10:58 18 September 2020
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    Der Beschluss der spanischen Behörden, in Katalonien die direkte Verwaltung aus Madrid einzuführen, hat die Konfrontation zwischen Anhängern und Gegnern der Unabhängigkeit Kataloniens kaum beendet, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag.

    Während sich Puigdemont weigert, sich dem Willen Madrids unterzuordnen, und zum „demokratischen Widerstand“ aufruft, fand in Barcelona am Sonntag eine Kundgebung zur Unterstützung der Einheit Spaniens mit Tausenden Teilnehmern statt, die die Festnahme Puigdemonts forderten.

    In einer Situation, wo in Katalonien de facto eine Doppelherrschaft entstanden ist und keine Chancen auf das Erreichen eines Kompromisses in Sicht sind, droht der Region ein Gewaltszenario.

    Puigdemont zeigt offen Illoyalität gegenüber Madrid, spricht von Illegitimität der Handlungen Madrids und ruft zum demokratischen Widerstand auf. Die Zeitung „El Pais“ berichtete unter Berufung auf Quellen aus der Zentralregierung, dass nun die Gerichtsorgane die neuen Verkündigungen Puigdemonts unter die Lupe nehmen sollen.

    Die Lage Puigdemonts ist auch aus dem Grund schwierig, dass er es nicht geschafft hat, die Führung der Sicherheitsstrukturen Kataloniens auf seine Seite zu ziehen, deren Position entscheidende Bedeutung haben kann.

    Die Gegner Puigdemonts erinnern inzwischen daran, dass die Ideen der Unabhängigkeit von einem bedeutenden Teil der katalanischen Gesellschaft nicht unterstützt werden. Am Sonntag fand in Barcelona eine der größten Protestaktionen der Gegner der Separatisten statt, die mit Flaggen Spaniens auf die Straßen gingen. Die Kundgebung stand unter den Mottos „Wir sind alle Katalonien“ und „Puigdemont muss ins Gefängnis!“.

    Die pro-spanische „Sociedad Civil Catalana (SCC)“ sprach von einer Million Teilnehmern, die Polizei von 300.000. Die Anhänger des einheitlichen Spaniens wurden von regionalen Abteilungen der regierenden Volkspartei, der Partei „Bürger“ sowie der Sozialistischen Partei Kataloniens unterstützt.

    Am vergangenen Freitag verließen die Vertreter dieser Parteien den Saal vor der Abstimmung im katalanischen Parlament zur Resolution über die Unabhängigkeit Kataloniens. Am Sonntag sicherten die Anführer dieser Parteien ihren Anhängern zu, dass die Ordnung in der Region wiederhergestellt wird. Die neuen Wahlen am 21. Dezember würden eine neue Etappe in der Geschichte Kataloniens kennzeichnen.

    Experten zufolge ist vor dem Hintergrund der Doppelherrschaft in Katalonien erstmals während der Krise ein Gewaltszenario möglich. „Sowohl für Spanien als auch für die EU ist das Gewaltszenario am gefährlichsten, das mit der Verabschiedung der Unabhängigkeitserklärung wahrscheinlicher wird. Die Anhänger der Abspaltung würden kaum auf die Teilnahme an den Neuwahlen eingehen, während Madrid auf diese Wahlen setzt, weil man damit rechnet, dass die meisten Wähler Kataloniens gegen die Separatisten stimmen werden“, sagte der Politologe Sergej Utkin.

    Ein Kompromiss sei kaum möglich, der entscheidende Faktor, der die Entwicklung bestimmen werde, würde das reale Niveau der Unterstützung Puigdemonts sein, so der Experte.

    „Für die EU wäre eine hypothetische Unabhängigkeit Kataloniens ein unerwünschter Präzedenzfall – sowohl in Spanien als auch in anderen EU-Ländern gibt es mehrere Regionen, die versuchen könnten, dem katalanischen Beispiel zu folgen, wobei der europäische politische Raum destabilisiert wird“, so der Experte.

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    Experte, Prognose, Gewalt, Polizei, Katalonien, Spanien