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02:41 16 Oktober 2019
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    Türkische Nationalflagge auf einem Grenzpunkt nahe syrischer Stadt Kobani

    Türkei setzt zur Besetzung von syrischem Teilgebiet an

    © REUTERS / Erik De Castro
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    Die Türkei hält sich nicht an die in Astana getroffenen Vereinbarungen zur Syrien-Regelung. Ihre Truppen in der syrischen Provinz Idlib beschäftigen sich nicht mit Friedensfestigung, sondern konzentrieren sich um die kurdische Stadt Afrin, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    Möglicherweise wird Anakara demnächst die Fortsetzung des Einsatzes „Euphrat-Schild“ verkünden, dessen Ziel die Liquidierung der kurdischen Autonomien im Norden Syriens war bzw. ist. Die Situation wird dadurch verkompliziert, dass Russland im September auf Vereinbarung mit den Behörden in Damaskus seine Militärpolizei in diese Gegend eingeführt hat, die dort die Einhaltung des Waffenstillstands kontrolliert.

    Die kurdische Nachrichtenagentur ANF News berichtete jüngst, dass die türkischen Kräfte das Dorf Iska unweit Afrins angegriffen hätten. Die Webseite Free-News informierte ihrerseits, dass protürkische Kämpfer in der Stadt Manbidsch im Nordosten von Aleppo vorgehen würden.

    Dieses Territorium kontrolliert das kurdische Volksheer, das die Unterstützung der von den USA angeführten Koalition genießt, was sich Ankara aber nicht gefallen lässt. Laut Medienberichten haben türkische Flugzeuge dort Flugblätter abgeworfen, in denen die Einwohner vor verschiedenen Gefahren gewarnt und informiert wurden, dass die Türkei die Stadt „um jeden Preis erobert wird“.

    Dass Ankara Pläne zur weiteren Besatzung der nördlichen Gebiete Syriens hegt, bestätigte auch die jüngste Erklärung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Nach seinen Worten haben seine Kräfte „ihre Aufgaben im syrischen Idlib erfüllt und sind bereit, einen Schlag gegen die kurdische Enklave Afrin zu versetzen“.

    Damaskus warf neulich Ankara abermals die Besatzung des syrischen Territoriums vor und verlangte den Abzug der türkischen Truppen. Die russische militärpolitische Führung machte vorerst keine offiziellen Erklärungen bezüglich des Vorgehens Ankaras.

    Auch die Amerikaner schweigen. Einerseits „übersehen“ sie die Aktivitäten der Türken, andererseits aber unterstützen sie die Kurden, die die Basis der Kräfte bilden, die wichtige Öl- und Gasfelder in der Provinz Deir ez-Zor erobern.

    Für Syrien sowie Russland und den Iran, die auf seiner Seite stehen, ist diese Situation äußerst ungünstig Denn falls die Türkei einen Krieg gegen die Kurden beginnt, müsste sich die syrische Regierungsarmee einmischen, was aber die Befreiung Deir ez-Zors von Terroristen behindern würde. Außerdem würden die USA die Möglichkeit bekommen, einen neuen Stützpunkt bei Abu Kemal einzurichten, das eine große strategische Bedeutung hat.

    „Ich hoffe, dass schiitische Kräfte aus dem Irak Abu Kemal als erste erreichen, wo sie sich mit den ähnlichen Kräften vereinigen, die gemeinsam mit der Armee von Baschar Assad vorgehen“, sagte der russische Militärexperte Eduard Rodjukow. „Dann würden diese Kräfte den möglichen Einfluss der USA in diesem Gebiet neutralisieren. Und Moskau könnte gemeinsam mit dem Iran und möglicherweise auch mit der Türkei Damaskus unterstützen und Syriens Zerfall verhindern.“

    Moskau habe Möglichkeiten, diese Situation zu verbessern, falls es auf diplomatischen und auch anderen Wegen Erdogan beeinflusse, damit dieser seine Pläne aufgebe und sich weiter an der Friedensstiftung in Idlib beteilige, zeigte sich der Experte Alexander Owtschinnikow überzeugt. Zugleich verwies er darauf, dass in Astana in wenigen Tagen die nächste Runde der Syrien-Gespräche stattfinde, an denen sich Russland, die Türkei und der Iran beteiligen werden. „Bei diesen Beratungen werden die Vertreter der Konfliktseiten hoffentlich eine gemeinsame Sprache finden und die Wege zur weiteren Regelung der Situation in Syrien bestimmen.“

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    Tags:
    Konflikt, Krieg, Truppenentsendung, Kurden, Recep Tayyip Erdogan, Deir ez-Zor, USA, Aleppo, Idlib, Russland, Syrien, Türkei