12:42 22 April 2019
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    Schiitische Muslime beim schlammigen Kharrah Mali-Ritual im Iran

    Naher Osten und Zentralasien schlittern in neuen großen Krieg

    © AFP 2019 / Atta Kenare
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman hat die Teilnehmer der Anti-IS-Koalition zur Bildung einer neuen Koalition gegen den Iran aufgerufen, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

    Beim letzten Treffen der Außenminister der Arabischen Liga wurde eine Resolution zur Bekämpfung des Irans und zur Heranziehung der UNO für diesen Kampf verabschiedet. Falls die Anti-Iran-Koalition zustande kommt, wird dies zur massiven Verschlechterung der militärpolitischen Lage im Nahen Osten und in Zentralasien führen. Moskau wird sich in diesem Fall in einer sehr schwierigen Situation wiederfinden.

    Die Erfolge der syrischen Truppen mit Unterstützung der russischen Fliegerkräfte, der Demokratischen Kräfte Syriens sowie der irakischen Armee und der internationalen Koalition im Kampf gegen den Terrorismus in Syrien und im Irak werden dazu führen, dass der Islamische Staat bald zerschlagen wird.

    Die Kampfhandlungen sind zwar noch in vollem Gange, doch Moskau kündigte bereits an, seine Militärpräsenz in Syrien bedeutend abzubauen und nur zwei Militärstützpunkte beizubehalten – den Luftwaffenstützpunkt in Hmeimim und den Marinestützpunkt in Tartus. Bislang spricht Russland als einziger Teilnehmer dieses Kriegs von einem Truppenabzug aus der Region. Washington erklärte sogar, dass sich US-Militärs im Irak so lange befinden werden, wie erforderlich sei.

    Laut der israelischen Aufklärung wollen iranische Militärs Syrien nicht verlassen. „Offiziere und schiitische Aufständische befestigen langfristige Stützpunkte bei Damaskus, 30 km von der israelischen Grenze entfernt“. Israelische Sicherheitsdienste meinen, dass schiitische Aufständische, die am Krieg teilnahmen, in die syrische Armee aufgenommen werden können. Dieser Fakt wird von Jerusalem als direkte Sicherheitsbedrohung für Israel eingestuft.

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    Deswegen machte der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman vor kurzem mehrere eindeutige Verkündigungen. Er rief die regionalen Staaten auf: „Die Koalition gegen den Islamischen Staat hat ihre Tätigkeit abgeschlossen. Heute ist die Schaffung einer Koalition gegen den Iran, den größten Schutzherren und Sponsor des Terrorismus erforderlich“. Diese Worte waren wohl nicht nur an die Golf-Staaten, sondern an alle Teilnehmer der US-geführten Anti-ISIL-Koalition gerichtet.

    Ein Koalitionskrieg gegen den Iran würde den Nahen Osten und Zentralasien zur Explosion bringen und sich vielleicht auf nahegelegene Regionen ausdehnen. Das wäre de facto ein offener Kampf der Sunniten und Schiiten, wobei erstere diesmal vom Westen und Israel unterstützt werden.

    Die Hisbollah und Damaskus werden auf der Seite Teherans stehen. Im Irak werden die Amerikaner enttäuscht – die schiitische Regierung wird nicht gegen Teheran kämpfen. Hier muss Washington die kurdische Karte spielen und auf sunnitische Aufständische setzen. Die Türkei wird wohl nicht der Koalition beitreten. Falls sich der Krieg in die Länge zieht, wird sich Bagdad auf die Seite des Irans stellen. Die Schaffung einer internationalen Militärkoalition gegen Teheran würde dazu führen, dass zunächst Syrien und dann auch der Irak erneut in einem Bürgerkrieg versinken.

    Ein bewaffneter Konflikt in Afghanistan würde noch erbitterter verlaufen. Dort müssten die Nato-Kräfte und die jetzigen Behörden nicht nur gegen die Taliban und andere sunnitische Kampfgruppen vorgehen, sondern auch gegen Hazara und auch Ismailiten. Die Hazara besiedeln vorwiegend das Zentrum des Landes, Ismailiten gibt es überwiegend in den Gebirgsregionen im Osten Afghanistans, im Süden Tadschikistans, im Nordosten Pakistans und im Norden Indiens. Auf beide hat Teheran einen bedeutenden Einfluss.

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    Tags:
    Hisbollah, Avigdor Lieberman, Türkei, Irak, Afghanistan, Iran, Syrien, Zentralasien, Naher Osten