02:59 24 November 2017
SNA Radio
    Saudischer König Salman und der libanesische Ex-Premier al-Hariri bei Verhandlungen in Riad (Archivbild)

    Tauziehen um Libanon: Saudi-Arabien und Iran treten neuen Nahost-Konflikt los

    © REUTERS/ Saudi Press Agency
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Kommersant
    0 3311374

    Die Konfrontation zwischen Saudi-Arabien und dem Iran droht mit in einem neuen regionalen Konflikt im Libanon als Drittland zu eskalieren, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.

    Der Konflikt kann durch die Situation um den libanesischen Premier Saad Hariri provoziert werden, der sich seit seinem überraschend angekündigten Rücktritt am 4. November in Riad aufhält. Saad Hariri begründete seinen Rücktritt damit, dass sein Leben durch die im Libanon operierende proiranische Organisation Hisbollah bedroht wird. Zudem forderte er von der Hisbollah, die Einmischung in regionale Konflikte zu unterlassen – vor allem im Jemen und in Syrien. Beirut schließt nicht aus, dass der Regierungschef in Riad gewaltsam festgehalten wird, das zusammen mit arabischen Verbündeten und Israel einen Vorwand für einen Angriff auf die Hisbollah und den Iran sucht.

    Die Situation um den libanesischen Premier Saad Hariri, der sich am 3. November zu einem Arbeitsbesuch nach Riad begab und seitdem nicht abgereist ist, wird immer verwirrender. Die jüngste Verkündigung des saudi-arabischen Botschafters in der UNO, Abdullah al-Muallimi, der die Vorwürfe, dass saudi-arabische Behörden den libanesischen Regierungschef gewaltsam festhalten, als absurd bezeichnete, festigte nur den Verdacht, dass sich Hariri nicht freiwillig in Riad befindet.

    Hariri sieht in der saudischen Führung – vor allem im informellen Leiter des Landes, Erbprinz Mohammed bin Salman Al Saud – eine Stütze gegen proiranische Kräfte im Libanon.

    Die Situation in Beirut spitzt sich derweil weiter zu. Auf den Straßen tauchen Plakate auf: „Wir sind mit dir, Saad“ und „Libanon wartet auf dich!“ Libanons Präsident Michel Aoun erinnerte daran, dass Premier Hariri Regierungschef bleibt, sein Rücktritt wurde nicht angenommen und sein weiterer Aufenthalt in Saudi-Arabien ist unannehmbar. Der libanesische Staatschef rief Riad dazu auf, der unverzüglichen Rückkehr Hariris in die Heimat keine Hindernisse zu bereiten.

    Laut Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah wurde die Krise um Hariri von Saudi-Arabien provoziert. Er wirft dem Land eine präzedenzlose Einmischung in die Angelegenheiten Libanons vor. Die saudische Seite versuche, die Situation im Libanon ins Wanken zu bringen, politische Kräfte, die von Riad nicht kontrolliert werden, beiseite zu schieben und die Destabilisierung dem Iran vorzuwerfen.

    Laut Dschan Tschaaban, Professor an der Amerikanischen Universität Beirut, senden die Behörden Saudi-Arabiens damit ein Signal an die Hisbollah und ihre Schutzherren: „Falls sie Stabilität im Libanon wollen, verlassen sie Jemen“.

    Hariri kritisierte die Hisbollah für ihre Einmischung in den bewaffneten Konflikt im Jemen auf der Seite der schiitischen Huthi-Rebellen, die ebenfalls vom Iran unterstützt werden. Ihnen steht eine Koalition sunnitischer Staaten gegenüber, die von Saudi-Arabien geleitet wird. Gerade am Tag der Rücktrittserklärung Hariris feuerten die Huthi eine ballistische Rakete in Richtung Riad. Das Geschoss wurde von Flugabwehrkräften Saudi-Arabiens abgefangen. Als Initiator der militärischen Einmischung in den Jemen-Konflikt gilt der Erbprinz Mohammed bin Salman.

    Der drohende neue Krieg im Nahen Osten führte bereits zur Aktivierung der internationalen Diplomatie, die ein Gewaltszenario verhindern will. „Diese Frage beunruhigt uns sehr. Wir wollen, dass im Libanon der Frieden gewahrt bleibt. Es ist äußerst wichtig, dass in der Region kein neuer Konflikt ausbricht, was zerstörerische Folgen hätte“, sagte UN-Generalsekretär Antonio Guterres.

    Zum Thema:

    Saudi Arabien fordert Bürger auf: Libanon sofort verlassen
    Libanon – neue Front des globalen Gaskriegs
    Saudi-Arabien bezichtigt Libanon der Kriegsentfesselung
    „Wecksignal an Weltgemeinschaft“: Netanjahu zum Rücktritt des libanesischen Premiers
    Tags:
    Unterstützung, Rebellen, Rücktritt, Premier, Huthi, Hisbollah, Salman bin Abdulaziz Al Saud, Saad Hariri, Jemen, Iran, Libanon, Saudi-Arabien