03:13 14 Dezember 2017
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    Präsident der Türkei Recep Tayyip Erdogan, auf dem Hintergrund - Bilder des Gründers der Türkischen Republik Mustafa Kemal Atatürk und Erdogans (Archiv)

    Erdogan als Zielscheibe der Nato

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    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat das Vertrauen der Nato in Frage gestellt, schreibt die Zeitung „Rossijskaja Gaseta“ am Montag.

    „Die Frage des Vertrauens gegenüber der Organisation löst ernsthafte Fragen in der Allianz im Ganzen aus“, sagte Erdogan in Reaktion auf den Verzicht der Nato, der Türkei Hilfe im Bereich der Flugabwehr bereitzustellen.

    Darüber hinaus fühlte sich der türkische Staatschef durch einen Vorfall bei dem Großmanöver in Norwegen massiv beleidigt. Als “feindliche” Zielscheiben wurden per Computer modellierte Aufnahmen des Gründers der Türkischen Republik Mustafa Kemal Atatürk und Erdogans gewählt. Der türkische Präsident reagierte wütend und sagte am Samstag: „Einige Fehler werden nicht von Dummköpfen, sondern von abscheulichen Menschen gemacht.“

    Man kann Erdogan verstehen, heißt es ferner im Beitrag. Atatürk gilt in der Türkei fast als Heiliger, Beleidigungen sind unzulässig. Zudem reagiert Erdogan sehr emotional auf solche Aktionen gegen ihn.

    Aus Protest beschloss die Türkei, 40 Militärs von den Übungen in Norwegen zurückzurufen. Die Nato-Führung entschuldigte sich gegenüber Erdogan. Die Nato versicherte, dass die Aufnahmen der „Feinde“ von einem norwegischen zivilen Subunternehmen und nicht von Nato-Mitarbeitern vorbereitet worden seien. Allerdings sagte Erdogan darauf, dass solch respektloses Verhalten nicht einfach so verziehen werden könne.

    Solche Episoden sind kein Einzelfall und verwandeln sich für Ankara in eine Tendenz. Erdogan erinnerte daran, wie die Nato überraschend Patriot-Raketen aus der Türkei abzog, als sein Land von Terroristen bedroht wurde. Im März empörten sich türkische Behörden wegen des Beschlusses der norwegischen Regierung, fünf türkischen Offizieren aus dem Vereinigten Zentrum der Nato politisches Asyl zu gewähren.

    Die Militärs weigerten sich, nach dem Putschversuch in der Türkei nach Hause zurückzukehren, weil sie dort „gequält und getötet“ werden. Erdogan erinnerte ebenfalls daran, dass die USA Terroristen in Syrien „politisch unterstützen, bewaffnen und mit Geld versorgen“. „Ankara kennt die Realitäten in der Region sehr genau. Die Frage ist eine andere – begreifen die USA die Folgen ihrer Politik?“, so Erdogan.

    Die Beziehungen zwischen Washington und Ankara sind auch nicht rosig – seit mehr als einem Jahr reagieren die USA nicht auf die Bitte der türkischen Seite, den Prediger Fethullah Gülen auszuliefern, der in der Türkei als Drahtzieher des Putschversuchs im Juli 2016 gilt.

    Laut Erdogan liege der wahre Grund für diese Angriffe und Provokationen seitens der Allianz in der Tatsache, dass die Türkei mit Moskau Verhandlungen über den Kauf russischer S-400-Raketen begann, um das eigene Flugabwehrsystem unter Umgehung der Nato zu stärken, was bei einigen Allianzmitgliedern heftige Kritik auslöste. „Die USA sind gegen eine Annäherung zwischen der Türkei und Russland. Das ist nicht in unserem Interesse. Und nicht im Interesse der Türkei“, sagte die US-Botschafterin in der Nato, Kay Bailey Hutchison.

    Erdogan demonstrierte aber, dass er die Interessen seines Landes mehr als aggressive Vorbereitungen der Allianz schätzt und gab zu verstehen, dass er mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin über den Ankauf nicht nur von S-400-, sondern auch von S-500-Raketen verhandeln wird.

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    Tags:
    Feind, Krise, NATO, Recep Tayyip Erdogan, Russland, USA, Türkei
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