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05:17 24 Juli 2019
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    Bau der Pipeline Turkish Stream (Archiv)

    Turkish Stream-Poker: Erdogan sucht nach Russlands Schwachstellen

    © Foto: TurkStream
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Die russische Gaspipeline Turkish Stream wird zu einem Instrument der Erpressung, das von den türkischen Behörden gekonnt genutzt wird, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

    Ankara kann von Moskau fordern, das Verbot für den Bau der Transkaspischen Pipeline aufzuheben, über die turkmenisches Gas über die Türkei nach Europa fließen soll. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte direkt, dass die Türkei turkmenisches Gas durch das eigene Territorium nach Europa liefern will. Allerdings wehrt sich Russland seit mehreren Jahren gegen den Bau dieser Pipeline, weil das billige turkmenische Gas die würde.

    Der wirtschaftliche Waffenstillstand zwischen Russland und der Türkei kann kaum als endgültig bezeichnet werden. Es ist noch zu früh zu behaupten, dass die erfolgreiche Umsetzung des Projekts Turkish Stream nicht mehr in Gefahr ist.

    Die türkischen Behörden kokettieren mit gleich mehreren Exportländern. Ankara will die Beziehungen mit den Lieferanten wohl so ausbauen, dass sie alle von Ankara abhängig werden. Anscheinend bevorzugt die Türkei Methoden, bei denen schöne Versprechen und Erpressungsversuche einander ablösen.

    So berichtete Erdogan über ein hohes Interesse am Bau der Transanatolischen Pipeline (Tanap), die Aserbaidschan, Georgien, die Türkei und den Süden Europas verbinden soll.

    „Die Türkei steht unter den Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung nach dem Wachstum des Gasverbrauchs auf dem zweiten Platz nach China“, sagte Erdogan im Interview mit aserbaidschanischen Medien. Ihm zufolge hat die Tanap entscheidende Bedeutung für die Deckung des Gasbedarfs der Türkei.

    Doch das ist nicht der einzige Grund für das Interesse Ankaras. Die Transanatolische Pipeline würde ebenfalls ermöglichen, aus dem aserbaidschanischen Schach-Denis-Feld Gas nach Europa zu liefern.

    Erdogan machte gleich zwei Referenzen – gegenüber Aserbaidschan und gegenüber der EU. Ihm zufolge werden Lieferungen von aserbaidschanischem Gas auf den europäischen Markt einen bestimmten Beitrag zur Energiesicherheit Europas leisten. Zudem hob Erdogan hervor, dass die Türkei große Anstrengungen unternimmt, damit das turkmenische Gas ebenfalls Teil dieses Projektes wird.

    Erdogan erwähnte auch Russland. „Es werden entsprechende Arbeiten im Rahmen des Projekts Turkish Stream mit Russland fortgesetzt. Wir sind ebenfalls bereit, neue Projekte für den Gasexport aus dem östlichen Mittelmeergebiet und Irak zu besprechen.“

    Ihm zufolge ist die Diversifizierung der Gasquellen aus dem östlichen Mittelmeergebiet eine neue Alternative. „Die Türkei nimmt an allen Routen des Gasexports nach Europa teil, die sowohl aus finanzieller Sicht als auch in Bezug auf den kürzesten Weg vorteilhaft sind. Zur Verwandlung der Türkei in ein Energiezentrum werden wir die Investitionen in diesem Bereich fortsetzen“, sagte Erdogan.

    Nach diesem Interview bleiben viele Fragen offen. Die Hauptfrage ist das Schicksal von Turkish Stream.

    Ende Oktober fand in Kasan eine Sitzung der russisch-türkischen Zwischenregierungskommission statt. Wie der russische Energieminister Alexander Nowak mitteilte, besprachen die Seiten die Notwendigkeit der schnellstmöglichen Abstimmung eines Protokolls bis Jahresende, das den Bau des Festlandabschnitts des zweiten Strangs von Turkish Stream betrifft.

    Das Projekt wurde bislang nicht abgestimmt, die russischen Behörden rechnen damit, von der Türkei die endgültige Genehmigung zu bekommen. Doch anscheinend hat Ankara andere Projekte, die vorrangiger sind.

    Es stellt sich auch eine andere Frage – wie wird das turkmenische Gas in die Transanatolische Pipeline gelangen? Für einen solchen Transit ist der Bau der Transkaspischen Pipeline erforderlich, die Turkmenistan und Aserbaidschan verbinden und also Turkmenistan den Zugang zu europäischen Märkten unter Umgehung Russlands gewähren soll.

    Moskau nahm diese Variante sehr schmerzhaft wahr. Experten befürchteten, dass es im Falle einseitiger Versuche einzelner Länder, den Bau der Pipeline aufzunehmen, zu einem bewaffneten Konflikt kommen kann.

    Laut der EU, Aserbaidschan und Turkmenistan wird für die Verlegung der Pipeline durch das Kaspische Meer die Genehmigung der Länder ausreichen, auf deren Territorium sie verlaufen wird. Gegen diese Herangehensweise treten Russland und der Iran auf, die der Meinung sind, dass die Zustimmung aller fünf Anrainer-Staaten erforderlich ist.

    In dieser Situation kann die Türkei neue Schritte unternehmen, die Turkmenistan europäische Märkte und den Europäern die Diversifizierung der Lieferungen verspricht. Ankara kann von Moskau fordern, die Einwände gegen die Transkaspische Pipeline aufzuheben. Wie kann das geschehen? Durch das Kokettieren mit der Turkish-Stream-Pipeline, die von Ankara mal eingefroren, mal wiederbelebt wird. Ein ähnliches Instrument hat Ankara auch für den Iran, dem ebenfalls europäische Märkte versprochen werden.

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    Tags:
    Druck, Türkischer Strom, EU, Recep Tayyip Erdogan, Russland, Türkei