02:33 23 November 2017
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    die Blockade von Jemen (Archiv)

    Riad lindert Blockade – Jemen schlittert in größte humanitäre Katastrophe der Welt

    © AP Photo/ Hani Mohammed
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    Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition hat am Wochenende die Blockade der Flughäfen in den jemenitischen Großstädten Aden und Seiyun aufgehoben, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag.

    Riad gewährte dieses Zugeständnis nach zahlreichen Aufrufen der internationalen Gemeinschaft, den Zugang für humanitäre Organisationen im Jemen dringend zu öffnen. WHO und UNO warnen, dass der Bürgerkrieg, die Cholera sowie der Mangel an Medikamenten, Wasser und Lebensmitteln zum Tod von Millionen Menschen führen können.

    Der Bürgerkrieg im Jemen brach bereits 2014 aus. 2015 erhielt der blutige Konflikt eine internationale Dimension – die Regierung wird von einer Militärkoalition mit Saudi-Arabien an der Spitze aus der Luft unterstützt. Nach WHO-Angaben kamen während des Konfliktes mehr als 8000 friedliche Einwohner ums Leben, mehr als drei Millionen mussten ihre Häuser verlassen.

    Die Situation spitzte sich zu, nachdem jemenitische Aufständische Anfang November eine ballistische Rakete mit einer Reichweite von 750 km in Richtung Riad abgefeuert hatten. Die Rakete wurde von der saudi-arabischen Flugabwehr abgefangen, die Splitter gingen nahe dem Flughafen Riad nieder, es gab keine Opfer. Die ausländische Militärkoalition betrachtete das Abfeuern der Rakete gegen Saudi-Arabien als Akt, der nicht nur die regionale, sondern auch die globale Sicherheit bedroht. Vor einer Woche kündigte Riad die Sperrung aller Flughäfen und Häfen Jemens an.

    Experten zufolge würde die Blockade seitens der Koalition einen humanitären Kollaps auslösen, der die Situation auf der gesamten Arabischen Halbinsel verändern und zerstörerischer als die Syrien-Krise sein könnte. „Aus der Sicht der Migrationskrise ist die Situation im Jemen ebenfalls kritisch. Hunderttausende Jemeniten versuchten in den ersten Monaten der Kriegshandlungen, in benachbarte Länder zu fliehen – Somalia, Dschibuti, Äthiopien, die jedoch ebenfalls in Not sind. Die reichen Golf-Länder, an die Jemen grenzt, Oman und Saudi-Arabien, bemühen sich, den Flüchtlingsstrom mit dem Bau von Flüchtlingslagern an der Grenze einzuschränken“, sagte der Orientalist Sergej Serebrow.

    Formell handelt es sich um eine vorübergehende Sperrung von Verkehrsknoten. Zudem hoben die Vertreter der Koalition mit Saudi-Arabien an der Spitze hervor, dass sie die Notwendigkeit in Betracht ziehen werden, die Ein- und Ausfuhr von humanitären Hilfsgütern zu gewährleisten. Allerdings berichteten humanitäre Agenturen der UNO, dass diese Absicht bereits in den ersten drei Tagen nach der Einführung der Blockade nicht erfüllt wurde.

    „Humanitäre Operationen im Jemen sind wegen des Beschlusses der internationalen Koalition mit Saudi-Arabien an der Spitze blockiert. Die Koalition forderte, dass der Verifizierungsmechanismus der UNO alle Handelsschiffe aufruft, die Häfen Hodeidah und Salif zu verlassen. Humanitäre Lieferungen per Luft sind ebenfalls seit gestern gestoppt“, sagte der Sprecher der UN-Verwaltung für die Koordinierung von humanitären Hilfsmaßnahmen, Jens Laerke.

    Wie UNICEF berichtete, würden die Kraftstoffvorräte im Lande bereits Ende November und die Medikamentenvorräte in zwei Wochen zu Ende gehen, falls die humanitären Hilfen nicht am Flughafen Sanaa ankämen.

    Humanitäre und Menschenrechtsorganisationen berichteten bereits vor zwei Jahren über eine kommende große humanitäre Krise im Jemen. Wegen eines starken Wachstums der Bevölkerung war Jemen vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise nicht imstande, sich vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs mit Lebensmitteln zu versorgen. Schon damals war ein Drittel der Bevölkerung vom Hunger bedroht.

    Im Juli 2015, fünf Monate nach Beginn der Militärintervention der Koalition, sagte der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Peter Maurer, dass die Lage im Jemen schlimmer ist als in Syrien nach fünf Jahren Krieg.

    Im Mai 2017 bezeichnete die UNO die Situation im Jemen als humanitäre Katastrophe. Nach Angaben der Organisation sind jetzt rund sieben Millionen Menschen am Rande des Hungers, 20 Millionen Jemeniten brauchen humanitäre Hilfe – bei einer Gesamtbevölkerung des Landes von 27 Mio. Menschen. Nach diesen Kennzahlen ist Jemen der größte Brandherd für humanitäre Katastrophen auf der Welt.

    Im Frühjahr brach im Jemen eine Cholera-Epidemie aus. Nach WHO-Angaben der vergangenen Woche wurden im Jemen seit Ende April rund 913.000 Fälle der Erkrankungen und mehr als 2000 Todesfälle festgestellt. Dabei empfangen Ärzte jeden Tag bis zu 30.000 neue Erkrankte. Der Kampf gegen die Epidemie wird durch einen katastrophalen Zustand des Gesundheitssystems erschwert.

    Ein Teil der Krankenhäuser im Lande funktioniert nicht mehr, in den funktionierenden Krankenhäusern ist der Mangel an Personal, Medikamenten, Desinfektionsmitteln und Kraftstoffen für die Stromerzeugung (im Lande gibt es keine zentrale Stromversorgung) deutlich zu spüren.

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    Tags:
    Konflikt, Blockade, humanitäre Katastrophe, Kollaps, Uno, Jemen, Saudi-Arabien
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