12:31 15 Dezember 2019
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    Vertreter der Demokratischen Kräfte Syriens nach der Befreiung von Rakka (Archivbild)

    Kurden befreien Rakka zwecks Zugang zum Öl

    © REUTERS / Erik De Castro
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    Die von der US-geführten Koalition unterstützten syrischen Oppositionskräfte werden zum größten Hindernis bei Moskaus Friedensinitiativen zur Regelung der Situation in Syrien, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

    Als Antwort auf die vom russischen Präsidenten Wladimir Putin vor einigen Tagen angekündigte Idee zur Schaffung eines Kongresses der Völker Syriens in diesem Land haben mehrere Oppositionsgruppierungen in der von den USA kontrollierten Zone im Süden der Provinz Homs ihre Unabhängigkeit von Damaskus erklärt.

    Ähnlich äußerten sich zuvor Vertreter der Demokratischen Kräfte Syriens, die mit Unterstützung der proamerikanischen Koalition mehr als ein Drittel des Territoriums im Osten der Republik einnehmen. Putin sagte bei einer Gesprächsrunde des Diskussionsklubs Waldai, dass nach der Niederschlagung der Terroristen in Syrien auf Basis der eingerichteten Deeskalationszonen aktive Schritte zur politischen Regelung der Situation unternommen werden müssen.

    „Wir hoffen, zur nächsten Etappe überzugehen“, sagte Putin. „Es gibt die Idee, einen Kongress der Völker Syriens zu schaffen, am dem alle ethnischen und religiösen Gruppen, Regierung und Opposition beteiligt sind.“

    Die Schaffung des Kongresses kann Putin zufolge ein wichtiger Schritt auf dem Wege der politischen Regelung sein, möglich ist auch die Vorbereitung einer neuen Verfassung des Landes. Laut Quellen der „Nesawissimaja Gaseta“ werden diese Ideen Ende Oktober bei einer weiteren Runde der Syrien-Verhandlungen in Astana besprochen. Diese Initiativen wurden bereits von der Türkei und dem Iran unterstützt.

    Das zeigen unter anderem die jüngsten Telefongespräche von Putin mit den Anführern dieser Länder sowie andere Kontakte Moskaus auf der diplomatischen und militärischen Ebene. Doch die US-Verbündeten aus der Koalition sowie die von ihnen unterstützten Gruppierungen haben anscheinend eigene Pläne in Bezug auf den künftigen Aufbau des Landes. Es handelt sich dabei um die Fortsetzung des bewaffneten Kampfes gegen Damaskus.

    Die Extremisten der Freien Syrischen Armee, die nahe des vom Pentagon kontrollierten Grenzpostens at-Tanf stationiert sind, erklärten am Sonntag auf Twitter die Bereitschaft, gegen die Regierungstruppen zu kämpfen, um die Gebiete der Enklave zu verteidigen, wo sie sich befinden.

    Laut arabischen Quellen wird in der US-Militärführung aktiv die Frage erörtert, wie den Erfolgen der syrischen Regierungstruppen in der Provinz Deir ez-Zor Widerstand geleistet werden kann. Ein Schritt könnte die Schaffung eines US-Stützpunktes in Abu Kamal an der Grenze zum Irak sein. Gerade in diese Richtung bewegen sich derzeit Assad-Truppen mit Unterstützung der russischen Fliegerkräfte den Euphrat entlang.

    Fast in derselben Richtung rücken östlich des Euphrat Extremisten der Selbstverteidigungskräfte SDF (vor allem Kurden) vor. Mit ihrer Hilfe wollen die USA sowohl nahe at-Tanf als auch in Abu Kamal eine Flugsperrzone einrichten und Extremisten der unversöhnlichen Opposition ausbilden. Zu diesem Ziel werden Flüchtlingslager als Tarnung genutzt.

    In Abu Kamal sowie in dem nördlich befindlichen Al Qaim sind jetzt fast alle Kräfte der IS-Extremisten konzentriert, die sich aus Rakka und Deir ez-Zor sowie aus dem Irak zurückgezogen haben. Das sind wichtige Verkehrsknotenpunkte, die die letzten Stellungen der IS-Extremisten in Syrien und im Irak verbinden. Dorthin begaben sich wegen der Flächenbombardements der US-Koalition auch Flüchtlinge. Es entsteht der Eindruck, dass die USA speziell Voraussetzungen für einen Flüchtlingsstrom aus Rakka schufen, um die Flüchtlinge dann als Schutzschild in Abu Kamal zu nutzen.

    Wie der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Sonntag mitteilte, ereilte Rakka das Schicksal von Dresden 1945, das durch britisch-amerikanische Bombenangriffe ausradiert wurde. Vor dem Krieg lebten in Rakka rund 200.000 Menschen, zu Beginn der fünfmonatigen Operation der Koalition waren es nicht mehr als 45.000. Selbst nach der Einnahme Rakkas durch SDF-Kräfte dauert die Flucht an. Das Portal Qadioun Net berichtete unter Berufung auf den Chef des kommunalen Rats Rakkas, dass die Stadt nun von neuen Eroberern besetzt sei, nämlich den SDF, deren Grundlage kurdische Einheiten bilden.

    „Falls die Kurden Abu Kamal früher als die Assad-Truppen ergreifen, ist die US-Schutzherrschaft über die Gebiete um die Ölfelder sehr wahrscheinlich“, sagt Militärexperte und Oberst Eduard Rodjukow. „Damaskus rief mehrmals dazu auf, die Handlungen der US-geführten Koalition auf seinem Territorium zu stoppen. Nach dem Sieg über den IS werden diese Forderungen noch aktueller. Hoffentlich werden Abu Kamal sowie andere wichtige Gebiete Syriens von Assads Truppen mit Unterstützung der russischen Fliegerkräfte befreit.“

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    Tags:
    Öl, Befreiung, Kurden, Wladimir Putin, Türkei, Syrien, USA, Russland