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    Entlandung der Kohle im Hafen Odessa, Ukraine (Archiv)

    Ukraine friert und bleibt auf russische Energielieferungen angewiesen

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    Nesawissimaja Gaseta
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    Die Ukraine blickt der herannahenden Heizsaison mit Sorgen entgegen. Die Reserven an Kohle, mit der Wärme und Strom erzeugt werden, sind kritisch niedrig, schreibt die russische Tageszeitung "Nesawissimaja Gaseta" unter Berufung auf den ukrainischen TV-Sender Nowin 24.

    „Die Außentemperaturen liegen bei plus zwei Grad Celsius, während etwa 20 Prozent der Wohnhäuser in der Hauptstadt Kiew nicht geheizt werden. Was passiert denn, sollte der Winter kälter werden als sonst?“, fragt der Sender.

    „In Depots ukrainischer Wärmekraftwerke sind rund 1,1 Millionen Tonnen Kohle eingelagert, das ist äußerst wenig. Wir hatten vor dem Wintereinbruch bislang nie derart geringe Reserven gehabt“, beklagt der ukrainische Ex-Energieminister Iwan Platschkow. Experten zufolge mangelt es der Ukraine zurzeit an mindestens zwei Millionen Tonnen Kohle.

    In der Ex-Sowjetrepublik gibt es insgesamt rund 150 Kohlebergwerke. Zwischen 30 und 45 Zechen liegen auf den von Kiew kontrollierten Territorien. Dabei waren ukrainische Wärmekraftwerke ausgerechnet für den Typ der Kohle gebaut worden, die im Donbass gewonnen wird. Einfuhren dürften eine logische Lösung des Problems werden. Zugleich spielen die ukrainischen Behörden den politischen Aspekt aus, indem sie auf die Notwendigkeit hinweisen, auf russische Energieträger zu verzichten.

    Im September wurde im Hafen von Odessa im Beisein von Präsident Petro Poroschenko und Regierungschef Wladimir Groisman aus den USA verschiffte Kohle feierlich umgeschlagen. Sogar die Nationalhymne wurde intoniert, was allem Anschein nach symbolisieren sollte, dass es jetzt keine Probleme mit Kohle gibt und die Ukraine nicht mehr auf russische Energielieferungen angewiesen ist. Aber Ende Oktober stellte sich heraus, dass die Importe, darunter kostspielige wie aus den USA und Südafrika, den Bedarf nicht decken.

    Nach Angaben der ukrainischen Steuerbehörde entfielen 54,9 Prozent der in den ersten neun Monaten 2017 importierten Kohle auf Russland. Wertmäßig sind das 1,04 Milliarden US-Dollar. 25 Prozent (477,9 Millionen Dollar) kamen aus den USA und 6,1 Prozent (116,2 Millionen Dollar) aus Kanada. Der Wert der Kohlelieferungen aus anderen Ländern betrug 262,3 Millionen Dollar.

    Der Steuerbehörde zufolge erhöhten sich die Kohlelieferungen an die Ukraine im Berichtszeitraum um 90 Prozent, verglichen mit Januar-September 2016. Eine Tonne der in den beiden selbsternannten Republiken Donezk und Lugansk geförderten Kohle kostet im Durchschnitt 50 Dollar, während Kiew für eine Tonne amerikanischer Kohle aus der ersten Partie 113 Dollar zahlen musste. Südafrika verlangte 100 Dollar und Georgien 96,9 Dollar je Tonne.

    Experten hoffen darauf, dass sich die Situation von 2016 nicht wiederholen wird. Im Vorjahr hatte die ukrainische Seite Warnungen des russischen Konzerns Gazprom ignoriert und in ihre Speicher lediglich 14 Milliarden Kubikmeter Gas gepumpt bei einer minimal nötigen Menge von 17 Milliarden Kubikmeter. 

    In diesem Jahr setzt Kiew auf Erdgas. Die Ukraine ist auf das schlimmste Szenario gefasst und hat Gasreserven angelegt. Wenn Wärmekraftwerke die gesamte Kohle verfeuert haben, könnte die Ukraine Strom im benachbarten Weißrussland kaufen. Es geht aber nur um 200 Megawatt. Wenn auch diese Mengen nicht ausreichen, werden Kraftwerke auf Erdgas umgestellt werden müssen. In diesem Fall dürften die Strompreise um ein Mehrfaches steigen.

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    Lieferungen, Energie, Reserven, Angaben, Kohle, USA, Russland, Ukraine