt in der Nordostpassage eingeschränkt wird, ist an sich nicht ungewöhnlich. Das passiert auch wegen Unwetter. Zudem hält Russland die Nordostpassage für sein eigenes Territorium und hat deshalb das Recht, eigene Bedingungen zu diktieren. Dabei sind nahezu gleichzeitige Raketenstarts von strategischen Raketenträgern der Marine, die sowohl vom Norden als auch vom Osten des Eurasischen Kontinents erwartet werden, tatsächlich ein ungewöhnliches Ereignis.

    Die letzten solchen Starts fanden 2009 statt. Damals wurden vor dem Hintergrund der Probleme mit den Tests der neuen Bulawa-Raketen für U-Boote des Projekts 955 die Kampfmöglichkeiten der sowjetischen Raketenträger des Projekts 667BDRM in der Nordflotte und Pazifikflotte geprüft.

    Wie der Leiter des Staatlichen zentralen Geländes des russischen Verteidigungsministeriums, Generalmajor Oleg Kislow, vor wenigen Tagen betonte, werden in Russland aussichtsreiche Elemente der Luft- und Weltraumabwehr sowie der Systeme der Kampfausstattung für Raketenkomplexe für die strategischen Raketentruppen und die Marine getestet. Es werden unter anderem moderne Waffen mit neuen physikalischen Prinzipien getestet.

    Sie erfolgen auf Geländen auf dem Boden und unmittelbar im Meer von Schiffen und U-Booten. Wichtig sind dabei vor allem Unterwasser-Starts. Atom-U-Boote sind schwer zu orten, die Raketenstarts gegen einen wahrscheinlichen Gegner können auch aus dem russischen Gewässer unter Deckung der russischen Truppen und Kräfte versetzt werden.

    Das russische Militärkommando kündigte bereits experimentelle Starts in diesem Bereich an. Im Sommer wurde vom U-Boot Juri Dolgoruki (Projekt 955 Borej) bereits ein erfolgreicher Start in der Barentssee auf das Gelände Kura auf der Kamtschatka-Halbinsel absolviert. Medienangaben zufolge plant Russland bis zum Jahresende einige Starts ballistischer Interkontinentalraketen.

    Es ist sehr wahrscheinlich, dass die experimentellen Starts der Bulawa-Raketen fortgesetzt werden. Experten zufolge kann diese neueste Drei-Stufen-Feststoffrakete einige individuell lenkbare Hyperschall-Atom-Gefechtsköpfe tragen. Das Verteidigungsministerium verheimlicht nicht, dass sie den Kern der aussichtsreichen Gruppierung der strategischen Atomkräfte Russlands 2040-2045 bilden werden. Doch die Zahl der U-Boote, die mit Bulawa-Raketen ausgerüstet werden, wird bis 2020 nicht groß sein (acht Einheiten). Jedes von ihnen kann jeweils 16 Raketen dieses Typs tragen. Experten zufolge würde eine solche Zahl kaum für eine garantierte Verteidigung ausreichen.

    Anscheinend deswegen werden neben Bulawa-Raketen auch andere Raketen-Typen modernisiert, darunter die flüssigkeitsbetriebene Interkontinentalrakete Sinewa. Parallel erfolgt die Produktion und Modernisierung der Feststoff-Rakete Bulawa für modernere U-Boote des Borej-Projekts.

    Die Tests der Systeme der Luft- und Weltraumverteidigung sowie der Raketenkomplexe der strategischen Raketentruppen und Kriegsflotte, von denen viele zu den strategischen Atomkräften gehören, sind heute eine erzwungene Maßnahme für Russland angesichts der Schritte der potenziellen Gegner.

    Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums begann das Pentagon bei der Realisierung des Konzeptes einer gemeinsamen Nutzung der Offensiv- und Defensivwaffen mit der Umsetzung der „Prompt Global Strike”-Strategie.

    Laut dem Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Alexander Jemeljanow, ist das ein weiterer Faktor, der das Streben Washingtons bestätigt, das Gleichgewicht zu zerstören und die globale strategische Dominanz in der Welt zu gewährleisten. Russland müsse darauf reagieren.

    Zum Thema:

    Moskau für neuen Ansatz bei nuklearer Abrüstung – Alle Atommächte einschließen
    Nuklearer „Fürst“ soll Russland bei Abschreckung auf Hochsee helfen
    Atomkrieg rückt näher
    Tags:
    Atomwaffen, Konflikt, Flotte, Raketentest, Atom-U-Boot, Prompt Global Strike, U-Boot Juri Dolgoruki, Borej (U-Boot), Bulawa-Rakete, Verteidigungsministerium Russlands, Nordflotte Russlands, Barentssee, USA, Russland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren