02:39 20 November 2019
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    Bau der Gaspipeline Turkish Stream (Archivbild)

    Moskau-Ankara: Tomaten gegen Turkish Stream

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    Am 1. November könnten die türkischen Tomatenlieferungen nach Russland wiederaufgenommen werden, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

    Die entsprechende Entscheidung wurde Ende der vorigen Woche in einer Sitzung der russisch-türkischen Regierungskommission für Handels- bzw. Wirtschaftskooperation in Kasan getroffen.

    Wie der russische Co-Vorsitzende der Kommission, Energieminister Alexander Nowak, mitteilte, waren dabei die Perspektiven für die Abschaffung des Verbots von Tomatenlieferungen nach Russland in einer Höhe von 50.000 Tonnen besprochen worden.

    „Diese Entscheidung wurde vorbereitet – die Lieferungen könnten am 1. November wiederaufgenommen werden“, betonte er. Ob der entsprechende Beschluss aber offiziell gefasst wird, hänge unter anderem „von den Handlungen unserer Kollegen zur Aufhebung der bürokratischen Hürden ab“, ergänzte Nowak.

    Gleichzeitig werden die Beratungen über die Abschaffung von Beschränkungen für russische Geflügel- und Rindfleischlieferungen in die Türkei fortgesetzt, sagte der Co-Vorsitzende der Kommission weiter. Die türkische Seite zeige zwar die Bereitschaft dazu, aber konkrete Fristen stünden noch nicht fest.

    Im Energiebereich haben die Seiten über die baldmöglichste Vereinbarung eines Protokolls zum Bau des Festlandteils des zweiten Strangs der Gasleitung Turkish Stream verhandelt, teilte Nowak weiter mit. „Unsere türkischen Partner haben versprochen, dass diese Arbeit intensiv geführt wird. Hoffentlich werden sie diese Fragen bis Ende dieses Jahres absprechen.“

    Der türkische Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci informierte seinerseits, dass Moskau und Ankara darüber hinaus über mögliche gegenseitige Abrechnungen in ihren Nationalwährungen verhandeln. Weiter bitten türkische Verkehrsunternehmen Moskau nach seinen Worten um die Abschaffung der Visapflicht für ihre LKW-Fahrer, damit der Handelsumsatz intensiviert werden kann.

    Allerdings zeigen beide Seiten damit nur ihre Absichten – endgültige Entscheidungen wurden noch nicht getroffen. Kennzeichnend ist in diesem Kontext die Situation um den zweiten Turkish-Stream-Strang. Nowak zufolge ist dieses Projekt noch nicht vereinbart worden, in Moskau rechnet man nur damit, dass Ankara bis Ende dieses Jahres die endgültige Entscheidung treffen wird.

    Russlands Präsident Wladimir Putin (R) und sein Kollege aus der Türkei Recep Tayyip Erdogan (Archivbild)
    © Sputnik / Michail Klementjew
    Das bedeutet allerdings, dass die Investitionen in die Bauarbeiten, die Russland bereits begonnen hat, wenigstens theoretisch in Gefahr sind. Denn je teurer das Projekt wird, desto mehr könnte Moskau im Falle eines neuen Sinneswandels in Ankara verlieren.

    Es geht nämlich um den Bau von zwei Strängen der Pipeline mit einer Kapazität von je 15,75 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Der erste Strang soll planmäßig im März 2018 in Betrieb genommen werden, dieses Gas wäre für türkische Verbraucher bestimmt. Der zweite Strang soll 2019 gebaut werden, und dieses Gas soll unter Umgehung der Ukraine nach Südeuropa befördert werden.

    Allerdings wird in Medien darüber spekuliert, dass das Verlegeschiff „Pioneering Spirit“ den ersten Pipelinezweig bis zur türkischen Wirtschaftszone gebaut hätte und nach Noworossijsk zurückgekehrt sei.

    Noch mehr Fragen entstehen im Kontext der Situation im Iran. „Mit dem Iran ist ein wichtiger Teil der geheimen Verhandlungen über Turkish Stream verbunden“, behauptete unlängst die Website Iran.ru. „Die Türken wollen Gazprom nicht das Monopolrecht auf die Füllung der Pipeline überlassen. Damit das Projekt zustande kommt, sollte es auch mit Gas aus Katar und dem Iran gefüllt werden. Das ist die Bedingung Ankaras.“

    Als Russland und die Türkei vor einem Jahr das Turkish-Stream-Abkommen unterzeichnet hatten, begrüßte man in Teheran diese Einigung. „Der Iran hat hervorragende Beziehungen mit Russland, und wir haben gute Perspektiven für Gaslieferungen weltweit“, sagte damals ein iranischer Regierungssprecher. Nach seinen Worten brauchen viele regionale Länder das iranische Gas. „Deshalb müssen wir uns um die nötige Infrastruktur bemühen. Möglicherweise wird sich unsere Regierung mit der türkischen über einen Ausbau der Gaslieferungen in die Türkei bzw. durch die Türkei nach Europa einigen, doch diese Frage hängt von der politischen Lage ab.“

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    Tags:
    Handel, Tomaten, Gaslieferung, Gasprojekt Türkish Stream, Alexander Nowak, Iran, Türkei, Russland