12:38 10 Juli 2020
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    US-Präsident Trump hat den Republikaner Jerome Powell für den Chefposten der Federal Reserve nominiert. Wird der 64-Jährige vom US-Kongress bestätigt, löst er die bisherige Fed-Vorsitzende Janet Yellen ab, deren erste Amtszeit als Notenbankchefin im Februar kommenden Jahres abläuft. Die Zeitung „Wedomosti“ berichtet.

    Er sei stolz darauf, den Vereinigten Staaten zu dienen, sagte Powell der Agentur „Bloomberg“, die die Zeitung zitiert.

    Nur kann der designierte Notenbankchef keinen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften vorweisen – wohl aber tiefgreifende Erfahrungen im Finanzsektor und im Staatsapparat: In den Achtzigerjahren war Powell als Rechtsanwalt und Investmentbanker tätig, später arbeitete er im US-Finanzministerium. Seit 2012 ist er Mitglied des Board of Governors – des Führungsgremiums der US-Zentralbank.

    Dass nun ein Jurist und kein Wirtschaftswissenschaftler den mächtigsten Posten in der Federal Reserve übernehmen könnte, ist aus Sicht von Experten nicht unbedingt nachteilig. Vielmehr könne Powell gültigen Wirtschaftsmodellen mit „gesunder Skepsis“ begegnen und bei seinen Entscheidungen die Meinung anerkannter Ökonomen berücksichtigen.

    „Ein Nicht-Ökonom kann die Vorzüge von Lehrmodellen anerkennen, ohne deren Sklave zu werden“, sagte Seth Carpenter, Volkswirt bei UBS, laut dem Blatt.

    Analysten erwarten, dass der neue Notenbankchef die moderate Geldpolitik seiner Vorgängerin fortsetzt. Janet Yellen übernahm den Fed-Vorsitz 2014 – als erste Frau auf diesem Posten. Seit Dezember 2015 hebt die US-Notenbank den Leitzins schrittweise an, heute bewegt er sich bei 1 bis 1,25 Prozent, mit der Aussicht auf weitere Anhebung im kommenden Dezember.

    Dass die Wahl auf Powell gefallen ist, könne auch mit der Erwartung zusammenhängen, er werde die Aufsichtspolitik der US-Zentralbank ändern, schreibt das Blatt. Denn manche Finanzexperten sprechen sich dafür aus, jene Regulierungsmaßnahmen zu lockern, die die Fed nach der Weltfinanzkrise in 2007 eingeführt hatte.

    Beispielsweise könnte Powell den US-Banken erlauben, wieder höhere Risiken mit ihrem Eigenkapital einzugehen als bislang zulässig. Auch könnten die Anforderungen an einen Stresstest der Banken gemildert werden. Insofern bringe Powell Eigenschaften mit, die Trump durchaus benötige, schreibt die Zeitung weiter.

    Powells Nominierung zum Notenbankchef wäre der erste Fall seit 1978, wenn der US-Präsident die amtierende Fed-Chefin nicht darum bittet, die zweite Amtszeit anzutreten. Trump kritisierte Janett Yelen während seines Wahlkampfs und warf ihr Kungelei mit dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama vor. Nach Yellens Ernennung zur Notenbankvorsitzenden äußerte sich Trump jedoch freundlicher über sie.

    Die Wahl Powells zum neuen Notenbankchef gilt indes als sicher. Zwar hatte es von den Republikanern einige Kritik an seiner Tätigkeit im Board of Governors gegeben, doch unterstützt der US-Finanzminister seine Kandidatur.

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    Tags:
    Wirtschaft, US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Jerome Powell, Janet Yellen, USA