11:01 09 Dezember 2019
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    NATO-General Jens Stoltenberg in Serbien (Archiv)

    Belgrad will Verdacht auf Schwenk gen Russland ausräumen

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    Serbiens Präsident Alexandar Vucic hat sich am Mittwoch mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Brüssel getroffen. In der Nähe Belgrads begannen inzwischen amerikanisch-serbische Übungen. Laut Quellen will Belgrad damit die Verdächtigungen, eine Politik in Richtung Moskau zu betreiben, ausräumen, so die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Nach Angaben westlicher diplomatischer Quellen waren die Hauptthemen der gestrigen Verhandlungen von Alexander Vucic und Jens Stoltenberg das Zusammenwirken zwischen Serbien und der Nato, die Situation in der Region und die Beziehungen zwischen Belgrad und Moskau. Obwohl die serbische Führung offiziell eine Politik der militärischen Neutralität erklärt und zugesichert hat, dass das Land nicht der Nato beitreten wolle, haben seine Beziehungen zu der Allianz ein ziemlich hohes Niveau erreicht.

    Belgrad hat den Nato-Militärs nicht nur einen diplomatischen Status auf dem eigenen Territorium gewährt, sondern hält auch mit der Nato regelmäßige Übungen ab. Expertenangaben zufolge nahm Serbien in den letzten sechs Jahren an 50 Übungen mit Militärs der Nato-Länder teil – um das Fünffache mehr, als mit russischen Militärs. Stoltenberg sagte am Mittwoch, dass die Partnerschaft der Allianz mit Serbien mehr als 100 Veranstaltungen pro Jahr umfasse.

    Auffallend ist, dass auch der jetzige Besuch des serbischen Präsidenten in Brüssel mit den Übungen der serbischen und amerikanischen Landungssoldaten zusammenfiel – sie begannen am Mittwoch am Flugplatz Batajnica bei Belgrad. Die Übungen Double Eagle werden bis zum Wochenende dauern.

    Serbische Experten machen darauf aufmerksam, dass die Übungen kurz nach dem Belgrad-Besuch des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu stattfinden. Im Mittelpunkt des Besuchs stand die Übergabe von sechs MiG-29-Flugzeugen an die serbischen Luftstreitkräfte, die ein Teil der großen russischen Militärhilfe für Serbien ist.

    Die von Russland übergebenen Flugzeuge sind zwar nicht neu, das wurde aber im Westen als Beweis des Ausbaus der militärischen Zusammenarbeit zwischen Serbien und Russland wahrgenommen, die von der Erweiterung ihres militärischen Zusammenwirkens begleitet wird. Vucic bekam vor kurzem eine Einladung von Wladimir Putin, Mitte Dezember nach Moskau zu kommen. Im Januar wird der russische Außenminister Sergej Lawrow in Belgrad erwartet.

    Serbische Experten sprechen darüber, dass die Zusammenarbeit zwischen Belgrad und Moskau, die in der letzten Zeit intensiviert wurde, auch in der Nato nicht übersehen wurde. Gerade damit verbinden Experten auch die militärischen Kontakte zwischen den Nato-Ländern und Serbien. Die Aufmerksamkeit der Nato für die Länder des Balkans nimmt zu.

    Nach dem Nato-Beitritt Montenegros aktivierte sich der Integrationsprozess Mazedoniens stark. In Bosnien weilt derzeit eine Delegation des Militärausschusses der Nato mit General Petr Pavel an der Spitze. Die bosnische Verteidigungsministerin Marina Pendes gab nach dem Gespräch mit ihm zu verstehen, dass das Land bereits im Dezember eine Roadmap für die Nato-Mitgliedschaft bekomme und damit der Integrationsprozess eingeleitet werde. Der Premier des Kosovo Ramush Haradinaj äußerte am Dienstag die Zuversicht, dass die Republik 2020 der Nato beitreten werde.

    Belgrad verzichtete bislang auf seine Pläne, der Nato beizutreten. Das bestätigte vor einigen Tagen der serbische Außenminister Ivica Dacic erneut. Wie den serbischen Behörden nahestehende Quellen äußerten, will Belgrad auch weiter das Gleichgewicht zwischen Russland und dem Westen beibehalten und versucht deshalb, die Verdächtigungen einer Wendung in Richtung Moskau auszuräumen. Das Treffen des serbischen Präsidenten mit dem Nato-Generalsekretär und die Übungen mit US-Spezialeinheiten würden sich perfekt dafür eignen.

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    Tags:
    Verdacht, Beziehungen, NATO, Aleksandar Vučić, Sergej Schoigu, Jens Stoltenberg, Russland, Serbien