Widgets Magazine
06:17 16 Oktober 2019
SNA Radio
    Donald Trump bei Verhandlungen mit dem chinesischen Premier Li Keqiang in Peking

    Trump besänftigt Chinesen mit versprochenen Milliardendeals

    © REUTERS / Jonathan Ernst
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    2406
    Abonnieren

    Der jüngste China-Besuch des US-Präsidenten Donald Trump endete mit der Unterzeichnung von Verträgen für insgesamt 250 Milliarden Dollar, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    Die amerikanischen Geschäftskreise sind in den Beziehungen mit dem Reich der Mitte mit vielen Momenten unzufrieden: Der Zugang zum chinesischen Markt bleibt ihnen großenteils verwehrt, so dass sie Joint Ventures mit den Chinesen bilden und ihnen eigene Technologien überlassen müssen.

    Amerikanische High-Tech-Unternehmen wie Facebook oder Google sind in China blockiert, und Autoriesen wie Ford oder GM dürfen ihre Fahrzeuge nicht selbstständig herstellen, sondern müssen das gemeinsam mit den Chinesen tun.

    Außerdem ist nicht zu übersehen, dass es bei den auf dem Gipfel getroffenen Vereinbarungen nicht um feste Verträge, sondern vor allem um Absichtserklärungen geht.

    Nach den Verhandlungen gaben Trump und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping eine gemeinsame Pressekonferenz, auf der die Journalisten aber keine einzige Frage stellen konnten. Allein aus den Erklärungen der Staatsoberhäupter konnte man schließen, worauf sie sich einigen konnten und worauf nicht.

    Im Kontext des Nordkorea-Problems zeigten sich Trump und Xi Jinping einverstanden, dass unverzügliche Maßnahmen zur Befreiung der Halbinsel von Atomwaffen ergriffen werden müssten. Trump forderte Peking zu entschlossenen Schritten auf, unter anderem zur Unterbrechung der Kontakte mit Pjöngjang im Bankwesen. Xi Jinping bestand jedoch darauf, dass zur Krisenregelung ein Dialog nötig sei. Allerdings bestätigte er, dass die Volksrepublik China die entsprechenden Resolutionen des UN-Sicherheitsrats erfüllen werde.

    Im Wirtschaftsbereich konnte Trump lediglich erreichen, dass sein chinesischer Amtskollege versprochen hat, die Gespräche fortzusetzen und die aktuellen Beschränkungen für US-Investitionen in China zu lockern. 

    Ein weiteres Gesprächsthema war die Situation im Südchinesischen Meer, wo die Volksrepublik mehrere Militärobjekte auf umstrittenen künstlichen Inseln errichtet hatte. Wie US-Außenminister Rex Tillerson dazu erklärte, bleibe Washingtons Position zu diesem Thema unverändert, sodass es weiterhin auf der Einhaltung des Prinzips der freien Schifffahrt bestehen werde. Das hat offenbar zu bedeuten, dass die Amerikaner auch künftig ihre Kriegsschiffe und Kampfjets in diesen Raum schicken werden. Allerdings sagte Xi Jinping auf der Pressekonferenz, dass der Pazifische Ozean groß genug sei und dass es dort genug Platz sowohl für chinesische als auch für amerikanische Schiffe gebe.

    Natürlich wurden auch die Situation im Sicherheitsbereich und die bilateralen Kontakte auf der militärischen Ebene erörtert. Es wurde angekündigt, dass US-Verteidigungsminister James Mattis bald China besuchen werde, während eine chinesische Delegation nach Amerika reisen wolle. Außerdem einigten sich die Staatsoberhäupter darauf, dass sie gemeinsam an Anti-Terror-Einsätzen im Nahen Osten und in Afghanistan teilnehmen werden.

    Der russische Orientalist Wassili Kaschin verwies darauf, dass die Militärkontakte der USA und Chinas eine große Bedeutung hätten, bedenkt man ihre Kontroversen zu vielen Fragen. Wenn die Chinesen von den USA gewisse Kompromisse verlangen, erweitern sie die Kontakte mit ihnen. Wenn sie mit dem Vorgehen der Amerikaner unzufrieden seien, würden solche Kontakte normalerweise eingeschränkt, betonte der Experte. Es habe schon mehrere solche Zyklen gegeben, und jetzt lasse sich eine Annäherung beobachten, denn Xi Jinping sei an positiven Arbeitsbeziehungen zu Trump interessiert. Für die Chinesen sei es wichtig, abzuwarten, bis die schweren Zeiten des harten innenpolitischen Kampfes in Amerika vorbei seien, und einen Handelskrieg mit Washington zu vermeiden, unterstrich Kaschin.

    Zu den möglichen Folgen der China-Reise Trumps für Russland sagte er, dass Besuche auf höchster Ebene fast immer in einer positiven Atmosphäre verlaufen würden. Denn falls etwas nicht vorbereitet worden sei, würden auch die Besuche verschoben. „Ich denke nicht, dass dieser Besuch Russland betrifft, zumal seine Ergebnisse nicht eindeutig sind. Vor kurzem hatte Tillerson Indien besucht und China dort hart kritisiert und sogar Indien zur gemeinsamen Eindämmung Chinas aufgerufen. Also kommt eine große Freundschaft zwischen China und den USA wohl nicht infrage“, stellte der Politologe fest.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Konflikt zwischen USA und China ist die größte Gefahr für Weltwirtschaft – Experte
    Darum können sich USA keine China-Sanktionen leisten – Experte
    US-Außenministerium ernennt China zu Amerikas Feind
    USA in die Falle eigener Denkweise getappt - Chinesisches Parlamentsmitglied
    Tags:
    Investitionen, Zusammenarbeit, Militärkontakte, Wirtschaft, Besuch, Xi Jinping, Donald Trump, Südchinesisches Meer, China, USA